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Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, Februar 1941.
der Figur ist die Projektion der einzelnen Gebiete auf den Boden dargestellt,
die Zusammensetzung des komplexen Bodensteiggebietes entspricht den beob-
achteten Verhältnissen,
Die Untersuchung der Kreuzungen hat bestätigt, daß das aus Nordwest
heranziehende Steiggebiet lediglich die Wirkung troposphärischer Abkühlung,
somit ein niedriges ist, Nach der Kreuzung setzt es seinen Weg in Verbindung
mit der Kältewelle nach Südosten aber als komplexes Steiggebiet fort. Die
Vorstellung Ekharts (2) ist somit in dieser Richtung zu ergänzen. Das nach
einer Kreuzung nach Nordosten abziehende Steiggebiet hängt mit Abkühlung in
der Troposphäre nicht zusammen; Boden- und Höhendruckanstieg decken sich
bei gleichzeitiger Erwärmung der Troposphäre, es ist also ein hohes Steiggebiet.
Die Parallele zwischen Kreuzungen und Teilungen ist somit noch enger
geworden. Dafür spricht auch die regelmäßig beobachtete Verteilung der Ampli-
tuden der Steiggebiete, Davor schwacher Druckanstieg, am Tag der Kreuzung
oder Teilung ein starkes Anwachsen, danach aber wieder Abnahme. Es kann
somit mit größerer Sicherheit geschlossen werden, daß eine Teilung ‚gleichzusetzen
ist einer Kreuzung, bei der das niedrige, aus Nordwest heranziehende Steiggebiet
durch hohen Druckfall überkompensiert ist.
Schließlich konnte festgestellt werden, daß das hohe Steiggebiet nicht der
Höhenströmung folgte, sondern eigengesetzlich wanderte. Man kann es als einen
Vorgang auffassen, der das Isobarenbild am Boden und wahrscheinlich auch die
atmosphärische Grundströmung (vgl, e) weitgehend zu ändern vermag und dadurch
einen Einfluß auf die Bewegung der troposphärischen Luftmassen und damit
der niedrigen und komplexen Steiggebiete ausübt. ;
In allen Fällen wurde beobachtet, daß durch das Heranziehen des hohen
Steiggebietes aus Südwesten die Isobaren am Boden aus der West-Ost- in die
Nord-Süd-Richtung gedreht wurden. Dadurch wurde erst eine — um einen
modernen Begriff zu gebrauchen — einsatzbereite Kaltluftmasse zum Vorstoß
nach Südosten veranlaßt, So betrachtet ist das Zustandekommen einer Kreuzung
oder Teilung also kein reiner Zufall. Das hohe Steiggebiet löst den ganzen
Vorgang erst aus.
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