54 Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, Februar 1941.
dürfte also ein hohes Steiggebiet sein. Dafür spricht auch seine weitere nord-
östliche Zugrichtung; im Bodendruckfeld ist es dabei durch einen Vorstoß ‚des
atlantischen Subtropenhochs abgebildet, Es zeigt am 18. IV. nördlich England
ein gewaltiges Anwachsen seiner Amplitude und liegt am 19. IV, wieder wesent-
lich schwächer geworden nördlich von Norwegen. Bei der Betrachtung dieses
Steiggebietes allein könnte man das Anwachsen der Amplitude für eine Zu-
fälligkeit halten,
Daß dem nicht so ist, zeigt die Berücksichtigung eines zweiten Steiggebietes,
das am 16. IV. über Grönland erscheint, Es zieht senkrecht zur Bahn des hohen
Steiggebietes über Island nach Mitteleuropa und kreuzt sie am 18, IV. nördlich
England, Diese Überlagerung läßt den beobachteten großen Druckanstieg vom
18, IV. verständlich erscheinen. Mit dem Durehzug des Steiggebietes erfolgt
ein Einbruch frischer Polarluft nach Mitteleuropa, der durch das hohe Steig-
yebiet weitgehend ausgelöst oder doch gefördert wird.
Bereits in den Vortagen strömt maritime Polarluft gegen den Kontinent,
deren Front am 17, IV. isobarenparallel wird (vgl. Front 17,/1 in Fig. 10). Durch
den schon erwähnten Vorstoß des Roßbreitenhochs in den Nordatlantik, der mit
dem hohen Steiggebiet in Zusammenhang steht, erfolgt eine Drehung der Iso-
baren aus der West-Ost- in die Nord-Süd-Richtung und dadurch ein Vorstoß
frischer Polarluft, der sich durch das aus Grönland heranziehende Steiggebiet
verrät. Am 17, IV. liegt die Front dieser Luftmasse an der Nordspitze Englands
(vgl. Front 17./2 in Fig. 10). Das hohe Steiggebiet beseitigt nun am Tage der
Überlagerung das letzte Hindernis für die Ausbreitung der frischen Kaltluft
nach Süden, indem es ein kleines Tief über der nördlichen Nordsee ausfüllt.
Nun strömt die Kaltluft, mit zusätzlichen Energien versehen, auf den Kontinent,
bringt über Deutschland in der Troposphäre bis zu 10° Abkühlung (vgl. Witterungs-
übersicht vom 18, IV.) und dringt, am Südfaß der Alpen von heftigem Nordföhn
begleitet, ins Mittelmeer und über den Balkan ins Schwarze Meer vor,
Die Betrachtung der gleichzeitigen Bodendruck- und Topographieänderungen
zeigt, daß das Steiggebiet am Tage der Überkreuzung in seiner vorderen Hälfte
weitgehend durch die Abkühlung der unteren Troposphäre bedingt ist (vgl. Fig. 12),
daß der Hauptdruckanstieg aber hoch ist.
Aus Fig. 13 geht wieder die komplexe Natur des nach der Kreuzung nach
Südosten abziehenden Steiggebietes vom 19. IV, hervor. Der Kern des Steig-
gebietes am Boden liegt zwischen dem nach Osten (vorne) vorauseilenden Schwer-
punkt der Abkühlung in der unteren Troposphäre und dem im Westen (hinten)
folgenden Steiggebiet der absoluten Topographie.
Die übrigen an der Kreuzung beteiligten Steiggebiete liegen leider außer-
halb des Bereiches der Höhenwetterkarte. Glücklicherweise sind aber in den
Hamburger Wetterkarten einige günstig liegende Radiosonden enthalten, durch
die gezeigt werden kann, daß der Vorgang tatsächlich in der vermuteten Weise
abläuft, Die Aufstiege vom 16. und 17, IV, in Reykjavik (Fig. 11a) zeigen die,
dem aus Grönland herangezogenen Steiggebiet vom 16./17. IV. entsprechende
Änderung im Aufbau der Atmosphäre. In der oberen Troposphäre ist Abkühlung
eingetreten (in der unteren Hälfte der Troposphäre ist es bereits in den Vor-
tagen kälter geworden, die nun heranströmende Kaltluft bringt keine nennens-
werte Abkühlung mehr), die Tropopause hat sich etwas gesenkt. Der Druck-
anstieg am Boden wird durch diese Abkühlung verständlich,
Fig. 11b zeigt den Zustand der Atmosphäre über Thorshaven am 17, und
18, IV, die Änderung entspricht dem gewaltigen Druckanstieg am Tag der Über-
lagerung der zwei Steiggebiete, Die ganze Troposphäre hat sich wesentlich er-
wärmt, in der Stratosphäre ist es um 20° kälter geworden, die Tropopause liegt
am 18. IV. um fast 3000 m höher als am Vortag. Der Druckanstieg am Boden
ist im nördlichen Teil des Steiggebietes vom 18, IV, also bestimmt nicht durch
Abkühlung in der Troposphäre verursacht worden.
Von besonderer Wichtigkeit ist nun der Nachweis, daß das nach der Kreuzung
nach Nordosten weiterziehende Steiggebiet ein hohes ist. Die Aufstiege vom 18.
und 19, IV. in Tromsö (leider in randlichen Teilen des Steiggebietes gelegen)