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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 70 (1942)

278 Annalen der Hydrographie uud Maritimen Meteorologie, September 1942, 
zich das physikalische Meeresniveau erneut, und die Abweichung nimmt hier 
wieder negative Werte (bis zu — 3.5 dyn. cm) an. Diese Einsenkung ist durch 
eine Anzahl Beobachtungen gut belegt, und es ist sehr wahrscheinlich, daß es 
sich bei dieser Senkung um eine durchaus stationäre Erscheinung handelt. 
Zwischen den großen Einbuchtungen des physikalischen Meeresniveaus im Öst- 
lichen und westlichen Tiefenbecken des Schwarzen Meeres und dieser mittleren 
südlich der Krim scheint keine unmittelbare Verbindung zu bestehen, was eben- 
falls durch Einzelbeobachtungen gut belegt ist. Um eine kleinere Vertiefung des 
physikalischen Meeresniveaus scheint es sich unmittelbar nördlich der anatoli- 
schen Küste, ebenfalls unter 34° W-Länge zu handeln, doch fehlen hier gerade 
auf der östlichen Flanke dieses vermutlichen „Troges“ die Beobachtungen, 
Bemerkenswert sind die wirbelartigen Störungen an der Umrandung der 
großen talförmigen Einbuchtung im östlichen Schwarzmeerbecken. Es läßt sich 
auf Grund der vorhandenen Beobachtungen nicht sicher entscheiden, ob es sich 
bei diesen Randstörungen um stationäre Wirbel handelt, oder ob sie mehr zu- 
(älliger Natur sind. Doch ist bemerkenswert, daß sich dieser Verlauf der dyn. 
[sobathen auch in der horizontalen Verteilung des Salzgehaltes widerspiegelt, was 
an anderer Stelle gezeigt werden soll. Der Gedanke, daß es sich bei diesen, in 
ziemlich gleichmäßigem Abstand auftretenden wellenförmigen Störungen um 
Randwirbel handelt, ist nicht ohne weiteres abzuweisen, doch müßte ihre stationäre 
Natur durch eine größere Anzahl von Beobachtungen sichergestellt werden, 
In der südöstlichen Bucht des Schwarzen Meeres, nordwestlich von Batum, 
zeigen die Beobachtungen eine Erhebung des physikalischen Meeresniveaus bis 
zu >15 dyn. cm, von wo aus in südöstlicher Richtung eine neue talförmige Ein- 
senkung erfolgt, und dann erst der Anstieg des physikalischen Meeresniveaus zur 
Küste bis auf mehr als 20 dyn. cm festgestellt werden kann. In diesem Teil des 
Schwarzen Meeres können auch in der Topographie der dyn. Bezugsfläche be- 
merkenswerte Unregelmäßigkeiten beobachtet werden, die wir im wesentlichen 
spiegelbildlich in der Topographie des physikalischen Meeresniveaus wiederfinden. 
Das charakteristische Bild des physikalischen Meeresniveaus ist überhaupt in 
seinen Grundzügen der Topographie der dyn. Bezugsfläche und der Tiefenlage 
der 0.5 cm*/1 H,S-Schicht weitgehend ähnlich, mit dem Unterschied, daß einer 
Erhebung des physikalischen Meeresniveaus im allgemeinen eine Einsenkung der 
dyn. Bezugsfläche entspricht und umgekehrt. Im einzelnen kann der Verlauf der 
Linien etwas voneinander abweichen; eine genaue Übereinstimmung zwischen beiden 
ist übrigens auch gar nicht zu erwarten, denn die Tiefenlage der Bezugsfläche 
ist ja nicht allein von den dynamischen Verhältnissen an der Meeresoberfläche 
abhängig. 
Im westlichen Teil des Schwarzen Meeres scheinen die Verhältnisse etwas 
ausgeglichener und gemäßigter zu sein. Die dyn. Isobathen auf dem Schelfgebiet 
der nordwestlichen Bucht sind nach der Helland-Hansenschen Anschluß- 
methode berechnet, bei der man aber im Zweifel sein kaun, ob sie in diesem Falle 
ohne Bedenken anzuwenden ist oder nicht, worauf bereits kurz hingewiesen 
wurde, Die Linien sind deshalb auch nur gestrichelt, um anzudeuten, daß man 
mit irgendwelchen Folgerungen, die daran anknüpfen, vorsichtig sein muß. Es 
ist auffällig, daß die dyn. Höhenunterschiede in diesem Gebiet relativ klein sind. 
Im zentralen Gebiet des Schelfes, etwa in 45° N und 31° E könnte man sich diese 
Tatsache vielleicht erklären, denn es scheint sich hier um ein relativ strom- 
schwaches Gebiet zu handeln. Nach der rumänischen Küste zu muß aber ein 
stärkerer Anstieg des physikalischen Meeresniveaus erwartet werden, da hier ein 
ziemlich beständiger Strom nach Süden setzt, der auch durch Beobachtungen 
belegt ist. 
7. Das Feld des stationären Gradientstromes an der Oberfläche 
des Schwarzen Meeres, 
Bei Kenntnis der absoluten Topographie des physikalischen Meeresniveaus 
jäßt sich das Gradientstromsystem der Meeresoberfläche sofort angeben. Wird 
stationäre und reibungslose Bewegung vorausgesetzt, dann folgt die Strömung
	        
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