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Volltext: 70, 1942

Neumann, Gerhard: Die absolute Topographie des physikalischen Meeresniveaus usw. 9277 
sehr in Frage gestellt; für die Randgebiete des Schelfes konnte aber immerhin 
der Versuch gemacht werden, die absolute Topographie der Meeresoberfläche 
soweit wie möglich nach Norden anzuschließen. Die Ergebnisse müssen aber 
immer kritisch aufgefaßt werden, und die dynamischen Isobathen!) der Topo- 
graphie der Meeresoberfläche wurden deshalb in diesem Teil des Meeres nur 
gestrichelt eingezeichnet, Einige Schelfstationen an der Südspitze der Krim und 
nördlich von In€boli, die auf Wassertiefen von etwa 100 bis 200 m liegen, konnten 
an die Nord-Südschnitte Sarytsch-Ineboli verhältnismäßig sicher angeschlossen 
werden, und die berechneten dynamischen Höhen fügen sich dem allgemeinen 
Verlauf der dynamischen Isobathen gut ein. 
6. Die absolute Topographie des physikalischen Meeresniveaus. 
Zu einer vollständigen Darstellung der Topographie des physikalischen 
Meeresniveaus gehört die Berücksichtigung der stationären Luftdruckverteilung, 
denn bekanntlich verhalten sich die Wassermassen der Seen und Ozeane 
gegenüber den örtlichen Luftdruckunterschieden an der Grenzfläche Ozean- 
Atmosphäre wie ein großes Wasserbarometer. Bei hohem Luftdruck über 
dem einen und niedrigem Luftdruck über dem anderen Gebiet des Meeres 
stellt sich die Meeresoberfläche zwischen beiden Gebieten gegenüber der Geoid- 
fläche geneigt ein, derart, daß unter dem hohen Luftdruck das Meeresniveau 
tiefer, unter dem Gebiet niedrigeren Luftdrucks höher steht als die Niveau- 
fläche des Geoids. Den stationären Luftdruckunterschieden in mbar entsprechen 
entgegengesetzte Abweichungen des Meeresniveaus vom Geoid im Betrage von 
etwa dem 0.973 fachen in cm. Die mittlere Luftdruckverteilung über dem 
Schwarzen Meer zeigt im Sommer höheren Luftdruck im Nordwestteil mit etwa 
1014 mbar und niedrigeren Luftdruck im Südostteil mit etwa 1012 mbar (28). 
Der stationäre Luftdruckunterschied zwischen beiden Gebieten beträgt demnach 
nur rund 2 mbar, was eine Neigung des physikalischen Meeresniveaus von SE 
nach NW um etwa 2cm hervorrufen würde. Da die durch Luftdruckunterschiede her- 
vorgerufene stationäre Deformation der absoluten Topographie für die Dynamik 
der Meeresströmungen bedeutungslos ist, wurde von ihrer Berücksichtigung ganz 
abgesehen. 
Die Topographie des physikalischen Meeresniveaus (Abb. 5) zeigt in den zen- 
tralen Teilen des östlichen und westlichen Schwarzmeerbeckens auf großer Fläche 
eine Senkung bis zu —2.5 dyn. cm und steigt, wenn wir zunächst von einigen 
Störungen und von dem wellenförmigen Verlauf der dyn., Isobathen im östlichen 
Teil absehen, nach den Küsten hin an. Die größten positiven Abweichungen?) 
finden wir an der Ostküste zwischen Noworossijsk und Batum, wo sich das physi- 
kalische Meeresniveau bis zu 22.5 dyn. cm und mehr über die angenommene 
Niveaufläche des Geoids erhebt. So wurde z. B. etwas südlich von Noworossijsk 
eine Abweichung von 24.7, bei Kap Kodor eine solche von 22,8 dyn. cm festgestellt. 
Auch an der Südküste der Krim erhebt sich das physikalische Meeresniveau bis 
zu 15 dyn. cm und wahrscheinlich noch etwas mehr (östlich Jalta 17.0 beobachtet) 
über die angenommene Niveaufläche. Entlang der anatolischen Küste, etwa von 
Eregli bis Sinope beträgt die Abweichung >10 dyn. cm. Etwas weiter in Rich- 
tung ESE fehlen leider in Küstennähe die Beobachtungen, doch ist anzunehmen, 
daß auch hier die Erhebung bis zu 7.5 und 10 dyn. cm beträgt; jedenfalls zeigen 
die Beobachtungen nördlich von Vona burnu bereits wieder eine Hebung von 
13.7 und 16.4 dyn. cm. 
Von einer ausführlichen Beschreibung der Topographie des physikalischen 
Meeresniveaus kann an dieser Stelle abgesehen werden; nur auf einige bemerkens- 
werte Unregelmäßigkeiten und Störungen des Linienverlaufs sei im folgenden 
kurz hingewiesen. Südlich der Krimhalbinsel, etwa in 43.75° N und 34° E. senkt 
1) Richtiger wäre es, hei den Topographien der Druckflächen oberhalb der dynamischen Bezugs- 
fläche von „dynamischen lsohypsen“ zu sprechen. Die Bezeichnung „dynamische Isobathen“ hat 
sich aber schon so sehr in die meereskundliche Literatur eingebürgert, daß ganz allgemein bei der 
Darstellung der Topographien durch Isolinien von dyn. Isobathen gesprochen wird. 
2, Die Abweichungen beziehen sich immer auf einen willkürlich gewählten Nullpunkt.
	        
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