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Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, Februar 1941.
Der Ablauf des zweiten Falles (1. bis 6, IV. 1938), der hier besprochen
werden soll, ist in Fig. 15 in gewohnter Weise dargestellt. Wieder nähern sich
zwei Steiggebiete des Luftdruckes aus Südwest und Nordwest dem europäischen
Festland; das südwestliche ist im Isobarenbild am Boden mit einem Vorstoß
des Roßbreitenhochs verbunden. Die dadurch bewirkte Drehung der Isobaren
aus der West-Ost- in die Nord-Süd-Richtung vweranlaßt frische arktische Kaltluft
nach Südosten vorzustoßen; sie verrät sich durch das nordwestliche Steiggebiet.
Die Überlagerung beider Steiggebiete am 3. IV. (vgl. Witterungsübersicht
vom 3, IV. 1938) zwischen England und Island ruft einen Druckanstieg von über
30 mb in 24 Stunden hervor, der die Kaltluft befähigt, in kurzer Zeit ganz
Mitteleuropa zu überfluten und bis nach Nordafrika und Kleinasien vorzustoßen.
Über Deutschland
beträgt die Abküh-
lung in der unteren
Troposphäre dabei
14 bis 15°. Nach der
Kreuzung gehen die
Bahnen der Steig-
gebiete wieder aus-
einander; das hohe
zieht in östlicher bis
nordöstlicher, das
komplexe mit der
Kältewelle in süd-
östlicher Richtung
weiter. Daß die Ver-
hältnisse so liegen,
zeigt der Vergleich
Fig, 15. Kreuzung vom 3, IV. 1938, Zugbahn und Intensität der mit den gleichzei-
Steiggebiete des Luftdruckes und Kaltfronten. tigen Topographie-
änderungen.
Am 4. IV. ist die Trennung des Bodendrucksteiggebietes in zwei Kerne gerade
im Gange (vgl. Fig. 16), Der stärkere, über Südnorwegen liegende muß zwar
noch komplex genannt werden, doch liegen Boden- und Höhendrucksteiggebiet
sehr nahe beieinander, Der nach Südosten abzweigende Teil des Bodensteig-
gebietes ist komplex; die troposphärische Abkühlung eilt nach Südosten voraus,
der Anstieg in der absoluten Topographie folgt im Nordwesten nach.
Fig. 17 zeigt dio Verhältnisse am 5. IV. Die Trennung der Steiggebiete am
Boden und in der Höhe ist bereits vollzogen. Das nordöstliche Teilsteiggebiet
am Boden deckt sich genau mit einem Steiggebiet der absoluten Topographie,
die troposphärische Mitteltemperatur hat durchwegs zugenommen. Es handelt
sich dabei also um ein hohes Steiggebiet, die Ursache des Druckanstieges am
Boden ist nicht in Advektion kälterer Luft zu sehen. ;
Das südöstlich abgewanderte Steiggebiet dagegen ist deutlich komplex.
Abkühlung in der unteren Troposphäre und Druckanstieg in der Höhe wirken
zusammen. Dabei eilt der Schwerpunkt der Abkühlung wieder voraus, während
der Höhendruckanstieg folgt, zwischen beiden liegt das Bodensteiggebiet,
Das komplexe Steiggebiet folgt auch in diesem Fall, wie ein Blick auf die
absolute Topographie-zeigt, gut der Höhenströämung. Die Zugrichtung des hohen
Steiggebietes weicht von dieser Erfahrungsregel dagegen erheblich ab; sie ver-
läuft fast senkrecht zu der sehr kräftigen Höhenströmung (vgl. Fig. 18 und 19).
Das hohe Steiggebiet ist also ein „Selbstfahrer“ im Rodewaldschen Sinne (20),
es schwimmt nicht mit der Höhenströmung, sondern zieht eigengesetzlich.
4. Ergebnisse,
Von der Beschreibung weiterer Fälle sei abgesehen, um die Arbeit nicht
zu sehr in die Länge zu ziehen. Die wesentlichen Merkmale des Vorganges der
Teilung und Kreuzung von Steiggebieten sind aus den mitgeteilten Fällen bereits
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