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Full text: 70, 1942

94 Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, Juli 1942. 
Interesse beansprucht die Verbrennung von Kohle und Erdöl von seiten der 
Menschen, die zwar auch klein ist im Verhältnis zu den biologisch umgesetzten 
Mengen, aber wie wir sehen werden, sich in meßbarer Weise zu erkennen gibt. 
Daß bei diesen mannigfaltigen entgegengesetzten Prozessen lange Zeitperioden 
hindurch eine durchschnittliche Konstanz des atmosphärischen Gehaltes, sei es an 
Kohlendioxyd oder Sauerstoff, aufrechterhalten bleibt, kann nur dem Umstande 
zugeschrieben werden, daß die beiden großen biochemischen Faktoren, Assimila- 
tion und Atmung, miteinander ursächlich verknüpft sind und einander mehr oder 
weniger automatisch regulieren. Die Tierwelt lebt direkt oder indirekt von der 
produzierten Menge Pflanzensubstanz, Und diese hängt von der von der Tier- 
welt (und auch von Pflanzen) ausgeatmeten oder durch Verwesung gebildeten 
Treien Kohlensäuremenge ab. Bekanntlich ist unter sonst gleichen Umständen 
und in gewissen Grenzen die Assimilationsintensität der Konzentration an Kohlen- 
dioxyd in der umgebenden Atmosphäre proportional. Zum besseren Verständnis 
später noch zu erörternder Umstände sei indessen daran erinnert, daß der 
Pflanzenwelt auf dem Festlande keineswegs ausschließlich das Kohlendioxyd der 
freien Atmosphäre von dem angegebenen Gehalt 0.03/100 zur Verfügung steht, 
sondern meistens sehr viel größere Konzentrationen. Von überragender Bedeu- 
sung ist hier bekanntlich die sogenannte Bodenatmung, bei welcher durch die 
bakterielle Zersetzung der organischen Substanz im Boden dicht über diesem 
vielfach höhere CO,-Konzentrationen entstehen als in der freien Atmosphäre. Und 
liese werden zum größten Teile von der über ihr stehenden Pflanzendecke durch 
lie an der Blattunterseite gelegenen Spaltöffnungen abgefangen. Auch in einem 
lichten Walde ist die CO,-Konzentration nahe dem Boden bedeutend höher als 
ben und nimmt stetig mit der Entfernung vom Boden ab. Im Urwalde bildet 
sich zwischen Boden und Laubdecke ein lokaler in sich mehr oder weniger ge- 
schlossener Kreislauf aus. Die Pflanzenvegetation wächst empor mit dem aus 
dem Boden aufsteigenden CO, als Rohstoff, vollendet ihren Lebenslauf, stirbt 
ab, sinkt zu Boden, wird hier zersetzt und das ehedem gebundene CO, durch 
Bakterientätigkeit wird wieder freigelegt, neuen Generationen zugute, Manche 
Geobiologen behaupten, daß das Kohlendioxyd der freien Atmosphäre so nur 
den Rest dieses Kreislaufes darstellt, welcher nicht verbraucht worden ist, und 
daß dieser nur gewissermaßen als Regulator dient. Bis zu einem gewissen Grade 
ist dieser Standpunkt unzweifelhaft berechtigt. Indessen gibt es ja aber noch 
sinen anderen größeren Regulator, nämlich das Meer. 
Auch innerhalb des Meeres vollzieht sich ein ähnlicher Kreislauf mit gegen- 
seitiger Abhängigkeit der assimilierenden und der atmenden Lebewelt, und auch 
hier können wir gewissermaßen sogar von einem Analogon zur hohen von der 
Bodenatmung bedingten CO,-Konzentration sprechen, indem der Pflanzenwelt im 
Wasser bekanntlich keineswegs nur die unbedeutende Menge freies gelöstes CO, 
zu Verfügung steht, sondern auch die vielfach größere Menge der Ionen der 
Kohlensäure, also die im Wasser gelösten Karbonate. 
2. Zusammenwirken der Kreislaufsysteme, das CO,-Gleichgewichtssystem. 
Nach Erkenntnis der genannten in sich geschlossenen Kohlenstoffkreislauf- 
systeme — erstens Atmosphäre-Biosphäre des Festlandes, zweitens entsprechendes 
System innerhalb des Meeres — ist nun von größter Bedeutung zu erfahren, 
wie diese zwei Systeme in Beziehung zueinander stehen und einander beeinflussen. 
Daß überhaupt ein Vorhandensein eines CO,-Austausches zwischen Wasser 
und Atmosphäre besteht und vor allem eine Beeinflussung von seiten des atmo- 
sphärischen CO, auf die CO,-Konstituenten im Meerwasser möglich ist, wurde 
schon in den 1870er Jahren von dem französischen Chemiker Th. Schlösing 
d. ä. bewiesen, an Hand einer vorbildlichen, man kann fast sagen klassischen 
Laboratoriumsuntersuchung über die Löslichkeit des kohlensauren Kalkes im 
Wasser, welche er abhängig fand von dem CO,-Gehalt der über dem Wasser 
befindlichen und mit ihm in Gleichgewicht gebrachten Luft. Er sah auch die 
Bedeutung dieses Befundes für die Vorgänge in der Natur ein und sprach die 
Behauptung aus, daß das Meer, weil dessen Gehalt an Kohlensäure ein vielfacher
	        
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