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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 70 (1942)

Wegener, Kurt: Die statistische Prognose. 
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einige zufällig sehr ähnliche Wetterlagen der Vergangenheit den Nutzen auf- 
zeigten. Eine zu starke Unterteilung liefert zu viele Leerstellen, Je weiter die 
Materialsammlung fortschreitet, um so stärker muß allerdings in der Zukunft 
unterteilt werden. 
Die Kombination der statistischen und physikalischen Methode läuft auf 
ein Differential-Verfahren hinaus, Man braucht die physikalischen Überlegungen 
nur noch auf die Differenzen der gegenwärtigen und der ähnlichsten vergan- 
genen Wetterkarten anwenden, kann also zu einer Verfeinerung kommen. Außer- 
dem kann aber der Katalog ein wichtiges Studienmaterial, eine Unterstützung 
des Gedächtnisses liefern. Daß man mit der gegenwärtigen mittelbaren Methode 
allein nicht mehr viel weiterkommen kann, wird heute wohl allgemein eingesehen. 
Auch bei Stationen, die sehr weit voneinander entfernt sind, zeigt sich eine 
statistische Wechselbeziehung in den meteorologischen Beobachtungen, Man 
braucht also eigentlich die gleichzeitigen Beobachtungen über die ganze Welt. 
In diesen steckt aber der Tagesgang der Temperatur, wenn man nicht aerologische 
Beobachtungen verwendet, deren Netz wieder zu dünn ist. Man muß sich daher 
mit Näherungen zufrieden geben. Die Dichte des Netzes ist andererseits schon 
jetzt so groß, daß sich die einlaufenden Beobachtungen, trotz aller Vereinfachungen 
durch graphische Darstellungen, kaum mehr ausnutzen lassen. Vor allem aber 
müssen wir bei der physikalischen Methode mit adiabatischen Prozessen rechnen, 
lie es in der Natur nicht gibt, und können die Bodenstrahlung, die den Charakter 
der Luftmassen fortlaufend verändert, einstweilen nicht berücksichtigen. Die 
Versuche andererseits, zu einer Voraussicht auf längere Zeit durch die Unter- 
suchung von Periodizitäten zu gelangen, sind doch wohl einstweilen zweifelhaft; 
die einzigen Periodizitäten, die deutlichen Einfluß ausüben, nämlich Tag und 
Jahr, wurden ohnehin von jeher berücksichtigt. So bleibt anscheinend nichts 
weiter übrig, als mechanisierte statistische Methoden anzuwenden, Von diesen 
ist ja der Wetterdienst auch ausgegangen. Die Erfahrung, daß eine Schneedecke 
stabilisierend auf Hochdruckgebiete wirkt, wird verwendet, obgleich die Boden- 
strahlung in den physikalischen Überlegungen bisher fehlt, Auch der statistische 
Satz, daß Tiefdruckgebiete sich bei uns so bewegen, daß sie den höchsten Druck 
und die höchste Temperatur rechts lassen, behält seine Gültigkeit, wenn wir 
auch heute das horizontale Temperaturgefälle oder besser Dichtegefälle als 
Ursache für die Entstehung und Weiterentwicklung des Tiefdruckgebietes ansehen. 
Zum Schluß sei das Schema hierher gesetzt, nach dem die Ordnung des 
Materials für die einzelnen Monate vorgenommen wurde: 
Tahr 
)atum 
Yruckgefälle in Mitteleuropa nach .. . (N, NE usw.) 
‘tärke (0.1 = schwach, 2 = mäßig, 3 == stark) 
'ruck in Reykjavik in mm Hg 
(emperatur in Berlin in °C 
Temperaturgefälle nach N—NE usw, 
Stärke (O0, usw.) 
Nach diesem Schema wurden von Tag zu Tag die Wetterkarten husgeschrieben, 
und die durch die Buchstaben links angedeuteten Streifen ausgeschnitten und in 
den Katalog oder die Kartothek eingefügt. 
Kleinere Mitteilungen. 
Ein Beitrag zur Windstärkenskala auf See. Es darf heute als erwiesen 
angesehen werden, daß die internationale Windstärkenskala für Beobachtungen und 
Messungen auf See keine Gültigkeit besitzt. Damit ergibt sich die Notwendigkeit, 
eine Beziehung zwischen der nach dem Seegang geschätzten Windstärke und der 
gemessenen Windgeschwindigkeit festzulegen. Als richtungsweisende Arbeit zur 
Festlegung einer „Windstärkenskala auf See“ dürfen die von H. Seilkopf im 
Handbuch der Fliegerwetterkunde, Bd. II, Maritime Meteorologie (Berlin 1939) 
geschriebenen Darlegungen gelten. Die folgenden Ausführungen stützen sich 
Nsbesondere auf die a.a. O. auf S. 45 wiedergegebenen Zahlenreihen,
	        
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