242 Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, August 1942,
Ein bemerkenswerter Unterschied macht sich in dem Größenverhältnis der
beiden Maxima in der Figur 5 geltend: Während bei der Rechnung mit 1000-m-
Stufen das Tiefsee-Maximum stärker hervortritt als das kontinentale, ist es bei
den 500-m-Stufen‘ umgekehrt, offenbar, weil bei diesen die ausgedehnte Ebenheit
der Kontinentaltafel bis zum Schelfrand besser erfaßt wird (s. oben). Man wird
deshalb der 500-.m-Kurve auch in dieser Hinsicht den Vorzug geben,
Noch etwas anderes fällt beim Vergleich der beiden Gipfelzüge der Kurven
auf. Der Festlandsgipfel steigt auf schmalerer Basis auf als der Tiefseegipfel.
Darin zeigt sich die geringere Flächenausdehnung. der Kontinentaltafel gegen-
über dem Tiefseeboden. Ein weiterer Unterschied macht sich in dem Sinne be-
merkbar, daß der Festlandspgipfel annähernd symmetrisch zum auf- und absteigen-
den Ast der Kurve liegt, während der Verlauf der Tiefseekurve dadurch gekenn-
zeichnet wird, daß der aufsteigende Ast als Korrelat zur Tiefseeparabel eine
gerade Linie ist. Ihr Ausgangspunkt befindet sich in der Ordinate des Parabel-
scheitels (2.02 km), während der Endpunkt dem tiefsten Punkt der Parabel
(5.54 km) entspricht. Die Abzweigung der Häufigkeitskurve von der geraden
Linie nach Erreichen der angegebenen Scheitelwerte von 28 bzw. 13 % führt
dann zum absteigenden Ast, der rasch zu den kleinen Tiefseearealen jenseits
5000 m abfällt, Der Kurvenzug der Tiefsee ist im Gegensatz zu dem kontinen-
talen deutlich unsymmetrisch, Das zwischen den beiden Gipfeln der Kurve
liegende intermediäre Minimum hat seinen niedrigsten Wert mit 3% der 1000-m-
Stufen und nur 1% der 500-m-Stufen in 1 bis 2 km Tiefe, und entspricht der
Engräumigkeit und Steilheit des Kontinentalabhangs.
Aus dem Vergleich beider Kurven ergibt sich, daß der für die 500-m-Stufen
geltende der Vorzug zu geben ist; denn sie ist den besonderen Arealverhältnissen
des Reliefs der Erdoberfläche naturgemäß besser angepaßt. Bei einer Kurve,
die etwa die Arealverteilung nach 200-m- oder 100-m-Stufen veranschaulichte,
wäre die Spezialisierung der Eigenschaften des Reliefs naturgemäß noch weiter-
gehend. Aber das würde voraussetzen, daß die Kenntnis der Höhen- und Tiefen-
stufen der Erde einen höheren Grad als heute erreicht hätte, Die allgemeinen
Züge der Kurve würden gewiß dieselben bleiben.
8. Zusammenfassende Betrachtung der Ergebnisse.
Der Nachweis, daß. die bathygraphische Kurve des Meeres im Bereich des
Tiefseebodens von 2500 bis 5000 m einer Parabel entspricht, läßt den Schluß auf
eine einfache Gesetzmäßigkeit in der Anordnung der Areale der Tiefenstufen in
diesem Bereich des Meeresbodens gesichert erscheinen. Nach der Parabelgleichung
wachsen die Areale der Tiefenstufen proportional der Tiefe und das konstante
Maß des Zuwachses wird durch den Parameter der Parabel bestimmt, Dieser
Jäßt sich daher auch aus dem Vergleich der Areale der Tiefenstufen ableiten.
In der Arealverteilungskurve wird dieses Verhalten durch eine gerade Linie dar-
gestellt, deren Neigung gegen die Koordinatenachsen von der Größe des Para-
meters und von den gewählten Maßeinheiten für die Tiefen und Flächen abhängt.
Für die Gebiete der Tiefseerinnen und Tiefseedellen gilt jene Gesetzmäßig-
keit nicht. Die Parabel läuft jenseits von 5000 m Tiefe sozusagen in einem
höheren Niveau über die bathygraphische Kurve hinweg. Diese Tatsache deutet
auf den wesentlichen Unterschied hin, der dem Bildungsgesetz des Tiefseebodens
einerseits, der Tiefseedepressionen andrerseits zukommt und der in der geographi-
schen Verteilung und im verschiedenen geophysikalischen Verhalten beider Form-
glemente der Erdkruste hervortritt. Der Tiefseeboden erscheint danach als der-
jenige Teil derselben, der durch die spezifische Beschaffenheit seines Substratums
auf weitem Raum seine relativ einfache, gesetzmäßige Gestalt gewonnen hat, die
sich abhebt von den komplizierten Formen der Tiefseerinnen einerseits und der
die Nebenmeere mitumfassenden Kontinentalblöcke andrerseits,. Während die
meist randliche, subkontinentale Anordnung und Gestrecktheit der Tiefseerinnen
gbenso wie die randliche Angliederung und geringere Tiefenentwicklung der
Nebenmeere zur Annahme eines strukturellen, genetischen Zusammenhangs mit
den großen Festlandskörpern drängen, so zwingt demgegenüber die andersartige