Neumann, Gerhard: Die absolute Topographie des physikalischen Meeresniveaus usw. 273
Tiefenschichten, in denen mit großer Wahrscheinlichkeit bewegungsloses oder nur
schwach bewegtes Wasser anzunehmen ist, sind durch vertikale Pfeile gekenn-
zeichnet. Im unteren Teil der Abb. 1 ist die Längserstreckung dieser Schicht
im Schnitt Sarytsch-Rise durch die schraffierte Fläche dargestellt. Das Auffallende
an dieser Tiefenschicht ist, daß sie angenähert mit der Obergrenze der fast
homogenen unteren Wassermasse bzw. mit der Tiefenlage der 0.5cm*/l H,S-Schicht!)
zusammenfällt.
Die Gesamtheit dieser Tiefen (4D = konst.) ordnet sich, in eine Karte des
Schwarzen Meeres eingetragen, zu einem in sich geschlossenen System, derart, daß
die geringen Tiefen in den zentralen, die größeren Tiefen im allgemeinen mehr
in den peripheren Teilen des Meeresbeckens zu finden sind. In Abb, 2 ist die so
ermittelte Tiefenlage der Schicht konstanter dynamischer Tiefendifferenz für das
Abb. 2. Tiefenlage der Schicht konstanter dynamischer Tiefendifferenz (angenommene Topographie
der dynamischen Bezugsfläche). Die Zahlen bedeuten Meter.
Schwarze Meer dargestellt. Von dieser Schicht wollen wir annehmen, daß sie
mit einer bewegungslosen oder nahezu bewegungslosen Wasserschicht zusammen-
fällt, also eine dynamische Bezugsfläche darstellt, Diese Bezugsfläche fügt sich
dem ozeanographischen Aufbau des Schwarzen Meeres gut ein und ihre Topo-
graphie zeigt ganz charakteristische Merkmale. Auch andere Grenzflächen im
Schwarzen Meer, z. B. die schon erwähnte Obergrenze des Schwefelwasserstoff-
gebietes (0.5 cm®/l) zeigen einen ähnlichen Verlauf und fallen angenähert mit
*) Im vertikalen Aufbau des Schwarzen Meeres hat man hauptsächlich drei Schichten zu unter-
scheiden, Die obere Schicht ist durch deutlich ausgeprägte Vertikalkonvektion gekennzeichnet und
die ozeanographischen Elemente sind in ihr starken periodischen und unperiodischen Schwankungen
ausgesetzt. Diese Schicht reicht bis in Tiefen von 50 bis 70 m, stellenweise noch tiefer. Darunter
liegt eine zweite Schicht, in der wohl keine ausgesprochene thermische Vertikalkonvektion vorhanden
ist, aber noch verhältnismäßig starke Schwankungen der ozeancgraphischen Faktoren auftreten können.
Der Sauerstoffgehalt nimmt zuerst schnell, dann langsamer mit der Tiefe ab und an seine Stelle tritt
an der Untergrenze dieser Schicht der Schwefelwasserstoff. Dieses giftige Gas ist neben der geringen
Dichtezunahme mit der Tiefe das charakteristische Kennzeichen der dritten Schicht, der mächtigen,
unbelebten Tiefe. Die obere Grenze dieses Schwefelwasserstoffgebietes kann nicht immer einwandfrei
festgestellt werden, Um zu präzisen Angaben zu kommen, wird als Obergrenze eine Schicht
definiert, die eine geringe, aber durch Analyse noch exakt zu bestimmende Menge des gelösten Gases
enthält (0.5 cm*/l H,S). Die Tiefenlage dieser Grenzschicht schwankt zwischen 150 und 250 m, und ihre
räumliche Lage im Gesamtwasserkürper ist eng mit der Dynamik der oberen Wasserschichten verbunden.
Ann. d. Hydr. usw. 1942. Heft IX. Kl