Buch, Kurt: Kohlensäure in Atmosphäre und Meer, 205
atmosphärische Gehalt noch steigen wird und wie lange es dauert, bis der
stationäre Zustand erreicht ist, kann mit jetzigen Kenntnissen nicht ermittelt
werden. Es wäre hier erstens zu berechnen, in welcher Zeit die gesamte Atmo-
sphäre in Berührung mit dem Wasser kommt und wie schnell das aufnehmende
und in den höheren Breiten in die Tiefe sinkende Wasser zirkuliert. Daß man
hier mit dem Passieren des ganzen Wasservolumens des Weltmeeres zu rechnen
habe, wie Callendar anzunehmen scheint, kann nicht in Frage kommen, denn
das meiste Wasser besitzt von vornherein viel höhere CO,-Tension als je die
[reie Atmosphäre besitzen kann. Die bedeutende Tensionsdifferenz, etwa fünfmal
größer als Callendar angibt, in den höchsten Breiten, wo gerade der leistungs-
fähigste Austausch stattfindet, spricht für eine schnellere Ausgleichung als
Callendar annimmt. Die weitere Behandlung dieser Frage sei den Dynamikern
der Atmosphäre und des Meeres überlassen.
In jedem Fall, können wir sagen, bedeutet die industrielle Verbrennung
einen meßbaren Eingriff des Menschen in den geochemischen Kreislauf des
Kohlenstoffes und bildet so einen neuen Beleg für die Behauptung Vernadskys,
daß der menschliche Geist einen bedeutenden geochemischen Energiefaktor aus-
macht. Er schafft zwar keine wesentlich neuen Energiemengen, sondern setzt
hauptsächlich schon vorhandene um. Er wirkt also in der Art eines chemischen
Fermentes.
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