Portig, W.: Die Jahresmittel der Temperaturreihe von Prag.
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Die Jahre 1811 und 1806 fehlen in dieser Aufstellung, weil sie in den 35jährigen
Rhythmus nicht hineinpassen. Die Frage, ob die erste der Brücknerperioden mit
1791 oder 1794 beginnen soll, wird etwas weiter unten entschieden,
Die Abweichungen der Monatsmittel der Jahre 1791, 1794, 1834, 1868 und
1934 vom langjährigen Mittel sind:
Jan, | Febr, | März | April | Mai | Juni | Juli | Aug. | Sept. | Okt. | Nov. | Dez. | Jahr
4382 4+29! +22 +20|-+23| +18| +2.6| +1,81 4+1.4| +09! +0.1| 2.71 120
Das ganze Jahr war also mit Ausnahme des Spätherbstes zu warm. Dabei ist
bemerkenswert, daß die Oktobertemperaturen praktisch keine Streuung auf-
weisen; sie betragen für die genannten fünf Jahre nämlich 10.6, 10.7, 10.5, 10,7,
10,7. Ob diesem Umstand eine besondere Bedeutung beizumessen ist oder ob
es sich um einen sogenannten Zufall handelt, läßt sich an diesem (für diesen
Zweck zu kleinen) Material nicht entscheiden.
Von den beiden weggelassenen Jahren 1806 und 1811 paßt sich 1806 gut
dem gegebenen Schema an, sogar die Oktobertemperatur stimmt mit 10.1°
gut mit den andern fünf überein. 1811 dagegen weist eine ganz andere Tempe-
raturverteilung auf.
Ebenso wie bei den zu kalten Jahren fehlt um die letzte Jahrhundertwende
wieder ein Jahr, das streng die Extrembedingungen erfüllt und etwa in die
35jährige Periode hineinpaßt. Aber auch hier finden wir ein Jahr, das die
Bedingungen ungefähr erfüllt: 1898. Dieses Jahr war in allen Monaten außer
V, VI und VII zu warm, besonders im XII, seine Oktobertemperatur betrug
10.0°, und sein Jahresmittel war das höchste in der Zeit von 1873 bis 1910.
Beachtenswert ist der Umstand, daß die Extreme um die letzte Jahrhundert-
wende abgeschwächt waren. Es wird bei noch mehreren Untersuchungen dieser
Arbeit darauf hinzuweisen sein, daß die Temperaturverhältnisse in dieser Zeit
erheblich von denen anderer Epochen abweichen.
Die Untersuchung über die Brücknerperiode sei abgeschlossen mit der Be-
rechnung der Phasenverschiebung der Maxima gegen die Minima. Zu diesem
Zweck werden die Maximal- und Minimaljahre nebeneinandergeschrieben.
Maximaljahre Wet Minimaljahre | 1799 f Differenz
{
827
‘868
1898)
1934
1829
1828
1864
4871
11902)
1940
Wenn man die Jahre 1791, 1829 und 1864 nicht berücksichtigt, kommt man
zu dem Ergebnis, daß die Minimaljahre 3 bis 6 Jahre nach den Maximaljahren
eintreten. Die Brücknerperiode aus den Jahren 1794, 1834, 1868, 1898 und 1934
einerseits und 1799, 1838, 1871, 1902 und 1940 andererseits ergibt sich zu
35.1 Jahren mit einem mittleren Fehler von +3,5.
Für den Synoptiker taucht bei dem Problem eines durch (fast) alle Monate
im gleichen Sinn anormalen Jahres die Frage auf, wie nun eigentlich die Wetter-
jagen aussehen, die zu den Anomalien gehören. Dabei ist zunächst klar, daß
verschiedene Jahreszeiten verschiedene Wetterlagen nötig haben, um im gleichen
Sinn anormal zu werden, Es zeigt sich aber an dem Beispiel eines Jahres, daß
auch in der gleichen Jahreszeit wesentlich verschiedene Wetterlagen zu ähn-
lichen Temperaturverhältnissen führen können. Es kommt mehr auf den Ursprung
und den Weg der Luftmassen an als auf die Isobarenführung in der weiteren
Umgebung des Beobachtungsortes. Als Beispiel seien die mittleren Großwetter-
lagen aller Monate des in allen Monaten zu warmen Jahres 1934 gebracht. (Die
mittleren Druckkarten sind in der Zeitschrift „Das Wetter“ veröffentlicht, Jahr-
zang 1934/35.)
Ann. d. Hydr. usw. 1942. Heft 11.