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Full text: 70, 1942

Portig, W.: Die Jahresmittel der Temperaturreihe von Prag, 
meisten Arbeiten können sich aber nur auf ein bis zu 100jähriges homogenes 
Material stützen. Die Prager Reihe gibt nun aber die Möglichkeit, den betrach- 
teten Zeitraum auf 166 Jahre zu erweitern. Während man nun in bezug auf die 
Frage, wie lange die Zunahme der Ozeanität noch anhält, oder ob sie schon in 
eine dauernde Abnahme übergegangen ist, auf Vermutungen angewiesen ist, läßt 
sich die Vorgeschichte der Klimaverwerfung einer Untersuchung unterziehen. 
Für die Behandlung des Problems der Säkularveränderung sind die Tempe- 
raturmittel einzelner Jahre (oder Monate) nicht geeignet, weil die Schwankungen 
von Jahr zu Jahr sehr viel größer sind als die größerer Zeiträume. Ringleb®) 
hat in seiner sehr schönen Arbeit über die Klimaverwerfung um die Jahrhundert- 
wende ausführlich begründet, daß für derartige Unternehmungen nur Reihen aus 
übergreifenden Mitteln aus je 20 bis 40 Jahren die geeignete Darstellungsmethode 
sind. Ringleb hat sich für 30jährige Ausgleichung entschlossen. Ich habe statt 
dessen Mittel aus je 33 Werten gebildet. Die Zahl 33 hat gegenüber 30 zwei Vor- 
teile. Als ungerade Zahl hat 33 ein Zentraljahr, dem man den Mittelwert zuordnen 
kann, und außerdem fallen bei der Berechnung der 33jährigen Mittel gleich die 
11jährigen mit ab, d. h. die kürzesten, die die Sonnenfleckenperiode unterdrücken. 
Es ist üblich, daß man ein Mittel aus vielen Jahren der Kürze halber nach 
seinem letzten Jahr benennt, z. B. würde man das 33jährige Mittel von 1890 bis 
1922 als Mittel von 1922 bezeichnen. An und für sich ist es gleichgültig, wie 
man ein solches Mittel bezeichnet, wenn man nur vorher eindeutig definiert, 
was darunter zu verstehen ist. Diese Bezeichnung veranlaßt den Leser aber 
immer wieder, dem Ende des gemittelten Zeitraums ein größeres Gewicht bei- 
zulegen, als ihn zukommt, Die Veränderung von einem übergreifenden Mittel 
zum nächsten erfolgt ja nicht nur dadurch, daß ein neues Jahr dazukommt, 
sondern in genau dem gleichen Maße dadurch, daß am Anfang des Zeitraums 
eins gestrichen wird. Im folgenden, besonders in den Figuren, wird deshalb 
jeder Zeitraum durch sein Zentraljahr und gelegentlich, um den Vergleich mit 
anderen Arbeiten, z. B. der von Ringleb, zu erleichtern, der ganze Zeitraum 
durch sein Anfangs- und Endjahr bezeichnet, 
Eine ausgeglichene Reihe hat n—1 Glieder weniger als die Originalreihe, 
aus der sie durch n-gliedrige Ausgleichung entstanden ist. Jede Methode, die 
ausgeglichene Kurve auf die gleiche Länge wie die Urreihe zu bringen, bedingt 
Fälschungen, die, je mehr man sich den Enden nähert, um so größer werden, 
da man ja nicht weiß, wie man die fehlenden Beobachtungen zu extrapolieren 
hat. Trotzdem wird von mir der Versuch gemacht, die fehlenden Werte zu 
ergänzen. In der graphischen Darstellung werden die ergänzten Werte durch 
Punktierung deutlich von den einwandfrei errechneten abgehoben. Die Ergänzung 
wurde so vorgenommen, daß die ergänzten Werte nur noch aus den letzten 31, 
29, 27 usw, Jahren statt 33 berechnet wurden. Die Annäherung der extrapolierten 
Zahlen an die wahren, aber (noch) nicht bekannten, ist zunächst sehr gut und 
nimmt erst langsam, dann immer rascher ab. An Hand eines Beispiels werde 
zahlenmäßig erläutert, zu welchen Fehlern diese Art von Berechnung an einer 
besonders kritischen Stelle führen kann. Es werde angenommen, die Temperatur- 
reihe läge nur bis 1855 vor. Dann sind die 33jährigen Mittelwerte bis zum 
Zentraljahr 1839 einwandfrei zu berechnen. Die folgende Tabelle gibt nun für 
einige Jahre nach 1839 die einwandfrei berechneten 33jährigen Mittel (abgekürzt 
T3a) und die unter der gemachten Annahme extrapolierten Werte. 
Zentraljahr ....... 1839 1842 1845 1848 1851 1854 1855 
Tzs (einwandfrei) . . 9.22 9.07 9.02 9.04 897 898 19.09 
Tag (extrapoliert) ................ 9.22 9.00 882 8.85 865 817 7.68 
Zahl der für die Extrapolation be- 
nutzten Jahre .. 
Differenz beider Tz,. 
Die extrapolierten Werte täuschen hier eine Temperaturabnahme auch dann noch 
vor, als die einwandfrei ausgeglichenen Werte schon wieder eine ansteigende 
Tendenz zeigen. 
%) F. Ringleb, Klimaschwankungen in NW-Deutaschland (seit 1835) (Arb. 3 d. geogr. Komm. 
im Pror -Inst. f. westf, Landeskunde). Münster 1940 
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