292 Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, September 1942,
Wetterlagen des gleichen Monats der verflossenen Zeit auf einige wenige redu-
ziert war, die man leicht aufschlagen und vergleichen konnte, wurde dann die
Temperatur und ihre Verteilung, die ja auf den Wetterkarten aus guten Gründen,
nämlich wegen der örtlichen Einflüsse, nicht anschaulich durch Linien gleicher
Temperatur dargestellt war, zum schärferen Vergleich betrachtet,
Ich möchte nach den damaligen Erfahrungen meinen, daß es vielleicht zweck-
mäßig ist, auch die Grundlage für die statistische Methode von der Jahreszeit
abhängig zu machen. Im Winter scheinen mir die Trägheitskräfte (Luftdruck), im
Sommer die Temperatur bei kleinen Druckdifferenzen, die überwiegend von Dichte-
Unterschieden, nicht von Trägheitskräften herrühren, ausschlaggebend zu sein,
Die Erfahrung zeigte nun, daß oft die zur Verfügung stehende Beobachtungs-
reihe zu kurz war, und in dieser nicht ein Fall gefunden wurde, der sich mit
dem zu beurteilenden befriedigend vergleichen ließ, Wurde dagegen eine ähn-
liche Wetterlage gefunden, so blieb die Weiterentwicklung längere Zeit hindurch
ähnlich, und nur allmählich entfernten sich die Bilder voneinander. In manchen
Fällen war eine Prognose auf 4 bis 5 Tage möglich, also auf erheblich längere
Zeit, als die physikalische Methode sie erlaubt.
Ob statt des Luftdrucks etwa die Fronten einen besseren zweiten Einteilungs-
grund nach dem ersten, der Jahreszeit, abgeben würden, scheint mir zweifelhaft,
weil oft die eingezeichneten Fronten, mindestens stückweise, auf Mutmaßung be-
ruhen und auf den früheren Wetterkarten erst mühsam durch Untersuchung der
Temperatur, des Niederschlags und der Bewölkung festgestellt werden müßten,
wieweit sie reell sind. Besonders auffällig ist mir, daß für die sekundären Rand-
gebiete, die die Regel im Sommer sind, die nur bis zu 4000 bis 5000 m reichen, selb-
ständige flache Tiefdruckgebiete darstellen, und mit der oberen Strömung mit-
schwimmen, niemals selbständige Fronten gezeichnet werden. Das Maß der Zu-
verlässigkeit der Fronten kommt auf den Wetterkarten kaum zum Ausdruck.
Oft handelt es sich um einen allmählichen, stetigen Übergang, gelegentlich über
große Strecken, und wirklich starke sprunghafte Änderungen von Wind und
Temperatur bleiben in der Regel an die speziellen Böenfronten gebunden.
Bei der Luftmassen-Analyse wieder stehen wir vor einem ungelösten, und
wegen der Strahlung und Durchmischung schwer lösbaren Problem. Die Wir-
kung des von Italien kommenden Alpenföhns auf den Menschen ist bekannt. In
Innsbruck verschlechtert sich an den Tagen, an denen die Luft in der Höhe aus
Italien kommt, der Zustand der Kranken in den Kliniken; aber auch in Graz,
wo das Gebirge niedrig ist, die Täler aber so abgeschlossen sind, daß von der
Luftströmung, die über die Kämme weht, unten im Tal nichts zu merken ist,
tritt das gleiche ein; eine Selbsttäuschung ist hier nicht möglich, weil es sich
hier um Strömungen in der Höhe handelt, die uns durch den Verlauf der Iso-
baren deutlich gezeigt werden; und die Statistiken der Kliniken sind unabhängig.
Der physikalische Zustand der Luftmassen aber ist von dem anderer, medizinisch
nicht wirksamer Luftmassen nicht meßbar verschieden, Auch die Luftmassen-
Analyse scheint daher einstweilen keinen geeigneten Einteilungsgrund abzugeben,
zumal sie meistens nicht auf unmittelbaren Beobachtungen, sondern auf der
Deutung derselben beruht. Es ist aber allgemein wünschenswert, die unmittel-
baren Beobachtungen, und nicht Deutungen, die man bestreiten kann, der Ein-
teilung zugrunde zu legen,
Den 12 Heften, die für die 12 Monate erforderlich waren, entsprachen 10 Ab-
schnitte oder Teilhefte in jedem Heft je nach der Richtung der Druckgradienten
in Mitteleuropa (N, NE, E usw, H oder T); den 8 Abschnitten mit Richtung
je 3 Unterabschnitte nach der Stärke des Gefälles (schwach, mäßig, stark). Dann
kamen weitere Unterabschnitte für Azoren-Hoch usw., und diese Unterabschnitte
waren wieder nach der Temperatur geordnet, Man hatte also auf der neuen
Wetterkarte nur einige Eigenschaften festzustellen und konnte nun leicht im
Katalog die Daten der vergangenen Jahre mit den ähnlichsten Wetterlagen er-
mitteln. Bemerkenswert ist, daß sich bestimmte Typen der Wetterentwicklung
wiederholten, Die Einteilung war bei mir von Monat zu Monat verschieden, weil
ich den Katalor als Versuchsanvgelegyenheit betrachtete. und weil überhaupt erst