Kosack, H, P.: Der bulgariscne Küstenschelf im Schwarzen Meer,
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Der bulgarische Küstenschelf im Schwarzen Meer.
Ein Beitrag zur Schelfforschung.
Von Dr. H. P. Kesack.,
(Hierzu Tafel 25.)
Anläßlich geomorphologischer Untersuchungen im bulgarischen Küstengebiet
in den Jahren 193831 und 1935/36 ergab sich, daß ein fruchtbringendes Ergebnis
der Arbeiten auch die Untersuchung des bulgarischen Küstenschelfs, soweit sie
mit dem vorhandenen Material möglich ist, bedingte, Obwohl aus geologischen
und morphologischen Gründen — ich nenne hier nur die Frage des weiteren
Verlaufes des balkaniden Faltungssystems — eine solche Untersuchung schon
lange Bedürfnis war, unterblieb sie doch bis jetzt, und diese Lücke soll die nach-
stehende Studie ausfüllen. Im Verlauf der Arbeit ergab sich, daß die bulgarische
Schelfausformung gleichzeitig interessantes Material zur Schelfgenese im allge-
meinen erbrachte, deren Diskussion, angeregt durch ausgezeichnete Forschungen
des U, S. Coast and Geodetie Survey, in den letzten Jahren einen größeren Um-
fang angenommen hat,
Die Aufgabe war zunächst, die morphologischen Schelfformen als solche
festzustellen, Sodann konnte an die Durcharbeitung der Theorien zu ihrer
Bildung geschritten werden. Hierbei stellte sich heraus, daß die geologische
Struktur der bulgarischen Küstenlandschaft und ihre Entstehungsgeschichte die
wichtigste Voraussetzung zur Klärung des Fragenkomplexes darstellte, der gegen-
über andere Theorien sich als nicht stichhaltig erwiesen. Daß Vergleichsmaterial
aus anderen Küstengebieten des Schwarzen Meeres mit herangezogen wurde,
ergab sich aus dem Bereich der gestellten Aufgabe,
Als Grundlage für die Tiefenkarte dienten die Deutschen Admiralitätskarten
1103 und 1114, deren Unterlagen sich besser als die der Britischen (2230, 38, 85
und 2399) erwiesen, unter Einbeziehung bulgarischen Originalmaterials, Die
russischen Seekarten waren mir leider nicht zugänglich, Für Überlassung
sonstiger Literatur sage ich dem Direktor des Geographischen Instituts I, Ba-
takliev, Sofia, meinen herzlichen Dank; Diskussionen über die Küstenprobleme
mit dem Geologen St. Bontscherv, Sofia, und dem Geographen D. Dimitrov,
Burgas, ergaben manch dankenswerten Hinweis,
1. Das Schwarze Meer und der bulgarische Schelf,
Das Schwarze Meer stellt ein großes, ovales Becken dar, das vom Ufer
ziemlich rasch in größere Tiefen absinkt und nur im nordwestlichen Teil zwischen
Dobrudscha und Krim geringe Tiefen aufweist. Seine durchschnittliche Tiefe ist
daher sehr groß, 1197 m bei einer Oberfläche von 429993 qkm. Doch ist dabei
zu berücksichtigen, daß die genaue Bodenkonfiguration noch nicht gut erforscht
ist: in manchen Gradfeldern des mittleren Teils liegen nur 1 bis 2 Lotungen.
Längs der Küsten erstreckt sich ein mäßig tiefer Schelf von wechselnder
Breite (etwa 40 bis 50 km), der nun im Gegensatz zum Schwarzmeer-Becken-
boden eine gewisse Struktur und Ausbildung erkennen läßt, Es sind hier Furchen,
Rinnen, Becken und Erhebungen ausgebildet, deren Lage und Ausdehnung
interessante Rückschlüsse ermöglichen. Zur Betrachtung steht hier das Gebiet
des bulgarischen Küstenanteils von Kap Schabla bis zur Mündung der Rösovska
Röka, Der ausgestaltete Schelf hat hier Breiten bis 40 km und senkt sich
langsam auf 80 m Tiefe, von wo er rasch bis zu 1000 und 2000 m Tiefe abfällt.
Folgende Tiefenformen sind wichtig: Von Kap Kalliakra folgt eine submarine
Hebung dem Streichen der Küste südwärts, von der sie durch ein Tal mit einer
Maximaltiefe von 38 m ostwärts Kap Galata getrennt ist!), Die Bucht von Varna
setzt sich in einer angedeuteten Depression von 10m Tiefe in der erwähnten
submarinen Erhebung nach Osten fort, Eine gleiche Fortsetzung des Kamtschija-
Tales weiter südlich fehlt, doch erstreckt sich das submarine Tal in seinen Aus-
läufern bis fast an Kap Emona heran,
1) Vol, hierzu die Tiefenkarte, Skizze 1.