Schott, G.: Zur Vollendung des 70. Lebensjahres von Martin Knudsen.
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Zur Vollendung des 70. Lebensjahres von Martin Knudsen.
Der Name Martin Knudsen ist jedem, der sich mit Meereskunde oder Hydrographie — wie
hier in Anlehnung an den Titel dieser Zeitschrift gesagt sei -- beschäftigt, gut bekannt und geläußig,
jedem, und sei er der jüngste Anfänger auf diesem Gebiete der Forschung, Denn dafür sorgen
allein schon M. Knudsens „Hydrographische Tabellen“, die, in Tausenden von Exemplaren über
die ganze Erde verbreitet, in jedem Laboratorium und an jeder Station, wo physikalisch-chemische
oder biologische Studien über das Meer betrieben werden, zu finden sind. Wo stünde heute die
hydrographische Arbeit, wenn wir seit Beginn des Jahrhunderts diese Tabellen nicht gehabt hätten,
die in noch heute nicht überholter Sorgfalt die grundlegenden Beziehungen zwischen Chlorgehalt,
Salzgehalt und Dichte des Meerwassers festgestellt haben, mag man auch für einige Sonderfragen
neuerdings die Genauigkeit noch höher zu bringen sich bemühen. Die historische Gerechtigkeit
gebietet, die Bemerkung zus rechnungen erfolgten nach
zusetzen, daß die mit Recht den Vorschlägen und unter
unter seinem Namen gehen: der Kontrolle einer intere
den „Hydrographischen Ta« nationalen Kommission, be
beilen“ dem s. Zt. dreißig: stehend aus H. N, Dickson,
jährigen Knudsen nicht M. Knudsen, ©, Krümmel,
allein zu danken sind; sie 5, Makaroff, Sir John Murray,
beruhen auf der Zusammens Fridtjof Nansen und O, Pet:
arbeit auch mit Sorensen tersson.“ — Fast alle weilen
und Forch, und die Note nicht mehr unter uns.
wendigkeit dieser Konstantens Aber wir freuen uns von
bestimmungen ergab sich so» Herzen, dem in voller Rüstigs
fort, als die große inter. keit des Körpers und Geistes
nationale Vereinigung der schaffenden Kollegen die
nordwesteuropäischenMeeress besten Glückwünsche zur
forscher mit Otto Petters: Vollendung seines 70. Lebens-
son an der Spitze 1899/1900 jahres durch diese wenigen
erstand. Auf dem Titelblatt Zeilen ausdrücken und ihm
der ersten Ausgabe lesen wir: sagen zu können, was er
„Die Messungen und die Bes für die Meeresforscher be
deutet, An die Spitze der Würdigung seiner meereskundlichen Arbeiten gehörten die „Tabellen“.
Für die Leser dieser Zeitschrift wird nun noch ein Versuch, das Lebenswerk Knudsens in
ganz großen Zügen zu kennzeichnen, von Interesse sein.
Martin Hans Christian Knudsen ist am 15. Februar 1871 in Fyn auf Fünen’ geboren. Nach
dem Studium der Mathematik, Physik und Chemie verdiente er sich die erste Auszeichnung,
indem er in den Jahren 1895 und 18%, also im Alter von 24 Jahren, unter Kapt. Wandel die
„Ingolf“ Expedition als Hydrograph begleitete, Diese Fahrt ging in die zuerst 1861 von Admiral
Irminger untersuchten Gewässer um Island und Grönland und brachte als ganz neues Ergebnis
u. a. die Erkenntnis über den ostisländischen Polarstrom; vorher kannte man nur den ostgrön«
ländischen Eisstrom. Schon 1896 veröffentlichte im Anschluß hieran Knudsen in diesen „Annalen“
sinen ersten Beitrag mit dem Titel „Das Abhängigkeitsverhältnis zwischen Sauerstoffs und Kohlen:
säuregehalt des Meerwassers und dem Plankton“. 1899 erscheint im „Ingolf“;Werk zu Kopen:
hagen von seiner Hand der große Band Hydrography, der, exakt und geographisch übersichtlich,
noch heute wertvoll ist. Im selben Jahre 1899 brachte Knudsen die von 1894 bis 1898 in den
dänischen Gewässern angestellten. hydrographischen Messungen durch eine zusammenfassende,
tindringende Darstellung heraus (Beretn, Kommiss, f. videnskab. Undersög. af de danske Fars
vande, IL. 5) und 1905 in ähnlicher Weise das hydrographische Material der Routenschiffe zwischen
Dänemark, den Fär ÖOer und Island (Meddelelser Komm, F. vidensk. Undersög. 1. Nr. 6).
In den „Annalen“ nahm Knudsen 1900 und 1901 noch wieder öfter das Wort, und zwar
z. B. in dem für die Frage des Wasseraustausches insbesondere zwischen Ostsee und Nordsee so
wertvoll gewordenen „Hydrographischen Lehrsatz“, ferner über den baltischen Strom im Kattegat,
über die Erneuerung des Bodenwassers in der Ostsee us.
Mit der Errichtung des internationalen hydrographischen Laboratoriums in Kopenhagen stieg
Knudsens meereskundliche Tätigkeit in steiler Kurve an; von Anfang an der Leiter des Labos
ratoriums und Mitglied bzw. Vorsitzender der hydrographischen Abteilung des Internationalen
Rates gab er von 1902 ab alljährlich das „Bulletin des resultatz acauis pendant les courses