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Full text: 70, 1942

Meinardus, W.: Die bathygraphische Kurve des Tiefseebodens usw. 243 
Gestaltung des Tiefseebodens mit ihrer Weiträumigkeit und relativen Gleich- 
förmigkeit zur Annahme einfacherer formbildender Kräfte und Vorgänge. 
Dieser viel beachtete und erörterte Gegensatz findet seinen Ausdruck auch 
in dem doppelten Maximum der Arealverteilungskurve der Landhöhen- und Tiefen- 
stufen. Das obere Niveau, das der Kontinentaltafel, entspricht der Oberfläche 
des die Festlandsblöcke zusammensetzenden leichteren, spröden sialischen Materials, 
das untere Niveau, das des Tiefseebodens, hingegen der Unterlage oder der 
wirksamen Nähe des schwereren, zähen simatischen Substratums. Beide Massen 
befinden sich, wie die Erdgestalt im großen ganzen, im hydrostatischen Gleich- 
gewicht. Daß der Boden der Tiefsee oder wenigstens die unter ihm liegenden 
tieferen Schichten aus andersartigem, schwererem Material bestehen als die Konti- 
nentalschollen, geht bekanntlich auch aus verschiedenen geophysikalischen Beob- 
achtungen hervor!). Die Fortpflanzungsgeschwindigkeit der Erdbebenwellen in 
den oberen Schichten ist im Untergrund der Ozeane größer als unter den Fest- 
ländern. Auch der Erdmagnetismus verhält sich dort und hier verschieden. Der 
Vulkanismus äußert sich anders auf den Inseln des Pazifischen Ozeans wie auf 
denen seiner Randgebiete. Der Gegensatz von Festland und Meeresboden findet 
in der Arealverteilungskurve der Höhen- und Tiefenstufen seinen augenfälligsten 
Ausdruck, und die Gestalt dieser Kurve muß die Auffassung beseitigen, die beiden 
Zweige der Kurve zeigten jede für sich den Charakter der Fehlerkurve, die durch 
eine zufällige Verteilung der Höhen bzw. Tiefen zustande käme, Ihre Gesetzmäßig- 
keit liegt in anderer Richtung, und es bedarf noch weiterer Untersuchungen, sie 
ursächlich zu begründen?), 
Es darf natürlich nicht übersehen werden, daß die hypso- und bathygraphi- 
schen Kurven nicht die Böschungsverhältnisse der Höhen und Tiefen zur 
Anschauung bringen, Um diese zu ermitteln ist es nötig, auf die einzelnen 
Glieder des Reliefs zurückzugehen. Bei einer so starken Verallgemeinerung, wie 
sie in der vorliegenden Untersuchung geschehen mußte, um die allgemeinen Züge 
des Reliefs herauszuarbeiten, kann ein Rückschluß vom allgemeinen: auf den 
Einzelfall leicht zu falschen Schlüssen führen, Anders lag die Sache bei meiner 
Untersuchung der Oberflächengestaltung des grönländischen Inlandeises?). Dort 
konnte die Parabelform der hypsographischen Kurve für ein bestimmtes, ein- 
heitlich aufgebautes Gebiet festgestellt und zu weitergehenden Schlüssen über 
die „Normalform“ des Inlandeises verwendet werden. Die ozeanischen Flächen 
sind viel zu groß und vielgestaltig, um aus der gesetzmäßigen Beziehung zwischen 
der Verteilung der Areale nnd der Parabelgleichung etwas über die Gestaltung 
im einzelnen aussagen zu können*), 
Immerhin läßt sich über die möglichen Ursachen der gesetzmäßigen Zunahme 
der Areale der Tiefenstufen zwischen dem Kontinentalabhang und den zentralen 
Teilen der Ozeane noch einiges sagen. Die Zunahme der Areale der Tiefen- 
stufen kann in dem Sinne gedeutet werden, daß mit wachsendem Abstand von 
den Festländern sich die Böschungen des Meeresbodens immer mehr verringern. 
Man mag daran denken, daß die von den Kontinenten ausgehende Sediment- 
ablagerung in Verbindung mit submarinen Erdrutschen einen Ausgleich des 
Höhenunterschieds zwischen den beiden Hauptniveauflächen der Erdkruste an- 
strebt. Die Sedimentierung terrigenen Materials nimmt dabei mit der Entfernung 
von den Küsten allmählich ab. Die Böschung wird sich also nach Art eines weit- 
ausgedehnten Schuttkegels allmählich seewärts verflachen, Diese Erscheinung 
wird noch dadurch begünstigt, daß die Kalkschalen abgestorbener Organismen 
im Meerwasser um so mehr der Auflösung verfallen, je tiefer das Meer ist, Über 
den größeren Tiefen kommen sie daher nicht mehr zur Ablagerung. Auch die 
pelagische Sedimentierung stuft sich also nach der Tiefe hin ab und läßt die 
Böschungen in dieser Richtung ausklingen, In der bathygraphischen Kurve muß 
1) Vgl. hierzu die zusammenfassende und kritische Darstellung von E, Tams. Grundzüge der 
ohysik, Verhältnisse d. festen Erde. Band 1I. Berlin 1937. — % Vgl, zu dieser Frage die kritischen 
Bemerkungen über A. Wegeners Auffassung von Rob. Schwinner. Lehrb, d. physikal. Geologie, 
Bd. I, 8. 278, 1936. — % Peterm, Mitt. 1926, S. 97. — *%) Vgl. z. B. den allgemeinen Überblick über 
„ozeanische Bodenformen und ihre Beziehungen zum Bau der Erde“ von L. Mecking. Peterm. Mitt. 
‚940, 8. 1. mit Tiefenkarte der Ozeane.
	        
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