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Full text: 70, 1942

Buch, Kurt: Kohlensäure in Atmosphäre und Meer, 197 
einander stets aufzuheben. Zufolge beschriebenen Sachverhalts ist es natürlich 
unmöglich, an einem begrenzten Material über die Frage zu entscheiden, ob 
tatsächlich ein mittleres Gleichgewicht vorliegt, oder ob im säkularen Zeit- 
verlauf eine resultierende Bewegung der Kohlensäure in die eine oder die andere 
Richtung hin vor sich geht. Diese Frage wird später noch berührt werden. 
Was weiter die erwähnte Behauptung von Schlösing über die Regulier- 
tätigkeit des Meeres betrifft, so decken sich die beobachteten Verhältnisse nicht 
yanz mit seiner Auffassung. Schlösing dachte sich das Meer als Dämpfer der 
Schwankungen des atmosphärischen Gehaltes, Nun hat es sich erwiesen, daß 
der Dämpfer selbst stark schwankt, ja in Wirklichkeit verhält es sich so, daß 
die Tensionsschwankungen des Meeres öfters größer als die der freien Atmo- 
zsphäre sind. Dann können wir ja eher von der Atmosphäre als Dämpfer oder 
Regulator der Tensionsschwankungen des Meeres sprechen. Beides .ist richtig. 
Die Druckdifferenzen streben eben, einander gegenseitig aufzuheben. 
4. CO,-Tensionen des Wassers an verschiedenen Orten und zu verschiedenen Zeiten, 
Die bisher umfassendsten Serien von Tensionsbestimmungen sind die der 
Deutschen Atlantischen Expedition 1925—1927, welche hauptsächlich das Gebiet 
zwischen Afrika und Südamerika umfaßten mit Ausläufern in die antarktischen 
Gewässer. Sie wurden eingehend von Wattenberg behandelt. Die Verhältnisse 
waren meist kompliziert, so daß das Herausschälen von einzelnen einwirkenden 
Faktoren schwierig war, Hier seien deshalb nur die großen Auftriebsgebiete 
westlich von Afrika und in den südlichen antarktischen Gebieten erwähnt. In 
arsteren werden durch die Erdrotation die Oberflächenschichten nach Westen hin 
getrieben, Statt dessen entsteigen der Tiefe kohlensäurereiche Schichten mit teil- 
weise sehr hohen Tensionen bis über 6- sogar bis 7-zehntausendstel Atmosphären 
(d. h. der CO,-Gehalt der im Gleichgewicht mit diesem Wasser sich befindenden 
Luft enthielt 6 bis 7 Teile CO, in 10000 Teilen Luft). Ein sehr großer Teil, besonders 
der östliche dieses Ozeangebietes und hauptsächlich in den niedrigeren Breiten, 
gibt so andauernd große Mengen Kohlensäure an die Passatluft ab, welche so an 
Kohlensäure angereichert wird. Weiter nördlich verfügt Verf. nur über eigene 
Beobachtungen in den Gewässern zwischen Dänemark und Island, Dänemark und 
Nordamerika, zwischen Boston und etwas südlich von New York (es) sowie weiter 
nach Norden bis zur Treibeisgrenze nördlich von Spitzbergen (7). Die Beob- 
achtungen von diesen sämtlichen Reisen in den eigentlichen Nordatlantischen 
Gewässern führten zu gleichem Ergebnis, daß nämlich das Wasser hier zur Zeit 
der Untersuchungen, welche alle im Sommer geschahen, der Gleichgewichtslage 
mit der Atmosphäre zwar nahe stehen, aber auch im Gegensatz zum erwähnten 
Iropischen Gebiet mit einem sicher feststellbaren Betrag im Verhältnis zum 
atmosphärischen Gehalte untersättigt sind, indem die CO,-Tension des Wassers 
niedriger als die der Atmosphäre ist. Der Nordatlantische Ozean saugt also im 
Sommer andauernd Kohlendioxyd aus der Atmosphäre. Deutlicher ausgeprägt 
ist dieses Anfang des Sommers. So z.B. war der Mittelwert der CO,-Tension 
des Wassers zwischen Kopenhagen und Boston im Juni 1935 2,8 .10—* Atm. und 
der atmosphärische Gehalt 3,2, Im September desselben Jahres hatte die Wasser- 
tension zugenommen und die Lufttension war fast unverändert. Die Werte be- 
trugen 3,0 bzw. 3.1. Ein Ausgleich im Laufe des Sommers hatte also in dem 
Sinne stattgefunden, daß das Wasser von den ständig neuen mit ihm in Berüh- 
rung kommenden Luftmassen mit höherer Tension CO, aufgenommen und so 
seine eigene Tension erhöht hatte, Für den Winter liegen zwar keine experi- 
mentellen Erfahrungen vor; nach Erfahrungen an ‘ anderen Orten können wir 
jedoch mit großer Wahrscheinlichkeit vermuten, daß durchschnittlich Gleich- 
gewicht vorliegt. Denn überall, wo im Wasser ein merklicher Temperaturunter- 
schied zwischen Winter und Sommer vorliegt, tritt im Herbst bekanntlich Kon- 
vektion ein unter Auftrieb von tieferen Wasserschichten mit größerem CO,- 
Gehalt und höherer Tension. So wurde z. B. aus diesem Grunde im Finnischen 
Meerbusen bei Hangö!) im Herbst 1935 sogar deutlicher CO,-Überdruck gefunden, 
1) Siehe Buch-Gripenberg (4).
	        
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