accessibility__skip_menu__jump_to_main

Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 70 (1942)

Ann. d. Hydr, usw., LXX. Jahrg. (1942), Heft IX. 
Die absolute Topographie des physikalischen Meeresniveaus und 
die Oberflächenströmungen des Schwarzen Meeres. 
Von Gerhard Neumann, Hamburg, Deutsche Seewarte, 
(Hierzu Tafel 21 mit Abb. 4 bis 6.) 
Zusammenfassung, Es ist das Ziel der Untersuchung, aus dem vertikalen Dichteaufbau des 
Schwarzen Meeres die absolute dynamische Topographie des physikalischen Meeresniveaus zu ermitteln 
and durch Anwendung des Bjerknes-Sandströmschen Zirkulationstheorems eine qualitative und 
yuantitative Vorstellung von den Wasserbewegungen an der Meeresoberfläche zu gewinnen. 
Die dynamische Bearbeitung des Beobachtungsmaterials führt zunächst zu einer relativen Dar- 
stellung des inneren Druckfeldes im Meer, zu den relativen Topographien bestimmter isobarer 
Flächen. Die Berechnung der absoluten Topographien setzt die Kenntnis der Tiefenlage einer 
bewegungslosen oder schr schwach bewegten Wasserschicht voraus. Eine solche „dynamische Bezugs- 
{läche“ wird für das Schwarze Meer festgelegt. Diese Grenzfläche für den Strom fügt sich dem 
ozeanographischen Aufbau des Meeres zwanglos ein und ihre räumliche Lage im Wasserkörper zeigt 
dieselben charakteristischen Tiefenänderungen wie die Topographien der Grenzflächen der Wasser- 
arten, Er die Überführung der relativen in die absoluten Topographien wird eine einfache Methode 
ANger n. 
Enter Voraussetzung stationärer, reibungsloser Wasserbewegung läßt sich das zur absoluten 
Topographie des physikalischen Meeresniveaus gehörende Feld des reinen Gradientstromes berechnen. 
Im Strömungsbild der Meeresoberfläche treten mehrere Wirbel von verschiedener Ausdehnung hervor. 
Es wird gezeigt, daß die Wasserbewegungen des Schwarzen Meeres in der Hauptsache die Folge der 
horizontalen Druckdifferenzen sind, wie sie durch den dauernden Zustrom salzarmen Wassers erzeugt 
und aufrechterhalten werden, 
In den letzten zwei Jahrzehnten hat das Schwarze Meer eine intensive 
ozeanographische Erforschung erfahren und eine stattliche Zahl geophysikalischer 
Beobachtungen konnte von verschiedenen Forschungsschiffen zusammengetragen 
werden. Neben speziellen hydrobiologischen Aufgaben trat unter den physikalisch- 
ozeanographischen besonders die Frage nach dem Zusammenhang der hydro- 
logischen Faktoren mit der Verteilung der Strömungen hervor. Aber gerade 
hinsichtlich der Wasserbewegungen im Schwarzen Meer scheint auch nach diesen 
Untersuchungsfahrten keine einheitliche Auffassung zu herrschen, denn man findet 
in den nach den Expeditionen erschienenen Veröffentlichungen, ganz abgesehen 
von der noch völlig ungeklärten Frage der Tiefenzirkulation, bei den verschie- 
denen Autoren erheblich voneinander abweichende Darstellungen des allgemeinen 
Strömungsbildes der Meeresoberfläche. 
Die zahlreichen russischen Bearbeitungen des ozeanographischen Beobachtungs- 
materials beschränken sich in den meisten Fällen mehr auf qualitative Analysen 
einzelner Schnitte und Kombination stückweise gewonnener Einzelbilder zu einem 
schematischen Gesamtbild des thermo-halinen und dynamischen Aufbaus, Es 
scheint daher lohnend, das gesamte, in den letzten zwanzig Jahren so schnell 
angewachsene Beobachtungsmaterial in geeigneter Weise zusammenzufassen und 
den Versuch zu machen, durch mehr theoretisch-dynamische Betrachtungen ein 
Bild von der stationären Bewegung des Schwarzmeerwassers zu gewinnen. 
1. Die Oberflächenströmungen des Schwarzen Meeres 
nach den bisherigen Anschauungen. 
Die Frage der Oberflächenzirkulation des Schwarzen Meeres ist in dieser 
Zeitschrift bereits im Jahre 1906 Gegenstand einer eingehenden Untersuchung 
gewesen, An Hand der Mohnschen Theorie (14) hat W. Wissemann (so) den Ver- 
such gemacht, die aus den Dichte- und Windverhältnissen resultierenden Ober- 
flächenströmungen des Schwarzen Meeres zu berechnen, wobei ihm für die 
Herstellung der sogenannten „Dichtigkeitsfläche“ das Beobachtungsmaterial der 
ersten Schwarzmeerexpedition 1890/91 (24) zur Verfügung stand. Zur Berechnung 
der durch die Dichteunterschiede hervorgerufenen Meeresströmungen geht die 
Mohnsche Theorie von einer stromlosen „Grenzfläche“ aus, die einen Oberstrom 
und einen Unterstrom voneinander trennen soll. In der modernen dynamischen 
Ozeanographie würde man diese Grenzfläche „dynamische Bezugsfläche“ nennen. 
Einen Hinweis auf-.die Tiefenlage dieser Grenzschicht glaubt Wissemann in 
Ann. d. Hydr. usw. 1942. Heft IX.
	        
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.