198 Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, Juli 1942,
welcher sich später bei der langandauernden konstanten Temperatur am Gefrier-
punkte auf Gleichgewicht ausglich. Ahnlich sind die Ergebnisse von Krebs
und Verbinskajas Untersuchungen am Barentsmeere. In letzter Zeit hat
GC. E. R. Deacon in den „Discovery Investigations“ Kohlensäure- und Tensions-
bestimmungen aus den antarktischen Gewässern veröffentlicht, und unterzieht
seine sowohl im Winter wie im Sommer ausgeführten Untersuchungen ein-
gehender Vergleiche mit den nordatlantischen und arktischen des Verf. Er
betont, daß niedrige Tensionen nur im Sommer zu erwarten sind, wohlgemerkt,
obgleich das Wasser wärmer ist und kleinere Löslichkeit besitzt. Im Winter
hatte er in den antarktischen Gewässern Tensionen von wenigstens 3.1-10-—* Atm.
gefunden, obgleich die Temperatur am Gefrierpunkte lag.
Bemerkt sei, daß das erwähnte nordatlantische Gebiet sich durch seine Armut
an Leben auszeichnet, Das Kohlensäuregleichgewicht im Wasser wird hier also,
ziemlich unbeeinflußt von biologischer Aktivität, hauptsächlich durch physikalische
Faktoren bestimmt. Dieses wird auch durch die O,-Bestimmungen bestätigt, welche
durchschnittlich sehr nahe den Sättigungszustand mit 100% angaben. Als in dieser
Hinsicht ähnlich beschaffen erwies sich auch das arktische Gebiet zwischen Nor-
wegen und westlich von Spitzbergen bis zur Eisgrenze bei 80° 45’ Br., welches vom
Verf. im August 1936 besucht wurde (7). Von besonderem Interesse war hier die
stetige Veränderung des hydrographisch-physikalischen Zustandes von Süden nach
Norden, welcher durch stetig abnehmende Temperatur und Salzgehalt gekenn-
zeichnet war, und es bot sich eine Gelegenheit, den Zusammenhang zwischen
dieser Zustandsänderung und entsprechenden Verschiebungen des Kohlensäure-
gleichgewichts direkt in der Natur zu verfolgen. Das Wasser bei der Nordküste
Norwegens hatte folgende Eigenschaften: Temperatur etwa 12°, Salzgehalt der
normale 35°%.o, Kohlensäuretension 3.0-10—* Atm., also ein völlig‘ normaler Zu-
stand und Gleichgewicht mit der Atmosphäre, Nach Norden hin nahm die Tempe-
ratur ab: die niedrigste im Treibeisfelde war — 0.8°. Gleichzeitig nahm der
Salzgehalt bis auf 31°, und die Tension auf die Hälfte ab. Im Treibeisfelde
betrug diese nur 1.5 -10-* Atm. Die Deutungen der Beobachtungen geschahen nun
folgendermaßen: Ausgehend vom
erwähnten beobachteten Normalzu-
stand in Nord-Norwegen wurde unter
Anwendung der bekannten Gileich-
gewichtskonstanten eine theoretische
Kurve für den Verlauf der Kohlen-
säuredrucke mit gleichzeitiger Tem-
peratur- und Salzgehaltabnahme ge-
zeichnet und sodann die, teils direkt
bestimmten, teils aus pH-Bestimmun-
zen durch Rechnung ermittelten CO,:
Tensionswerte eingetragen (Abb. 1).
In dieser Zeichnung gibt die Gerade
also den theoretischen Tensionsver-
lauf an. In der Abszisse ist nur die
Temperatur angeführt. In ihr ist aber auch der lineare Salzgehaltsverlauf von
85 bis 31% beachtet. Die Vierecke geben die direkten, die Ringe die indirekten
aus pH ermittelten Tensionen.
Wir finden einen bemerkenswert guten Anschluß, Besonders beachtet seien
die niedrigen Tensionswerte bei den nördlichsten Beobachtungspunkten im
Treibeisfelde, die fast exakt mit den theoretischen übereinstimmen. Dieses
beweist, daß die Tensionsabnahme als ein Ausdruck der Verschiebung des Kohlen-
säuregleichgewichtssystems praktisch vollständig von der Zustandsänderung im
Wasser, Abkühlung und Verdünnung bestimmt wurde. Die Verdünnung ist
natürlich vom Schmelzwasser des arktischen Eises verursacht, welches in diesen
Gegenden, wie Verf, sich überzeugen konnte, vollkommen salzfrei war. Die Ver-
hältnisse im Treibeisfelde waren m. a. W. die gleichen, wie wenn die bei Norwegen
geschöpfte Probe in einer Flasche auf — 0.8° abgekühlt und mit destilliertem