Meißner, O.: Über die Temperaturen der Berliner Sommer von 1771 bis 1900. 8319
um relativ !/,° wärmer als der wärmste Juni und über 1° wärmer als der wärmste
August. Hierin und in der Abnahme der Gesamtamplitude von 8.4° im Juni
auf 7.6° im August darf man wohl die bekannte „Beruhigung der atmosphärischen
Verhältnisse zum Herbst hin“ sehen — natürlich könnte dieser Schluß aus dem
vorliegenden Material allein nicht gezogen werden, wie die mittleren Fehler
zeigen, ohne die solche Untersuchungen nicht brauchbar sind —, aber sie stimmen
gut zu den sonstigen Erfahrungen. Besonders beachtenswert ist aber das Ver-
hältnis der Amplituden der Monate zu denen ihrer 10jährigen Mittel. Es ist viel
zu hoch! Das bedeutet: innerhalb der Jahrzehnte war die Differenz geringer,
als man erwarten sollte; doch soll hier nicht weiter darauf eingegangen werden;
es ist eine Wirkung der „Beharrungstendenz“!),
5. Vorzeichenfolgen und -wechsel. Eine kleine qualitative Folgerung sei hier
noch gegeben. Die Tab. 3 gibt an, wie oft auf einen zu warmen Juni ein zu
warmer Juli folgte usw. Man sieht — es handelt sich hier um die Jahrzehnte-
mittel — eine starke Beharrungstendenz. Daß nach gleichzeitig zu warmem
Juni und Juli der August zu kalt war, ist überhaupt nicht eingetreten; im übrigen
sprechen die Zahlen der Tab. 3 für sich.
Tabelle 3. Vergleichung der Vorzeichen,
(VI = Juni usw., S=— Sommer, M — Monat, arabische Ziffern: Anzahl.)
AL.
SELL NUT
3 Monate
>
34
3
”— ” Kkühr
*. 5. 6.
"”T..VIHN+6 VI+S+6 VIM+S+4+6
ViH—1 VHA+8S—1 YVII+S-—1
T_VYII+1 VIE—S+0 VIN—S+0
1— Viil1—5 VNu— S—um6 YDHI—S—6
- ı
Sex
VT 9. VI— 10. S+ i.- 8
Wr WINE 1 83M+5 3M—A
T00—0 V “N—1 2M+4+1 2M—3
WA+rO VO U N+AI
VıuL— VIT—1 Vu — VII —4
Tab. 3 ist also zu lesen: Juni zu warm, Juli zu warm kam 5mal vor; Juni
zu warm, Juli zu kalt 1mal; Juni zu warm, August zu warm 5mal; Juni zu
warm, Sommer zu warm 5mal (11); Sommer zu kalt, 3 Monate zu kalt 4mal;
Inur] 2 Monate zu kalt 3mal.
6. Reihenfolge der Monate nach ihrer Temperatur. Hatten wir es im vorigen
Paragraph mit den Jahrzehntemitteln zu tun, so geben die „Folgezahlen“ der
Tab. 1 die Häufigkeiten, wie oft in dem Zeitraum jeder Monat der wärmste,
mittlere bzw. kälteste war, nach den Einzelsommern.,
Tabelle 4. Reihenfolve der Monate nach ihrer Mitteltemperatur ?).
RK.
u.
378
387 '
768 | 27
786 ;
367
Diet
3 2 189 | (100)
di
Str.
1.:Str. | R.(H))
192
1.69
2.08
?N8
* Qqn
£ 0,87
0.72
1.50
171
0.95
1.05
0.73
0.55
1.65
Men
IV
VI
III
a
702) | — 01 2—
1.67 1.28 | 092
(0.77)
= o—
R. (Str.)
V
vI
HM
Die Reihenfolge der Mittelwerte: Juli, August, Juni (in der Tab. 4: 786) trat
zwar am häufigsten auf, aber doch nur 40mal, in knapp einem Drittel der Fälle.
Die Streuungen sind die quadratischen Abweichungen der Jahrzehntemittel. Nur
in 9 von den 130 Beobachtungsjahren war die Reihenfolge genau umgekehrt wie
im Mittel: Juni, August, Juli. Nur in wenig über der Hälfte aller Jahre war
4) Hierzu kann man vergleichen meine Arbeit: „Über die jährliche Amplitude der Temperatur
in Berlin und Leipzig.“ Ann. d. Hydr. usw. 1941, S. 363 ff. sowie „Beharrungs- und Ausgleichungs-
tendenz“, Zeitschr. f. angew. Met. (Wetter) 1942, Heft 1, S. 25 bis 28. — ?%) R. == Reihenfolge,
A. = Anzahl, H. = Häufigkeit in %, Str. = Streuung, X = Summe, M. = Mittel.