Wegener, Kurt: Die statistische Prognose.
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einige zufällig sehr ähnliche Wetterlagen der Vergangenheit den Nutzen auf-
zeigten. Eine zu starke Unterteilung liefert zu viele Leerstellen, Je weiter die
Materialsammlung fortschreitet, um so stärker muß allerdings in der Zukunft
unterteilt werden.
Die Kombination der statistischen und physikalischen Methode läuft auf
ein Differential-Verfahren hinaus, Man braucht die physikalischen Überlegungen
nur noch auf die Differenzen der gegenwärtigen und der ähnlichsten vergan-
genen Wetterkarten anwenden, kann also zu einer Verfeinerung kommen. Außer-
dem kann aber der Katalog ein wichtiges Studienmaterial, eine Unterstützung
des Gedächtnisses liefern. Daß man mit der gegenwärtigen mittelbaren Methode
allein nicht mehr viel weiterkommen kann, wird heute wohl allgemein eingesehen.
Auch bei Stationen, die sehr weit voneinander entfernt sind, zeigt sich eine
statistische Wechselbeziehung in den meteorologischen Beobachtungen, Man
braucht also eigentlich die gleichzeitigen Beobachtungen über die ganze Welt.
In diesen steckt aber der Tagesgang der Temperatur, wenn man nicht aerologische
Beobachtungen verwendet, deren Netz wieder zu dünn ist. Man muß sich daher
mit Näherungen zufrieden geben. Die Dichte des Netzes ist andererseits schon
jetzt so groß, daß sich die einlaufenden Beobachtungen, trotz aller Vereinfachungen
durch graphische Darstellungen, kaum mehr ausnutzen lassen. Vor allem aber
müssen wir bei der physikalischen Methode mit adiabatischen Prozessen rechnen,
lie es in der Natur nicht gibt, und können die Bodenstrahlung, die den Charakter
der Luftmassen fortlaufend verändert, einstweilen nicht berücksichtigen. Die
Versuche andererseits, zu einer Voraussicht auf längere Zeit durch die Unter-
suchung von Periodizitäten zu gelangen, sind doch wohl einstweilen zweifelhaft;
die einzigen Periodizitäten, die deutlichen Einfluß ausüben, nämlich Tag und
Jahr, wurden ohnehin von jeher berücksichtigt. So bleibt anscheinend nichts
weiter übrig, als mechanisierte statistische Methoden anzuwenden, Von diesen
ist ja der Wetterdienst auch ausgegangen. Die Erfahrung, daß eine Schneedecke
stabilisierend auf Hochdruckgebiete wirkt, wird verwendet, obgleich die Boden-
strahlung in den physikalischen Überlegungen bisher fehlt, Auch der statistische
Satz, daß Tiefdruckgebiete sich bei uns so bewegen, daß sie den höchsten Druck
und die höchste Temperatur rechts lassen, behält seine Gültigkeit, wenn wir
auch heute das horizontale Temperaturgefälle oder besser Dichtegefälle als
Ursache für die Entstehung und Weiterentwicklung des Tiefdruckgebietes ansehen.
Zum Schluß sei das Schema hierher gesetzt, nach dem die Ordnung des
Materials für die einzelnen Monate vorgenommen wurde:
Tahr
)atum
Yruckgefälle in Mitteleuropa nach .. . (N, NE usw.)
‘tärke (0.1 = schwach, 2 = mäßig, 3 == stark)
'ruck in Reykjavik in mm Hg
(emperatur in Berlin in °C
Temperaturgefälle nach N—NE usw,
Stärke (O0, usw.)
Nach diesem Schema wurden von Tag zu Tag die Wetterkarten husgeschrieben,
und die durch die Buchstaben links angedeuteten Streifen ausgeschnitten und in
den Katalog oder die Kartothek eingefügt.
Kleinere Mitteilungen.
Ein Beitrag zur Windstärkenskala auf See. Es darf heute als erwiesen
angesehen werden, daß die internationale Windstärkenskala für Beobachtungen und
Messungen auf See keine Gültigkeit besitzt. Damit ergibt sich die Notwendigkeit,
eine Beziehung zwischen der nach dem Seegang geschätzten Windstärke und der
gemessenen Windgeschwindigkeit festzulegen. Als richtungsweisende Arbeit zur
Festlegung einer „Windstärkenskala auf See“ dürfen die von H. Seilkopf im
Handbuch der Fliegerwetterkunde, Bd. II, Maritime Meteorologie (Berlin 1939)
geschriebenen Darlegungen gelten. Die folgenden Ausführungen stützen sich
Nsbesondere auf die a.a. O. auf S. 45 wiedergegebenen Zahlenreihen,