Ann, d. Hydr, usw., LXX. Jahrg, (1942), Heft IV.
Höhenstandlinien in der Seekarte nach Garcia.
Von H. C. Freiesleben,
$ 1. Höhentafeln,
Die Ermittlung von Höhenstandlinien erfolgt in der Praxis im allgemeinen
mit Hilfe von Tafeln. Diese Tafeln können erstens rein logarithmische Tafeln
sein. Die Berechnung von Höhe und Azimut der beobachteten Gestirne erfolgt
auf Grund trigonometrischer Formeln mit trigonometrischen Funktionen, deren
Logarithmen einer gewöhnlichen Logarithmentafel entnommen werden, falls nicht
eine eigens für diesen Zweck geschaffene Zusammenstellung von Logarithmen
Verwendung findet. Eine solche Zusammenstellung ist z. B. die bekannte Tafel 7
der Nautischen Tafeln von Fulst.
Zweitens finden Tafeln Verwendung, die einen Teil der logarithmischen
Rechnung ersparen, indem gewisse Zwischengrößen der Lösung tabuliert werden,
so daß die Rechnung nach einem bestimmten Schema in abgekürzter Weise vor
sich gehen kann. Für die Azimutberechnung ist die ABC-Tafel in den Nautischen
Tafeln von Fulst ein bekanntes Beispiel. Für die Höhenberechnung liegt der-
artigen Tafeln meist die Zerlegung des schiefwinkligen sphärischen Grunddreiecks
in zwei rechtwinklige zugrunde. Ein Beispiel für diese Art von Tafeln ist die
F-Tafel.
Die dritte Möglichkeit ist die Tabulierung von Höhe und Azimut, ohne daß
der Beobachter überhaupt noch logarithmisch zu rechnen braucht, Solche Tafeln
verdienen den Namen „Höhentafeln“ im wirklichen Sinne des Wortes. Daß für
die Längenmethode auch solche Tafeln des Stundenwinkels und Azimuts bestehen,
mag am Rande vermerkt sein!). Für die Höhenmethode gibt es nur die Tafeln
von Wedemeyer und die Tafeln von Ball. Die Tafeln von Wedemeyer sind
einigermaßen engmaschig, ergeben aber derartig große Ah, daß die Standlinien
in einer stereographischen Karte statt in der Seekarte gezeichnet werden müssen,
Die Tafeln von Ball sind sehr weitmaschig und erfordern erhebliche Einschalt-
arbeit. Trotzdem vor allem die Tafeln von Wedemeyer vorzüglich sind und
für unausgebildetes Personal große Vorzüge besitzen, haben sie sich nicht ein-
gebürgert. Bei den Tafeln von Ball hat man sich bemüht (E. Krause: See-
wart 1933; S, 214), die Schaltrechnung zu erleichtern. aber auch das hat die
Tafeln nicht eingebürgert.
J. Garcia, ein spanischer Seeoffizier, geht nun von dem Gedanken aus, daß
in der Tat nur solche Höhentafeln wie die von Wedemeyer oder Ball wirklich
die Rechnung ersparen. Der große Umfang der Tafeln oder die erforderliche
Schaltarbeit werden aber ihrer Einführung stets entgegenstehen. J. Gareia hat
sich deshalb die Frage vorgelegt, wie diesem Mißstand zu begegnen sei, Er hat
dafür eine völlig neue Arbeitsmethode entwickelt, die im folgenden besprochen
werden salk3ı.
82. Schar der Höhengleichen und Auswahl einzelner Zentralkurven.
Die Methode von J. Garcia verdient besondere Beachtung, weil sie von
ganz allgemeinen Voraussetzungen ausgeht, die sich nicht allein auf Höhen-
gleichen, sondern auch auf andere Kurven anwenden lassen, so auf die Azimut-
gleichen und auf die Großkreise, Die Höhengleichen eines Gestirns sind z. B.
auf der Erdoberfläche Kreise um den Bildpunkt des Gestirns. Diese Kreise bilden
eine Schar von Kurven mit einem gemeinsamen Mittelpunkt. In der Merkator-
karte habe ich in den Höhengleichen eines Gestirns gleichfalls eine Schar von
Kurven vor mir, die ein besonderes mathematisches Gesetz befolgen. Wollte ich
eine von diesen Kurven zeichnen, die einer beobachteten Höhe entspricht, so
würde ich ohne Rechnung auskommen, wenn ich eine Höhentafel besäße, die die
Gesamtheit dieser Kurven enthält. Eine solche Tafel müßte für jede Kurve eine
!'y The Sumner Line of Position, Washington 1924, Hydrographic Offiee Nr. 203 u. 204,
1 Metodo de trazado de las ecurvas de altura. Revista General de Marina. Nory. 1940.
ann. d. Hydr. usw. 1942. Heft IVY