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Full text: 70, 1942

Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, Juli 1942, 
Über einige Dämmerungserscheinungen. 
Von W. W, Spangenberg, z. Z. im Felde, 
In vorliegendem Bericht sollen die Ergebnisse einiger Beobachtungen an 
verschiedenen Dämmerungserscheinungen kurz dargestellt und erläutert werden. 
Es handelt sich in erster Linie um den Erdschatten und weiter um die erste 
und zweite Gegendämmerung, also um Erscheinungen, die sich an der Sonnen- 
gegenstelle abspielen. Infolge der Einberufung des Verfassers zum Heeresdienst 
litt die Einheitlichkeit des Beobachtungsmateriales dadurch, daß die Messungen 
an häufig wechselnden Orten ausgeführt werden mußten. Daher konnte für 
jeden Beobachtungsort nur eine beschränkte Anzahl vergleichbarer Reihen 
gewonnen werden, was natürlich die Bearbeitung des Beobachtungsmateriales 
erheblich erschwerte. 
Im folgenden Abschnitt sollen zunächst einmal die Bewegungsverhältnisse 
des Erdschattens besprochen werden, 
Die Erhebung des Erdschattenbogens, der in der Literatur auch häufig als 
graues oder dunkles Segment bezeichnet wird, wurde mit einem recht einfachen 
und handlichen Instrument gemessen, das von H. Neuberger seinerzeit in der 
„Himmelswelt“, Bd, 44, S. 159, 1934 beschrieben wurde. Dieses Gerät, das den 
Vorteil leichter Transportierbarkeit hat, liefert eine für unsere Zwecke voll- 
kommen ausreichende Genauigkeit, die Neuberger zu +0.05° angibt. Für 
Messungen der Erdschattenhöhen genügt aber nach den vorliegenden Beob- 
achtungen eine Meßgenauigkeit von einem Zehntelgrad vollauf, weil doch im 
allgemeinen die scheinbare Begrenzung des dunklen Segmentes zu verwaschen 
und unscharf ist, so daß individuelle Momente hinsichtlich der Auffassungsgabe 
eines jeden Beobachters weitgehendst mitspielen, Die Bemerkung W. von Bezolds, 
daß eine Bestimmung der Erdschattenhöhe unter Umständen genauer als 10 oder 
yar 6 Minuten möglich wäre, dürfte wohl nur für seltene Ausnahmefälle zutreffen. 
Die Meßgenauigkeit ist bei Beobachtungen des Erdschattens um so höher, je 
größer das Gesichtsfeld bei der Messung ist. Mit anderen Worten ergibt eine 
ganz einfache Visiereinrichtung nach dem Prinzip der Kimme und des Kornes 
beim Gewehr, bei der es darauf ankommt, zwei Marken in Richtung auf das zu 
schätzende Objekt in Deckung zu bringen, in unserem Falle zuverlässigere 
Werte als etwa ein kleiner Theodolit mit einem Fern- oder Visierrohr, weil 
hier durch eine Blende das scheinbare Gesichtsfeld mehr oder minder eingeengt 
wird, Dagegen wird bei einem einfachen Diopter stets ein größeres Stück des 
Himmels übersehen werden können, wodurch das extrafoveale Sehen, worauf es 
bei so geringen Intensitätsunterschieden sehr ankommt, erheblich erleichtert 
wird. Aus diesem Grunde wurde auch für die vorliegenden Messungen der 
ainfache Neubergersche Winkelmesser einem kleinen Theodoliten vorgezogen. 
Weiter ist bei derartigen Messungen darauf zu achten, daß die jeweiligen 
Höhenangaben auf den wahren (theoretischen) Horizont bezogen werden, um 
einen Anschluß an fremde Beobachtungsreihen zu ermöglichen. Gemessen wurde 
stets die größte Erhebung des Erdschattenbogens über dem Horizont, auch 
dann, wenn dieser Punkt nicht der Sonne direkt gegenübergelegen ist (Sonnen- 
gegenstelle). Die Messungen begannen bei Sonnenuntergang und wurden mit 
Abständen von je fünf Minuten bis zum Unsichtbarwerden des Erdschattens 
fortgesetzt. Es wurden also an jedem Abend oder Morgen Meßreihen erhalten, 
die aus mindestens zehn Einzelbeobachtungen bestanden, von denen aber hier 
nur die Abendbeobachtungen verwandt wurden. Die Bearbeitung erfolgte der- 
artig, daß eine jede Meßreihe für sich graphisch dargestellt wurde. KHEine 
stärkere Ausgleichung war in nur wenigen Fällen nötig, da sich die einzelnen 
Werte durchweg zwanglos in den Kurvenzug einordnen ließen. Aus den Kurven 
wurden die den Sonnentiefen 0,5, 1.0, 1.5° usw. entsprechenden Erdschattenhöhen 
entnommen. Dieses Verfahren weicht von dem sonst üblichen ab, nach dem alle 
Meßwerte im Bereich der Sonnenhöhe —n.1° und — (n +1)° auf die Sonnenhöhe 
—n.5° bezogen wurden (bzw. bei positiven Sonnenhöhen: +n.9° und + n.0° 
bezogen auf + n.5°).
	        
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