240 Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, August 1942.
Rande der Kontinentaltafel einnimmt. Diese Minimalzone setzt sich daher in der
Figur 4 deutlich ab gegen die rasch wachsenden Flächen der Kontinentaltafel
einerseits und des noch ausgedehnteren Tiefseebodens andrerseits, Der kleinste
Arealanteil fällt auf die Stufen zwischen 1000 und 2000 m Tiefe. Ein Vergleich
dieser für die 500 m-Stufen entworfenen Kurve mit der für 1000 m-Stufen gelten-
den ist in der Figur 5 ermöglicht. Hierauf wird sogleich noch näher ein-
gegangen werden. Zuvor noch eine kritische Bemerkung über die älteren Dar-
stellungen der Kurve.
W. Trabert scheint der erste gewesen zu Sein, der im Jahre 1911 eine
„Häufigkeitskurve“ der Höhen und Tiefen der Erdoberfläche veröffentlichte),
Er benutzte dazu die Areale, die H. Wagner in einer Studie über die Erhebungs-
verhältnisse der Erdkruste bereits 1895 auf Grund allgemeinerer Überlegungen
als die wahrscheinlichsten bezeichnet hatte?®). Aber diese Wagnerschen Werte
waren zu der Zeit, als Trabert sie für seine Kurve benutzte, bereits lange über-
holt, Vor allem hatte O0. Krümmel 1907 in seiner Ozeanographie die Ergebnisse
der neueren Forschungen zusammengefaßt®). In folgender Tabelle habe ich nun
die Werte von Trabert mit denen von Krümmel für die Tiefenstufen 2000
bis 6000 m zusammengestellt und außerdem die neueren, die von Kossinna 1921
veröffentlicht‘) und die jetzt von mir durch Vereinigung der Kossinnaschen
Zahlen mit denen von Stocks gefunden wurden. Die Areale sind in Prozenten
der gesamten Erdoberfläche und in absoluten Zahlen in Millionen qkm ange-
geben, die Tiefenstufen in km. .
Tiefenstufen km
Trabert 1911 .
[Wagner 1895)
Krümmel 190%
"Wagner 1908)
Kossinna 1921
Meinardus 1942.
Prozente .
5A 95 RR
Mill, oakm
7.8 | 2—5
“
2
A
ö
aa
On
0)
36.0
21
55€
983
15.5
2221| 131 027 8“ 13 228
23,8 | 16.5 | 420 | 24 | 71 | 219 | 84 | 214
239 | 160 | 42.7 | 94 | 72 | 122 | 82 | 218
8 | 13.0 |
a7 141
Beiläufig bemerkt man an den beiden letzten Zahlenreihen, wie die von der Meteor-Expedition
gelieferten Werte für den Atlantischen Ozean das Weltmeer-Areal der Tiefenstufen von 3000 bis 5000 m
heraufgerückt und das von 5000 bis 6000 m gesenkt haben. Für die Tiefseestufen 2000 bis 5000 m
zusammen, ergeben sich als Gewinn 0,7 % der Erdoberfläche oder rund 4 Mill. qkm.
Die Tabelle zeigt vor allem, daß die von Trabert übernommenen Areale
besonders für die Tiefenstufen von 4000 bis 5000 m und von 5000 bis 6000 m,
in die das untere, das Tiefsee-Maximum der Häufigkeitskurve, fällt, weit von
den damals sehon verfügbaren Werten Krümmels und allen späteren Bestim-
mungen abweichen, und zwar in dem Sinne, daß dieses Maximum sich zu stark
und schroff heraushebt. Für die Stufe von 4000 bis 5000 m waren nicht weniger
als 14% zu viel, für die von 5000 bis 6000 m 11% zu wenig Fläche angesetzt
im Vergleich zu Krümmel und 12 bzw. 14 % im Vergleich zu den heute gelten-
den Werten. Die Trabertschen Areale für die Stufen von + 1000 bis 0 und
von 0 bis —1000m, in die das obere, kontinentale. Maximum der Kurve fällt,
weichen dagegen nur wenig, nämlich um 1.5 und 0.6 %, von den neuesten Werten
Kossinnas (a. a. O0. 1931) nach oben hin ab,
Trabert hatte nun für seine Kurve nicht die 1000 m-Stufenareale benutzt,
sondern aus ihnen noch eine Berechnung der Areale für Intervalle von 100 m
durchgeführt. Dadurch erhielt er, wie seine Kurve zeigt, für das obere Maxi-
mum 5% in +100m, für das untere 6% der Erdoberfläche in — 4800 m. Diese
Werte sind aber beide fast doppelt so groß, wie sie nach den neueren, genaueren
Unterlagen anzunehmen sind. Leider hat Wegener 1915 die Häufigkeitskurve
4, W.Trabert, Kosmische Physik, 1911, S. 277. — % H, Wagner, Das Areal der Landflächen
u, d, mittlere Erhebung d. Erdkruste, Gerl. Beitr. z. Geophys, II, 1895, S. 766, Die dort S, 764 nach
A. Penck (J. Murray) wiedergegebenen Werte wären, wie sich herausgestellt hat, den Wagnerschen
weit vorzuziehen gewesen. — 3) O0. Krümmel, Ozeanographie, Bd. I, 2. Aufl, 1907, S. 86. Ergänzt
von H. Wagner, Allgem, Erdkde., 8, Aufl. 1908, S. 268. — 4) E. Kossinna, Die Tiefen des Welt-
meeres, S. 53 und im Handb. d. Geophys.. 1933. II, S. 875.