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Full text: 70, 1942

Buch, Kurt: Kohlensäure in Atmosphäre und Meer. 
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war die Luft nach Angaben des Meteorologen R. B. Montgomery aus Boston 
polar-kontinental, somit ursprünglich wahrscheinlich CO,-reich gewesen, mit dem 
Gehalte von etwa 3.3. Sie war 36 bis 48 Stunden über das Meer gezogen. 
Die unterste Schicht zeigte also für diese Zeit einen Verlust von wenigstens 
0.2.107% als Tension ausgedrückt, und war noch nicht vollständig in Gleich- 
gewicht mit dem Wasser gelangt. Solche Versuche müßten in größerer Anzahl 
vorgenommen werden. 
Alle diese Erfahrungen zeigen, daß die Zeitdauer des CO,-Austausches 
Atmosphäre— Wasser jedenfalls qualitativ überblickt werden kann, Die Luft 
nimmt schnell etwa die Tension des Wassers an, aber das Wasser erhöht seine 
Tension in viel längerer Zeit und kann auf die Tension der Luft gebracht 
werden nur, wenn sehr große beständig neue Luft- 
massen mit etwa unveränderter Tension über das 
Wasser ziehen. Aus diesen Erfahrungen lassen 
sich aber sofort zwei für den Ausgleich und seine 
Zeitdauer wichtige Fragen aufstellen. 1. Wenn aus 
irgendeinem Grunde ein bestehendes Gleichgewicht 
durch Zugabe von CO, zu einem der beiden Raum- 
gebilde gestört wird, wie verteilt sich diese Zugabe 
bei der darauf einsetzenden Ausgleichung auf 
beide? 2, In welchem Ausmaße gelangen Meer 
und Atmosphäre miteinander in Berührung und 
wie lange dauert der von den Berührungsmassen 
abhängige Ausgleichsprozeß? 
Über die erste Frage hat Verf. (7) einige 
Kalkulationen aufgestellt, auf die hier jedoch nicht 
näher eingegangen werden kann. Es handelte 
sich darum, zu berechnen, in wie langer Zeit der 
CO,-Gehalt der Atmosphäre durch die industrielle 
Verbrennung verdoppelt werden würde, Dieses 
würde, wenn wir von der Angabe Goldschmidts 
über die jährliche CO,-Zufuhr durch Kohlever- 
brennung 800 y (= 0.0008 gr) je cm? Erdober- 
fläche ausgehen, in etwa 500 Jahren geschehen, 
wenn wir annehmen, daß das Meer nichts für sich 
nähme. Indessen ist das Meer ein großer Räuber, 
Die Berechnung ergab, daß von der jährlichen Zu- 
fuhr etwa 5/;, vom Meere aufgenommen würde, nur 
1. verbliebe in der Atmosphäre. Unter der Vor- 
aussetzung, daß das Meer den industriellen CO,-Zuschuß ebenso schnell absorbiert 
als er entsteht, würde die Verdopplung also erst in 3000 Jahren erreicht sein. In- 
dessen ist offenbar für die Beurteilung dieser Verhältnisse weder die Verteilungsfrage 
noch die von Krogh besprochene Austauschgeschwindigkeit zwischen Wasser und 
Luft entscheidend, sondern die zweite oben gestellte Frage, nämlich: ein wie großer 
Anteil der Totalatmosphäre überhaupt jährlich in Berührung mit dem Meere kommt 
und mit einem wie großen Anteil des Totalvolumens des Meeres? Nach allem zu ur- 
teilen nur ein ganz geringer Teil. Hierüber hat neuerdings 1940 G. S. Callendar 
einen interessanten Artikel veröffentlicht. Er hat die ganze sowohl ältere wie neueste 
Luftkohlensäure-Literatur kritisch gesichtet und die Ergebnisse der zuverlässigsten 
und von den lokalen Einwirkungen am wenigsten beeinflußten Analysenserien zu- 
sammengestellt und gelangt zu dem Resultat, daß der CO,-Gehalt der Atmosphäre 
seit Beginn dieses Jahrhunderts von durchschnittlich 2,92 auf 3.22, also mit 0.30 cm? 
pro 10 Liter oder mit etwa 10% zugenommen hat, was einer Gesamtmenge von 
etwa 200000 Millionen Tonnen entspricht. Für die Zeitperiode 1900 bis 1935 gibt 
er die verbrannte Menge von Kohle und Brennöl zu insgesamt 50000 Millionen 
Tonnen an, entsprechend etwa 150000 Millionen Tonnen CO,, welch letztere 
Menge mit Goldschmidts obiger Angabe 0.0008 gr/cm? jährlich übereinstimmt 
und wahrscheinlich derselben Quelle entstammt. Für 35 Jahre ergibt sich aus
	        
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