Hoinkes, H.: Über Teilungen und Kreuzungen von Steiggebieten des Luftdruckes, 55
zeigen, daß die Temperatur in der unteren Troposphäre ungefähr gleichbleibt
(vgl. Fig. 11e), in der oberen Troposphäre aber zunimmt, und daß die Tropo-
pause höher liegt. Auch hier ist also troposphärische Abkühlung nicht die Ur-
sache des Druckanstieges am Boden; eine günstigere Lage des Aufstiegsortes,
mehr im Zentrum des Steiggebietes, würde diese Verhältnisse wahrscheinlich
noch deutlicher zeigen.
Aus den besprochenen Radiosonden kann nicht nur die Änderung im ther-
mischen Aufbau der Atmosphäre entnommen werden, es lassen sich daraus auch
Schlüsse auf den „Sitz der Druckänderung“ ziehen. Bekanntlich ist es grund-
sätzlich ganz gleich, ob man die Druckänderung in einer bestimmten Höhe oder
die Höhenänderung eines bestimmten Druckniveaus betrachtet. Da aber. die
Höhenänderung der Druckniveaus in der ganzen Atmosphäre direkt vergleichbar
ist und keine, die Druckabnahme mit der Höhe berücksichtigende Reduktion
erfordert, ist es vorteilhafter, die Höhenänderung zu benutzen {[vgl. (s)].
In Tabelle 1 sind die Höhen der Hauptisobarenflächen und ihre 24stündige
Änderung in vier Einzelsteiggebieten des betrachteten Falles (vgl. Fig. 10) enthalten
Tabelle 1. Höhe der Hauptisobarenflächen und ihre 24stündige Änderung in geodyn. Metern.
Thorshayen Tromsö Warschau
1. 188 (Dim U
. Haupt-
jsobaren
flächen
Reykjavik
168 | 278 Koier
1000 -80| 704150,
900 750 | 900| 150
500 [| 1660’ 1800 140!
700 | 2670: 2800| 130}
500 {| 3810‘ 3930| 120’
500 [| 5110’ 352307120
400 | 6650 53750[ 100
300 | 8600 3630| 30
200 F11200| — I —
100 157401 — }—
Köln
17.3 18.8 De
80
900
1790,
2790|
3910|
3.190 |
3 700
3550 |
ı 180
5 690
160
1000
1920
2940
4 090
5420
7 000
8920|
Ad
15.740
80
100
130
150
180
230
300
370
220
BO
123; 252) 1291 44
' 967 | 1038| 91| 860
1822} 1996|1741 1750
2915 3019[104| | 2731
4064: 4170| 106} | 3853
5372 5494 j122 [| 5118
6899! 7055 [1156| | 6620
„8784 39731 189| 18:50
— 1551 — —
| -— 15850 — 2
78
901
1781
2753
3867
4 126°
881
8 563
iL174 —
156908 —
70; 210 140
917° 1010 123
1837 | 1950-113
2860| 2960. 100
4001‘ 4080 79
5297 5890 98
6791 69304139
8602 8850248
— 11460 —
— 158900 —
(nach Radiosonden der Hamburger Wetterkarte), Vom 16./17. IV. ist die Ab-
standsvergrößerung der Hauptisobarenflächen (= Druckerhöhung) in Reykjavik
am größten im Niveau der 1000 mb- und 900 mb-Fläche und nimmt nach oben
beständig ab. Die Druckänderung hat ihren Sitz in den untersten Schichten
der Atmosphäre, das aus Nordwest heranziehende Steiggebiet ist niedrig. ;
Über Thorshaven nimmt vom 17./18. IV. die Abstandsvergrößerung der
Hauptisobarenflächen mit der Höhe ständig zu, sie erreicht ihr Maximum an
der 300 mb-Fläche. Der Sitz des Druckanstieges ist ungefähr in Tropopausen-
höhe, das Steiggebiet am Tage der Überkreuzung ist zumindest in seinem nörd-
lichen Teil hoch. Die gleiche Anderung zeigt sich auch vom 18./19. IV. über
Tromsö. Von geringer Druckzunahme in den unteren Schichten abgesehen wird
der größte Anstieg wieder bei 300 mb erreicht und damit das nach Nordosten
abziehende Steiggebiet als hohes bestätigt.
Aus den Nachtaufstiegen vom 17. und 18, IV. in Köln und den Morgen-
aufstiegen vom 18, und 19. in Warschau geht die komplexe Natur des nach
Südosten abziehenden Steiggebietes besonders eindrucksvoll hervor. Die Zunahme
des Abstandes der Hauptisobarenflächen zeigt hier zwei Maxima, eines am Boden
oder doch in geringer Höhe, das zweite ebenfalls im 300 mb-Niveau. Der Sitz
des Druckanstieges ist also niedrig und hoch, das Steiggebiet daher komplex,
Die Temperatur-Höhenkurven (Fig. 14) zeigen vom 18, auf 19, IV. über Warschau
Abkühlung bis 3600 m, darüber Erwärmung; zugleich rückt die Tropopause von
7200 gdm auf 9600 gdm.
Die Radiosonden zeigen also, daß das auf nordwest-südöstlicher Bahn
ziehende Steiggebiet vor der Kreuzung niedrig und danach komplex ist. Das
zugleich von Südwest nach Nordost ziehende Steiggebiet dagegen ist auf seiner
ganzen Bahn hoch,