Diem, Max: Messungen der Größe von Wolkenelementen, 147
wie schon erwähnt, die Auswertung mit der Lupe die Tropfendurchmesser ohne
Schätzung auf 1% genau gibt. Da die ausgeprägten Maxima bei bestimmten
Tropfengruppen nur bei den gemittelten Tropfenverteilungskurven auftreten, kann
von einer „Gruppenbildung“ im Sinne Köhlers (10) nicht gesprochen werden,
Nur bei Messung Nr. 29 trat eine Verteilung der Tropfengrößen auf, die als
Gruppenbildung bezeichnet werden kann. Es soll hier aber nicht auf die mitt-
leren Werte, sondern auf die Einzelbeobachtungen eingegangen werden, die ein
besonders charakteristisches Bild der Wolke abgeben, aus der sie gewonnen wurden,
Bei der Kurve I in Abb. 4 wurden nicht alle Sc-Messungen zur Mittelbildung
herangezogen. Die Tropfenverteilungskurven 48b, 52a, 63a und 63b zeigen
Kurven, wie sie sonst
bei Ns auftreten, Bei
diesen vier Messun-
gen war Se nicht die
einzige vorhandene
Wolkenschicht wie
bei den übrigen Sc-
Messungen, es lag
vielmehr eine zweite
Wolkenschicht (im-
mer As) darüber,
wobei im wolken-
Ireien Raum verein-
zelte Schneekristalle
beobachtet wurden,
ohne daß jedoch der
höherliegende As aus
Eisteilchen bestand, wie aufgefangene Tropfen zeigten. Es tritt nach unserer
Erfahrung nur sehr selten der Fall ein, daß gleichzeitig in ein und der-
selben Wolke nebeneinander Wasser- und KEisteilchen vorhanden sind, wie es
W. Findeisen (%) annimmt, Dagegen wurde in Ns eine deutliche Schichtung
angetroffen, derart, daß die untere Schicht des Ns aus Eisteilchen besteht,
wobei zwischen Schneesternen, Prismen oder Plättchen im Gegensatz zu Graupel
nur schwer unterschieden werden konnte, die obere aus flüssigen Wolkenteilchen.
Der Übergang zwischen den Schichten war meistens deutlich ausgeprägt, meist
war ein wolkenfreier Raum vorhanden. Je nach Lage der Nullgradgrenze schneite
oder regnete es dann am Boden. Es muß allerdings zu unseren Messungen be-
merkt werden, daß sie sich nur bis 4000 m erstrecken, es ist aber unwahrschein-
lich, daß der Aufbau der Wasserwolken innerhalb der Troposphäre grundsätz-
lich verschieden ist.
Bei dem Meßflug Nr. 61 zeigten sich diese Schichtungsunterschiede sehr
stark. Die Bodenbeobachtungen gaben !°/,, Ns, einzelne Regentropfen, die Wolken-
untergrenze lag in 1300 m N. N. Kurz nach dem Einflug in die Wolke wurde in
1600 m die erste Tropfenmessung (6la), gemacht. Sie zeigt eine engbegrenzte
Tropfenverteilungskurve mit ausgeprägtem Maximum bei Tropfendurchmessern
von 8 u. Der Wassergehalt mit 0.15 g/m? ist verhältnismäßig niedrig. In etwa
2100 m, kurz vor der Obergrenze dieser Wolkenschicht, die nach der Flug-
beobachtung als Sc anzusprechen ist, wurde die zweite Tropfenmessung (61b)
durchgeführt. Die Verteilungskurve ist breit, besitzt ein Maximum, das sich
von 11 bis 16 u Tropfendurchmesser erstreckt, der Wassergehalt an dieser Wolken-
stelle ist sehr hoch: 0.63 g/m®. Von 2200 bis 2800 m ist wolkenfreier Raum, ab
2700m wird Schnee beobachtet. Ab Wolkenuntergrenze in 2800 m besteht die
Wolke aus Eisteilchen bis etwa 3100 m, darüber ausschließlich aus Tropfen. In
3400 m (61c), in 3900 m (61d) und wieder in 3400 m (61e) werden die Tropfen-
größen gemessen. Die Zusammensetzung der Wolke ändert sich räumlich dauernd,
es zeigt sich, daß die Tropfengrößen in verschiedenen Höhen verschieden, aber
auch in gleichen Höhen an verschiedenen Orten verschieden sind; mit ihnen
Ändern sich die Wassergehalte und die Sichtweiten.