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Full text: 70, 1942

13 Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, April 1942, 
Es lag nun der Gedanke sehr nahe, daß die Abhängigkeit des Trübungs- 
faktors von der Luftmasse um so weniger zutage treten müsse, je enger der 
gewählte Spektralbezirk sei, da ja im Fall monochromatischer Strahlung keine 
Funktion von m in Frage kommt. Es zeigte sich aber bald, daß sich in dieser 
Beziehung die Rot- und die K-Strahlung nicht besser verhalten wie die Gesamt- 
strahlung. Etwa vorhandene Fehlerquellen müssen sich beim Tg, wie schon 
Milch?) zeigte, jedenfalls bis zu einem gewissen Grade kompensieren, weil die 
Teilgebiete der R- und K-Strahlung „auf verschiedene Extinktionsursachen 
reagieren, so daß durch die Abhängigkeit der Energieverteilung von m zunächst 
bei kleinem m mehr die eine, dann bei größerem m mehr die andere Ursache 
wirkt“. Von solchen Gesichtspunkten aus gelangte nun Milch!) bei seinen 
Untersuchungen zum Ergebnis, daß, wenn man auch wohl mit einer gewissen 
Abhängigkeit von der Luftmasse für genannte drei Strahlungen rechnen müsse, 
dieser sogenannte virtuelle Gang praktisch vernachlässigt werden könne, so daß 
man imstande sei, mit Hilfe der Trübungsfaktoren die Veränderungen des atmo- 
sphärischen Reinheitsgrades zu verfolgen. Einige Jahre später kamen Feussner 
und Dubois?) zum Ergebnis, daß auch beim Tg mit virtuellen Gängen gerechnet 
werden müsse; nach den früheren Konstanten zeigt es einen etwas größeren, 
aber einfachen Gang, nach den verbesserten neueren besitzt es ein Minimum für 
mittlere Schichtdiceken, Dagegen ergab sich für das Tg ein so starker Gang, 
daß er für exakte Messungen als ausgeschlossen bezeichnet wurde, so gedacht, daß er 
jedenfalls nur einer ersten Orientierung von Nutzen sei. Später zeigte Schneider*®), 
wie man durch Änderung der Abszissen in einem von ihm vorgeschlagenen 
Trübungsdiagramm den virtuellen Gang des T, eliminieren könne. Hölper*), 
der schon in seiner ersten diesbezüglichen Arbeit im Ta ein in erster Annähe- 
rung zutreffendes Maß für die zeitlichen Anderungen der atmosphärischen Licht- 
durchlässigkeit an ein und demselben Ort ersah, .sprach sich im übrigen dahin 
aus, daß „die Schwankungen der Twan einem bestimmten Beobachtungsort durch 
die Beziehung auf eine diese eigentümliche Einheit (die senkrechte Entfernung 
des Beobachtungsorts von der Atmosphärengrenze) denen eines anderen nicht 
kommensurabel seien“, Es erschien ihm ein allgemeiner Vergleich der Trübungs- 
faktoren an Orten mit verschiedener Höhe undurchführbar, da eine Reduktion 
auf Meeresniveau hier ebenso unmöglich sei wie hinsichtlich der aus Strahlungs- 
messungen errechneten Gesamtextinktion. Die hiermit zusammenhängenden Fragen 
wurden inzwischen weitgehend geklärt. Ich erinnere zunächst vor allem an die 
Untersuchungen von Lauscher®), in welchen eine einfache Berechnungsart 
erläutert wird, um auf Grund der von Feussner und Dubois neu berechneten 
Werte der Sonnenstrahlungsintensitäten den Linkeschen Trübungsfaktor für 
eine gegebene Sonnenhöhe und für gegebenen Luftdruck zu finden. Weiter 
sei in diesem Zusammenhang nochmals auf die soeben erwähnte Schneidersche 
Arbeit hingewiesen. Summa summarum darf man wohl heute sagen, daß man 
jedenfalls im Tw und vor allem im Tg ein einfach zu gewinnendes, praktisches 
Maß für den atmosphärischen Reinheitsgrad besitzt. 
Sehen wir uns die Tabelle 1 an, so konstatiert man, daß bei fünf Reihen ein 
Anstieg von großen zu kleinen und bei acht Reihen ein solcher von kleineren 
zu größeren Sonnenhöhen zu konstatieren ist. Der letztere Fall ist natürlich 
wesentlich so zu erklären, daß im allgemeinen mit steigender Sonne die 
Temperatur zunimmt und infolge aufsteigender Luftbewegung in etwas 
größerer Höhe Kondensationsprodukte des Wasserdampfs im Sinne einer Trübung 
wirken. Dies Ansteigen könnte also durch den täglichen Gang des Tg erklärt 
werden. Ob und wieweit das entgegengesetzte Verhalten mit der erwähnten 
Abhängigkeit von der Luftmasse zusammenhängt und ob und wieweit tatsächliche 
Änderungen des Trübungsgrades in Frage kommen, soll hier nicht entschieden 
i‘) W. Milch, Über die Extinktion der Jangwelligen und der kurzwelligen Sonnenstrahlung in 
der Atmosphäre der Erde, Gerl, Beitr. Geophys. Bd. XVI, 66—107, 1927. — 2?) K. Feussner und 
P. Dubois, Trübungsfaktor, precipitable water, Gerl, Beitr, Geophys. 27, 132—1953, 1930. — 
3) A. Schneider, Trübungsfaktor und Trübung-«diagramm, Gerl, Beitr, Geophys. 51, 60—99, 1937, — 
‘4, O0. Hölper. 1. eit. — 5 FF. Lauscher, Über den Trübungsfaktor. Met. Zischr. 1930. 1—11.
	        
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