Meinardus, W,; Die meteorologischen Ergebnisse der „Meteor“.Expedition 1925 bis 1927, 43
Die Differenzen der Thermometer in der Hütte gegen Assmann (H—A)
betrugen an fast 1400 Terminen durchschnittlich -+ O0 14°, sie waren, wie zu er-
warten, am Mittagstermin (14) am größten (+ 0.3 bis 04°), morgens (7b) und
abends (215) fast verschwindend, zuweilen negativ, Noch geringer sind die
Unterschiede zwischen der elektrischen Registrierung an der Mastspitze und
dem Assmann gefunden, soweit die Terminbeobachtungen darüber Aufschluß
geben, Nach Ansicht der Verfasser dürfte bei den endgültigen Werten der
Lufttemperatur die angestrebte Genauigkeit von 0.1° C, die für Untersuchungen
über den Wärmeaustausch der unteren Luftschichten mit der Wasseroberfläche
verlangt werden muß, erreicht sein, Naturgemäß sind aber im Einzelfall und
bei besonderen Wetterlagen die auf verschiedene Weise gefundenen Werte von
geringerer Übereinstimmung, was aus der Häufigkeitsverteilung der Differenzen
zwischen den verglichenen Temperaturen tabellarisch und graphisch sichtbar
gemacht wird. Störungen durch Strahlung und Schiffswärme ließen sich je nach
der relativen Lage zur Sonne und zur Windrichtung nicht ausmerzen. Es ist
auch denkbar, daß zwischen den Terminen die Registrierungen in der Brücken-
hütte und an der Mastspitze noch andere Korrektionen erfordert hätten, um sie
auf die Beobachtungen in Bordhöhe zu reduzieren,
Kuhlbrodt hat außer den erwähnten Vergleichen noch solche zwischen
einem gewöhnlichen, ungeschützten Bordthermometer (Marineluftthermometer)
und dem Assmannschen angestellt mit dem Ergebnis, daß jenes infolge von
Strahlungseinflüssen, Schiffswärme un, dgl. in den Tropen durchschnittlich um
0.8°, jenseits von 40° S um 0.4° zu hoch zeigte, Auch die Tabellenwerte des
holländischen Atlas erwiesen sich als zu hoch. Deshalb sollten, wie der Verfasser
meint, die Isothermenkarten der Ozeane, die im wesentlichen nach Beobachtungen
am Bordthermometer gezeichnet worden sind, entsprechend revidiert werden.
Die Temperatur des Oberflächenwassers wurde an Bord des „Meteor“
stündlich mit einem Schöpfthermometer gemessen, dessen Angaben nach einer
kritischen Untersuchung seiner Fehlerquellen vielleicht etwas (im Durchschnitt
weniger als 0,1°) zu niedrig waren. Die Werte wurden in die Grundtabelle 2
aufgenommen, außerdem aber auch noch die von G. Böhnecke bearbeiteten
Wassertemperaturen, die in etwa 3 m Tiefe unter dem Schiffsboden durch Wider-
standsthermometer registriert wurden, Näheres darüber in Band IV des Meteor-
werks, Abschnitt D, S. 199 bis 208,
Die vom unperiodischen Gang der Temperatur und von der Ortsveränderung
des Schiffs befreite tägliche Schwankung der Lufttemperatur beträgt nach
den elektrischen Registrierungen 0.3°, nach den Hüttentemperaturen 0,5%, Die
früher dafür angegebenen Beträge sind wegen der Strahlungseinflüsse an Bord
meist zu hoch. Die oft zitierten Beobachtungen des „Challenger“ ergaben z, B.
in den Tropen den viel zu hohen Wert von fast 2°C. Der Verlauf der täglichen
Temperaturperiode zeigt nach den elektrischen KRegistriernngen auf „Meteor“
das Maximum zwischen 12 und 13%, oft auch schon um 12, das Minimum zwischen
4 und 5% Nach den Registrierungen in der Hütte fallen die Extreme etwa eine
Stunde später. Die wichtigsten Merkmale der Tageskurve in den Tropen sind
nach Kuhlbrodt der rasche Anstieg der Temperatur von 6 bis 9b und dann die
angenäherte Konstanz von 9 bis 16h, worauf der Abfall zum nächtlichen Minimum
beginnt, Ob aber die auffallende Gleichmäßigkeit der maximalen Lufttemperatur
durch 7 Tagesstunden reell ist, bedarf wohl noch weiterer Prüfung, da sich keine
Erklärung dafür finden läßt. Die Hüttentemperaturen zeigen diese Erscheinung
nicht. Reger hat nämlich innerhalb der Tropen solche Tage ausgesucht, an denen
der Unterschied zwischen der Hütte und Assmann an allen 3 Terminen 0.1°
nicht überschritt. Der Hüttentemperaturgang zeigte an ihnen den bekannten
stetigen Anstieg bis zum Mittagsmaximum um 13% und einen langsamen Abfall
hernach. Vielleicht war der Temperaturgang an der Mastspitze in 28 m Seehöhe,
der elektrisch registriert wurde, doch nicht ganz in Einklang mit dem in
Bordhöhe (9 m).
In den höheren Breiten machte sich außer dem mittäglichen noch ein ge-
ringes nächtliches Maximum ' bemerkbar oder wenigstens eine Verzögerung der