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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 70 (1942)

196 Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, Juli 1942. 
Untersuchung der Faktoren, welche diese beiden Partialdrucke beeinflussen, sowie 
dessen, wie sie aufeinander einwirken. Da als solche Faktoren im Meere, wie 
erwähnt, erkannt sind: Salzgehalt, Temperatur und CO, erzeugende oder ver- 
brauchende Vorgänge, bedeutet dies nur, daß unser Problem mit den all- 
gemeinen Fragen der gesamten Ozeanographie und den Fragen des allgemeinen 
Kohlenstoffhaushaltes der ganzen Erde eng verknüpft ist und von diesen nicht 
getrennt werden kann. Ein erschöpfendes Gesamtbild der Verhältnisse kann so 
in kurzer Zeit nicht erhalten werden. Es bedarf hierzu auf längere Zeit ausge- 
dehnter Massenuntersuchungen. Die Bestimmung des Einflusses einzelner Faktoren 
stößt auch auf Schwierigkeiten, weil meist mehrere Faktoren sich überdecken, 
Nur in einzelnen Fällen kann es vorkommen, daß ein einzelner Faktor soweit 
dominiert, daß seine Beziehung zur CO,-Tension zahlenmäßig erfaßt werden kann, 
Unser Vorgehen wird dann folgendes werden. Wir bestimmen die CO,-Tension 
des Wassers, entweder direkt oder indirekt, z. B. über pH und Titrationsalkalinität, 
Damit ist dank unserer Kenntnis der Konstanten des CO,-Systemes dieses voll- 
ständig bestimmt und kann mit den hydrographischen und biologischen Verhält- 
nissen in Beziehung gebracht werden. Außerdem bestimmen wir den CO,-Gehalt 
(bzw. Partialdruck) der Atmosphäre und können so entscheiden, welche der beiden 
Partialtensionen höher ist und feststellen, ob das Wasser CO,-abgebend oder 
‚aufnehmend ist. Wenn wir beide Tensionen in derselben Weise messen, heben 
sich auch eventuelle systematische Bestimmungsfehler heraus, 
Unsere auf diesem Wege erhaltenen Ergebnisse sind zur Zeit noch sehr 
unvollständig. Im folgenden werden als Beispiel eine Anzahl CO,-Tensions- 
bestimmungen als Stichproben angeführt, welche vorwiegend mit Hinblick auf 
die Ermittlung einzelner einwirkender Faktoren ausgewählt wurden. Sie ermög- 
lichen uns eine gewisse Beurteilung der Gleichgewichtslagen und der Ursachen 
zu deren Veränderungen, also der statischen Verhältnisse. Zu unserem Problem 
gehören aber noch die dynamischen Fragen des Austausches, Hierüber besitzen 
wir noch weniger Erfahrung als über die statischen. Auch diese Fragen werden 
in Kürze erörtert und desgleichen zum Schluß auch die neuesten Erfahrungen 
über die möglichen Veränderungen des CO,-Gehaltes in der Atmosphäre. 
3. Ältere Tensionsbestimmungen, 
Allgemeines über die gegenseitige Regulationsbetätigung. 
Wie schon erwähnt, wurden die ersten zuverlässigen direkten Bestimmungen 
der CO,-Tension des Meerwassers 1904 von Aug, Krogh in den Gewässern von 
Grönland und auf der Strecke zwischen Grönland und Dänemark ausgeführt. 
Das wichtigste grundsätzliche Ergebnis war, daß die CO,-Tension größenordnungs- 
mäßig mit dem durchschnittlichen atmosphärischen Gehalt übereinstimmt, daß 
also Meer und Atmosphäre sich tatsächlich im Laufe der Jahrtausende nahezu 
ins Gleichgewicht miteinander eingestellt haben. Später, 1917, wurden vom 
Verfasser (s) in Zusammenhang mit einer ersten orientierenden Laboratoriums- 
untersuchung über die Kohlensäurefaktoren und ihre gegenseitige quantitativen 
Beziehungen auch CO,-Tensionen in den Finnland umgebenden Meeresgebieten 
über pH und Titrationsalkalinität ermittelt und besprochen. Sodann wurden 
1921/1922 zahlreiche direkte Bestimmungen mit dem Apparat von Krogh von 
Br. Schulz in den Gewässern des Ostseebeckens und auch anderen Gegenden 
ausgeführt. Diese ergaben ein wertvolles Material zur Beurteilung des CO,-Aus- 
tausches, zeigten besonders aber die große Verwertbarkeit dieser Bestimmungen 
für hydrographische Zwecke. Als Allgemeinergebnis aller erwähnten Bestim- 
mungen ergab sich, daß die CO,-Partialtension des Wassers und der Atmosphäre 
trotz der gleichen Größenordnung eigentlich ziemlich selten vollständig überein- 
stimmen, so daß ein exakter Gleichgewichtszustand zwischen Meer und Atmosphäre 
vorhanden wäre, Vielmehr variieren die Tensionen um eine gewisse Gleich- 
gewichtslage. An einer Stelle ist zu gewissen Zeiten die Tension des Wassers 
höher, zu anderen niedriger als die der Atmosphäre. An gewissen Orten kann 
dauernd Überdruck des Wassers, an andern dauernd Unterdruck vorhanden sein, 
aber kraft der physikalischen Gesetze streben eingetretene Druckunterschiede,
	        
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