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Full text: 69, 1941

Kosack, H. P.: Der bulgarische Küstenschelf im Schwarzen Meer, 395 
Tiefenströmungen, die unmöglich auf einen Nenner gebracht werden können, wie 
das von Shephard und Benest versucht wurde. Gerade die Erforschung der 
verschiedenen Ursachen und ihrer typischen Formen muß das Ziel künftiger 
Arbeit sein. Infolge des wenig reichhaltigen Materials, das bisher vorliegt, ist 
der Versuch einer aligemein gültigen Erklärung noch verfrüht, diese muß viel 
mehr von Fall zu Fall geprüft werden, 
3. Die im Schwarzen Meer möglichen Ausbildungsfaktoren, 
Als Bildungsfaktoren für die Formen des bulgarischen Schelfes kommen 
theoretisch folgende in Betracht: 1. Strömungen, 2, rezente Störungen und 
3. Bildung in geologischen Epochen, entweder durch subaerische Erosion oder 
durch Faltungen. Wir wollen hier die bestehenden Möglichkeiten auf die Tat- 
sachen hin untersuchen. 
Vorausgeschickt muß jedoch werden, daß wir es mit einem verhältnismäßig 
seichten Schelf zu tun haben und im wesentlichen mit Kleinformen, die an die 
mächtigen Ausmaße ozeanischer Bildungen nicht heranreichen. Wir können uns 
hier auch nur kurz mit dem vorliegenden Material befassen und beschränken 
die Besprechung auf die wichtigsten Tatsachen, 
1. Die Strömungen im Schwarzen Meer haben mit der Windrichtung nichts 
zu tun, Nach Beobachtungen an den bulgarischen Küstenstationen herrschen 
Ostwinde vor (Caraci [8] gibt Winddiagramme), im Winter treten auch West- 
winde in Erscheinung (18). Doch sind die theoretisch strömungsbildenden Stürme 
vornehmlich an die NO—SW- oder N—8S-Richtung gebunden {(Baranin [1] spricht 
von 40 m/sec; an der bulgarischen Küste 15 m/sec maximal), Nach dem Ekman- 
schen Gesetz würde die in Frage kommende Tiefenströmung (Mittel 35 m) also 
direkt gegen die Küste zu verlaufen, was sie jedoch nicht tut. 
An der bulgarischen Küste läuft ein Oberstrom von Nord nach Süd (1, 15), 
der sein Entstehen der Verteilung des Salzgehaltes verdankt (Kartenskizze in 6, 
S. 165), An der bulgarischen Küste selbst münden keine großen Flüsse, wenn 
man von der Provadijska und Kamtschija absieht (maximal 1.40 m Spiegelhöhe, 
Gefälle im Unterlauf 0.65/1000), so daß der Salzgehalt des vorbeidriftenden Ober- 
stromes nicht wesentlich geändert wird!). Die Driftzone hat eine ungefähre 
Breite von 50 km, wie die biologischen Beobachtungen beweisen (5, 8), Die Kom- 
pensationsströmung setzt infolge der eigenartigen Gestalt des Meeresbeckens erst 
in Tiefen von 50 bis 60 m ein, so daß sie nicht wesentlich morphologisch tätig 
sein kann. Insgesamt sind die Strömungen auch nicht schnell, so daß sie als 
formbildende Kräfte nur in der Strandregion selbst in Tätigkeit treten können, 
nicht dagegen in größeren Tiefen, Außerdem reichen die Unterströmungen nicht 
bis in das Niveau der Hauptebenheit des bulgarischen Schelfes, Aus diesen 
Gründen scheiden die Strömungen als formbildende Kräfte aus, 
2. Zur Untersuchung der rezenten Störungen sind wir auf die Beobachtungen 
der Küstenorte und der Inlandstationen angewiesen, Als Material liegen mir 
die seismischen Beobachtungen der Jahre 1916 bis 1932 vor (19, 20) sowie die 
Arbeit von Jankovr (16), der die Beben von 1892 bis 1936 zusammenfassend 
untersucht, 
Jankorv, der für Bulgarien die These von R. Staub bestätigt findet, kommt 
hinsichtlich der Küste zu dem Resultat, daß diese im gesamten Zeitraum nicht 
einen Bebenherd aufwies — sehr im Gegensatz zum übrigen Bulgarien -— und 
daher die unterirdischen Schichten stabil seien. Ausnahmen bilden Kap Kalliakra 
mit einem verheerenden Beben 1901 und die nördlich anschließende Küste mit 
den Punkten Mangalia, Konstanza, Odessa. In Anchialo wurden nur kleine Stöße 
durch Seismoskop beobachtet, die jedoch von fremden Bebenherden stammten. 
Jedoch gerade die Küste zwischen Varna und Nessebär, die zur Verwerfungs- 
und Überschiebungszone der Balkaniden gehört, hatte kein Beben zu ver- 
zeichnen, 
*) N Kap Emona im Durebschnitt 15°. $ davon 16%) Extreme Oszillationen (Varna) 18a 
(Ende Mai) bis 24%, (Mitte Februar), Bei Odessa im Mittel 10—12 % 4, in zentralen Teilen des 
Beckens 18.5% 4. In 55 mnı Tiefe ebenfalls 18,5%, in 90 m 20% 02, in 350 m 22,5% ($, 8).
	        
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