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Full text: 70, 1942

Ann. d. Hydr. usw., LXX. Jahrg. (1942), Heft VIII. 
225 
Die bathyyraphische Kurve des Tiefseebodens und die hypsographische 
Kurve der Erdkruste. 
Von W, Meinardus, Bonn. 
(Hierzu Tafel 20 mit Figuren 1, 2 und 4.) 
1. Methodisches. 
Zur Veranschaulichung der Tiefenverhältnisse des Meeres gibt es bekanntlich 
verschiedene Verfahren. Das naheliegendste und gebräuchlichste ist die Wieder- 
gabe des Meeresbodenreliefs auf Karten durch Linien gleicher Tiefe, Isobathen, 
und durch Flächenkolorit der Tiefenstufen. Die Karten in den Atlanten der 
Deutschen Seewarte, in G. Schotts Geographie der Ozeane und im Meteorwerk, 
Band III, können als Muster für diese Darstellungsart gelten. Der Vertikal- 
abstand der Isobathen richtet sich nach dem Zweck und Maßstab der Karten und 
nach der Verteilung der vorhandenen Lotungen., Für die offenen Ozeane sind 
bisher gewöhnlich Isobathen von 1000 zu 1000 m gezeichnet worden. Erst die 
Fülle der von der Meteor-Expedition (1925-—27) heimgebrachten Echolotungen 
armöglichte es, für den Atlantischen Ozean die Isobathen von 500 zu 500 m zu 
antwerfen. Th. Stocks hat darüber im Meteorwerk, Band III (1938), und in 
dieser Zeitschrift berichtet (1939, S. 1 ff). 
Ein weiteres Verfahren besteht in der Zeichnung von Tiefenkurven längs 
bestimmter, gut ausgeloteter Profile. Seit Einführung des Echolots hat sich die 
Möglichkeit ergeben, solche Profilkurven mit einem fast beliebig hohen Grad 
von Genauigkeit zu zeichnen. Auch diese Methode ist von den Bearbeitern der 
Ergebnisse der Meteor-Expedition in mustergültiger Weise für die Darstellung 
des Meeresbodenreliefs auf den von der Expedition zurückgelegten Querprofilen 
durch den Atlantischen Ozean angewandt worden, so durch H. Maurer im 
Meteorwerk, Band II (1933). 
Liegen die Tiefenkarten vor, so führt die planimetrische Ausmessung oder 
eine anderweitige Berechnung der Areale der von den Isobathen begrenzten 
Tiefenstufen zur Aufstellung von Tabellen, in denen die Flächen der einzelnen 
Stufen von 1000 zu 1000 oder 500 zu 500 m angegeben sind. Zur Veranschau- 
lichung dieser zahlenmäßigen Darstellung dient dann weiter die graphische 
Wiedergabe der Beziehungen zwischen den Tiefen und ihren Flächen durch 
bathygraphische Kurven. Zu diesem Zweck werden die Areale der Tiefen- 
stufen, die in den erwähnten Tabellen stehen, als Abszissen, die zugehörigen 
Tiefen als Ordinaten in ein Koordinatennetz eingezeichnet und die Endpunkte der 
Ordinaten freihändig durch eine Kurve verbunden. Diese gibt dann einen be- 
quemen Überblick über die zwischen den einzelnen Tiefen gelegenen Flächen des 
Meeresbodens. Statt der absoluten Flächenmaße in qkm kann man, wenn es sich 
um Vergleiche verschiedener Meere handelt, die relativen Flächenanteile in 
Hundertteilen (%) der Gesamtfläche des Meeres als Abszissen einführen und 
„relative“ bathygraphische Kurven zeichnen, Dies ist im vorliegenden 
Falle geschehen, da es mir darauf ankam, die lediglich durch die verschiedene 
Größe der Ozeane bedingte ungleiche Erstreckung der Kurven zu eliminieren 
und die allgemein gültigen, von der absoluten Größe unabhängigen Züge besser 
hervortreten zu lassen (siehe Figur 1 und 2). 
Wie die Meerestiefen durch bathygraphische, pflegt man nach derselben 
Methode die Landhöhen durch hypsographische Kurven in ihrer Flächenverteilung 
zur Anschauung zu bringen. Eine Kombination aller Landhöhen und Meeres- 
tiefen, stufenweise berechnet und graphisch dargestellt, ergibt die hypso- 
graphische Kurve der festen Erdoberfläche oder der Erdkruste 
(siehe Figur 4). Die Bezeichnung: hypsographische Kurve wird zuweilen auch 
für die Meerestiefen allein angewandt, während sinngemäß hierfür der Ausdruck 
bathygraphisch vorzuziehen ist. 
Ann. d. Hydr. usw. 1942, Heft TI.
	        
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