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Full text: 70, 1942

Portig, W.: Die Jahresmittel der Temperaturreihe von Prag. 
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durch die Einwirkung verschiedenster Einflüsse zustande gekommen sind, läßt 
sich doch eine ganze Reihe von Regeln ableiten, die teilweise mit erstaunlicher 
Genauigkeit erfüllt sind. Es hat dabei den Anschein, als wenn die Temperatur 
nicht notwendigermaßen mit der Wetterlage gekoppelt ist, z. B. dann, wenn die 
gleiche Temperaturanomalie trotz grundsätzlichen Wechsels in der Großwetter- 
lage erhalten bleibt, Dem stehen wieder andere Fälle gegenüber, in denen man 
auf Grund der Anderung der Großwetterlage die Anderung der Temperatur- 
anomalien in der richtigen Größenordnung ableiten kann, 
A. Extreme der Jahrestemperatur. 
Die Jahresmitteltemperatur wird gern unbeachtet gelassen. Von Laien wird 
zegen sie eingewendet, daß sich die Temperaturanomalien verschiedener Jahres- 
zeiten doch im Laufe des Jahres gegenseitig aufhöben. Zu diesem Einwand 
braucht hier nichts weiter gesagt zu werden, weil er sich durch die Ergebnisse 
der folgenden Ausführungen von selbst widerlegt. Von Wissenschaftlern wird 
gegen die Verwendung der Jahrestemperatur angeführt, sie sei eine durch die 
Zusammenfassung verschiedener Jahreszeiten zu sehr komplexe Größe, um noch 
einen tieferen Sinn als nur den einer Rechengröße zu haben, Ferner sei die 
Abgrenzung des Jahres zwischen Dezember und Januar ganz willkürlich. Gegen 
len ersten dieser beiden Einwände ist zu erwidern, daß eine kleine Temperatur- 
anomalie eines Monats leicht als unbedeutend und „zufällig“ abgetan wird, daß 
sie aber bemerkenswert wird, wenn sie auch in mehreren oder allen anderen 
Monaten des Jahres auftritt. Betrachtet man nun nur einzelne Teile des Jahres, 
so werden so kleine Anomalien im allgemeinen nicht auffallen, während sie sich 
im Jahresmittel addieren und zu einer beachtlichen Größe anwachsen können. 
Und daß diesen Fällen eine besondere Bedeutung zukommt, wird wohl jeder 
zugeben, — Gegen den zweiten Einwand, der von wissenschaftlicher Seite erhoben 
wird, läßt sich noch nichts entgegnen. Es sprechen aber einige Anzeichen dafür, 
daß der Winter die „aktive“ Jahreszeit ist, daß also der Winter mit dem ihm 
folgenden Sommer eine Einheit bildet und nicht mit dem vorhergegangenen, 
Die größte Schwankung der Jahresmittel der Prager Temperaturreihe beträgt 
5.23°, die größte Anderung von einem Jahr zum nächsten 3.74°, nämlich von 1799 
auf 1800, Es handelt sich also entgegen der Meinung des Volksmundes um recht 
beträchtliche Beträge, denen auch eine erhebliche wirtschaftliche Bedeutung 
zukommt. 
Die sieben kältesten und sieben wärmsten Jahre waren: 
‚799 mit 6.37° 1786 mit 7.55° 
838 „ 731° 1829 „ 7.589 
871 „ 737° 1940 ,, 7.609 
864 © 7.479 
1794 mit 11.60° 
1834 „ 11,540 
1934 11.330 
1811 .. 11.30° 
1868 mit 11,26° 
A7A1 ,, 11.219 
1506 „ 11.17° 
Zwei Tatsachen fallen an dieser Zusammenstellung auf: Daß nämlich der 
große Zeitraum von 1872 bis 1933 frei von besonders extremen Jahresmitteln 
ist, und ferner, daß die Spanne vom kältesten zum siebtkältesten Mittel mit 1.23° 
viel größer ist als die vom wärmsten zum siebtwärmsten mit 0.43°, 
Es seien gleich hier, wie auch im weiteren Verlauf dieser Untersuchung, 
Anhaltspunkte dafür gegeben, aus welchen Komponenten sich die Jahresmittel 
zusammensetzen, d,h. in diesem Zusammenhang, wie groß die Anomalien der 
vier Jahreszeiten im Vergleich mit der Jahresanomalie sind. Die folgende Tabelle 
yibt auf diese Frage Antwort. 
Winter ' Frühling 
T-Anomalien der 7 kältesten Jahre | — 46°  —1.1° 
P- „ 7 wärmsten 424° 4220 
Kammer 
or 
'orhet 
Tahr 
19 | —2.1° 
„120 | 190 
Während der extrem kalten Jahre wird also das Jahresmittel weitgehend vom 
Wintermittel bestimmt, wenn auch die anderen drei Jahreszeiten zusammen die- 
selbe Größenordnung erreichen. Bei den Höchstwerten setzt sich dagegen die 
Jahresanomalie zu etwa gleichen Teilen aus den Jahreszeitenanomalien zu- 
sammen. Dabei ist anzumerken, daß die Streuung der Winteranomalien ganz
	        
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