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Full text: 70, 1942

200 ” Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, Juli 1942. 
in Berührung gewesen ist. Also muß der CO,-Gehalt der von Norden her kom- 
menden Luft anfangs nach Süden hin abnehmen. Da weiter südlich aber andere 
Luftschichten mit höherem CO,-Gehalt vorhanden sind, ist es verständlich, daß 
ein Minimum entstehen muß, 
Indessen stimmen die beobachteten Windrichtungen scheinbar nicht mit dem 
allgemeinen Schema überein, wie wir an der folgenden Kartenskizze (Abb. 3) 
sehen, in welcher die vier nördlichsten Beobachtungspunkte vom Minimum nord- 
wärts eingetragen sind. Zur Zeit der Beob- 
achtungen war der Wind an den beiden 
südlichen Punkten nämlich nicht nördlich, 
sondern westlich, im nördlichsten nordöstlich; 
im zweiten Punkte von Norden herrschte 
Windstille. Der Luftkohlensäuregehalt an den 
südlichen Punkten war viel niedriger als die 
Wassertension, welch letztere 2.3 betrug. Das 
Wasser nahm hier also gar keine Kohlen- 
säure auf, sondern gab im Gegenteil ab, und 
dies obgleich die Tension im Vergleich zu 
„normalen“ Verhältnissen schon an sich sehr 
niedrig war. Die Lufttension war eben noch 
niedriger. Es fragt sich nun, wie und wo 
denn diese so niedrig werden konnte. Dies 
ergibt sich aus der mutmaßlichen Bewegungs- 
richtung der Luft, welche Verf. an Hand der 
Windbeobachtungen skizziert hat und welche nach Professor E,. Palmen, der 
Ireundlichst seine meteorologischen Erfahrungen zur Verfügung stellte, sehr wahr- 
scheinlich erscheint. Die Luft, welche von Westen her zu den beiden südlichsten 
Punkten gelangte, stammt also auch vom höchsten Norden, war aber auf ihrem ge- 
wundenen Wege eine längere Zeit in Berührung gewesen mit dem kältesten Wasser 
von der Tension 1.5 am westlichen Treibeisgefilde, welches sich der grönländischen 
Küste entlang sehr viel weiter nach Süden erstreckt als bei Spitzbergen, So 
erklärt sich zwangsfrei, warum die Luft hier dieselbe niedrigste CO,-Tension 
aufweist wie die Wassertension beim Gefrierpunkte, ungeachtet dessen, daß die 
Wassertension bei Spitzbergen höher ist. Diese Einzelbeobachtung lädt durch- 
aus zu weiteren ähnlichen Untersuchungen in den höchsten Breiten ein. 
Nach Deacons Erfahrungen sollten, wie schon erwähnt, solche niedrigen 
Tensionen nur im Sommer vorkommen. Im Winter sollte nach eingetretener 
Herbstkonvektion unter Auftrieb kohlensäurereicheren Tiefenwassers sich zum 
mindesten Gleichgewicht, wenn nicht Überdruck, mit höheren Kohlensäuregehalten 
einstellen. 
In unmittelbarer Nähe des Eises ist zwar andauernd konstante Temperatur, 
nämlich die Gefriertemperatur, vorhanden, Trotzdem kommt, wie bekannt, eine 
Konvektion zustande, weil das Wasser salzfrei ausfriert und das ungefrorene 
Wasser entsprechend salzreicher und schwerer als das tiefer liegende wird. 
Deacons Erfahrungen über die Verhältnisse im Winter sind also durchaus 
erwartungsgemäß. 
In den bisher angeführten Beispielen wurden als tensionsbeeinflussende 
Faktoren nur die physikalischen und hydrographischen — die Wasserbewe- 
yungen — berücksichtigt. Meist untrennbar mit diesen verknüpft sind jedoch 
die biologischen, was schon daraus ersichtlich ist, daß ja die hohe CO,-Tension 
der zur Oberfläche durch Auftrieb oder Konvektion beförderten Unterschichten 
durch Überwiegen der Oxydationsaktivität gegenüber der photosynthetischen 
antstanden ist. Der umgekehrte Fall, das starke Überwiegen der Photosynthese 
in den Oberflächenschichten gewisser Gegenden, ist andererseits auch eine 
indirekte Folge der Wasserbewegung. Denn diese Gegenden sind ja gleichfalls 
Auftriebgebiete, wo aus bodennahen Tiefen reichliche Mengen Nährsalze wie 
Phosphate und Nitrate zur Oberfläche befördert werden und dort dank der 
belebenden Einwirkung des Lichtes eine oft enorme Pflanzenplanktonvegetation
	        
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