Neumann, Gerhard: Die absolute Topographie des physikalischen Meeresniveaus usw. 269
Gewichten beträgt + 0.0001, d.h. etwa + 0.12 °/, des Salzgehaltes. Für die tieferen
Schichten mit verhältnismäßig geringen Salzgehaltsunterschieden besitzen diese
alten Beobachtungen nur beschränkten Wert und sind auch zusammen mit neueren
Bestimmungen nur mit Vorsicht zu gebrauchen. In den oberen Wasserschichten
dagegen, wo der Salzgehalt um mehrere Promille auf eng begrenztem Raum
schwanken kann, wird der Fehler weniger von Bedeutung sein, wenn nur das
Material von 1890/91 immer mit der nötigen Kritik verwendet wird.
Über Instrumente und Beobachtungsmethoden der neueren Expeditionen
geben ein Bericht von W. N. Nikitin und E. F. Skworzow (17) und die Ver-
öffentlichungen der Hydrographischen Hauptverwaltung (10) Auskunft, Zur
Temperaturmessung dienten Kippthermometer von Negretti-Zambra und Richter,
zum Teil auch die Angaben eines „isolierten“, auf !/,,° C geteilten Thermometers.
Vergleichsmessungen zwischen beiden Temperaturangaben ergaben eine durch-
schnittliche Differenz von 0.013° C, doch kamen vereinzelt auch Abweichungen
bis zu + 0.08 und — 0.06°C vor. Für die Genauigkeit der Temperaturmessungen
wird allgemein 0.02 bis 0.03° C angegeben. Der benutzte Wasserschöpfer wird
als „Pettersson-Nansen-Bathometer‘“ beschrieben, wobei es sich offenbar um einen
isolierenden Pettersson-Nansen-Schöpfer handelt, an dem ein Kipprahmen zur
Aufnahme der Thermometer befestigt war, ähnlich wie ihn O. Krümmel auf
Seite 327 seines Handbuches beschrieben hat. Dieser Wasserschöpfer war, sofern
er zur Entnahme des schwefelwasserstoffhaltigen Tiefenwassers diente, etwas um-
geändert und vor allen Dingen so beschaffen, daß jede Berührung der einge-
schlossenen Wasserprobe mit irgendwelchen Metallteilen vermieden wurde, Ferner
wurden Wasserschöpfer nach dänischem Muster (?) und ein kleiner Kippschöpfer
benutzt, die beide nicht näher beschrieben sind. Die Proben aus größeren Tiefen
wurden jedoch sämtlich mit dem Pettersson-Nansen-Schöpfer gewonnen.
Der Cl-Gehalt wurde meistens nach der üblichen Methode (Mohr-Knudsen)
titrimetrisch unter Verwendung von Kopenhagener Normalwasser bestimmt, doch
wurden daneben auch Aräometermessungen zur Bestimmung der Dichte des
Meerwassers vorgenommen und in einigen Fällen die Chlorgehalte aus den Aräo-
meterangaben rückwärts berechnet. Die titrimetrisch gewonnenen Werte sind
den anderen (in den Veröffentlichungen mit * bezeichnet) vorzuziehen, was auch
Skworzow und Nikitin (233) ausdrücklich hervorheben. An einzelnen Stationen
erscheint der Salzgehalt in größeren Tiefen verfälscht. Es ist ferner von Wichtig-
keit darauf hinzuweisen, daß die Dichtewerte der Tiefenbeobachtungen in den
Jahren 1923 und 1924 wegen eines systematischen Fehlers zu hoch angegeben
sind. In 200 und 300 m Tiefe ist der Fehler gering (— 0.01 bis — 0.02 x); in
500 m Tiefe beträgt er aber schon — 0.04 vo, und in 2000 m — 0.15 0%. Weitere
Angaben hierüber findet man bei Skworzow und Nikitin (23).
Eine Zusammenfassung der Oberflächenbeobachtungen aus sämtlichen Monaten
ist wegen der starken jahreszeitlichen Schwankung der ozeanographischen Fak-
toren, besonders der Temperatur, im Schwarzen Meer von vornherein ausge-
schlossen. Der jährliche Gang der Temperatur erreicht in den oberen Wasser-
schichten eine Amplitude von 15° C und mehr, mit einem Minimum etwa im
Februar und einem Maximum im August. Im Gegensatz zur Temperatur scheint
der Salzgehalt im offenen Meer nur geringen Schwankungen im Laufe des Jahres
unterworfen zu sein und einen ausgeprägten Jahresgang des Salzgehaltes mit
größeren Amplituden findet man nur in einigen küstennahen Gebieten,
Um ein ausreichend dichtes Netz von Beobachtungsstationen zu gewinnen,
ist man in der Ozeanographie in vielen Fällen darauf angewiesen, das Beob-
achtungsmaterial aus verschiedenen Monaten und Jahren zusammenzufassen. Den
störenden Jahresgang der Temperatur und, wenn es ıÖötig war, des Salzgehaltes,
hat man vielfach dadurch zu eliminieren versucht, daß die in verschiedenen Jahres-
zeiten gemachten Beobachtungen auf einen bestimmten Monat unter Berücksichti-
gung der mittleren jahreszeitlichen Schwankung reduziert werden. In der vor-
liegenden Arbeit wurde von einer solchen Reduktion des Beobachtungsmaterials,
die natürlich immer mit gewissen Unsicherheiten behaftet ist, abgesehen. Der
größte Teil der ozeanographischen Stationen wurde im Sommer gewonnen, und