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Full text: 69, 1941

Ann. d. Hydr, usw., LXIX, Jahrg, (1941), Heft XIL 
877 
Erdmagnetische Messungen auf See mit dem Doppelkompaß 
als Tauchgerät. 
Von F, Errulat, Deutsche Seewarte, Hamburg. 
Bei der erdmagnetischen Vermessung auf See treten bekanntlich zwei große 
Schwierigkeiten auf, Erstens sind die bei Landmessungen gebräuchlichen In- 
strumente und Methoden wegen der Schiffsbewegungen nicht verwendbar, und 
zweitens wird das natürliche erdmagnetische Feld durch die modernen eisernen 
Schiffe so stark gestört, daß nur durch wiederholte und sorgfältige Ermittelung 
der z. T. sehr veränderlichen Deviation eine umständliche Berechnung des Erd- 
feldes möglich wird. 
F, Bidlingmaier (1) glückte es, mit Hilfe des Doppelkompasses den 
störenden Einfluß der Schiffsbewegung weitgehend herabzumindern, Um 
Störungen durch den Schiffskörper zu vermeiden, baute man dann eisenfreie 
Schiffe, von denen die „Carnegie“ bisher wohl die wertvollste Arbeit zur Ver- 
messung der Meeresräume geleistet hat (2). Über Messungsfahrten auf einem 
kleineren unmagnetischen Schiffe auf der Ostsee haben v, Gernet (s), Slaucitajs (4), 
Odelsiö (s), Keränen (6), Ljungdahl (7) berichtet, 
Da es bisher nicht möglich war, für deutsche erdmagnetische Arbeiten auf 
See ein eisenfreies Schiff zu erhalten, wurden in den letzten Jahren von der 
Deutschen Seewarte Versuche unternommen, die Horizontalkomponente mit Hilfe 
eines wesentlich verkleinerten und den besonderen Bedingungen angepaßten 
Modells des Doppelkompasses in einem eisenfreien Tauchkörper, einer Kugel 
von 0,76 m Durchmesser, zu messen, Der Tauchkörper wurde in genügendem 
Abstande vom Schiff in einer Tiefe schwimmend gehalten, in welcher der See- 
gang nur noch wenig oder garnicht stört. Die Einstellung der Rosen wurde 
nach Weiterentwicklung der von G. Fanselau (s) eingeführten Methode mit 
einer von Bord aus gesteuerten Filmkamera photographisch festgehalten, und 
aus einer genügenden Zahl zeitlich äquidistanter Aufnahmen wurde der mittlere 
Spreizwinkel berechnet, H ergibt sich dann aus der bekannten Beziehung 
18H = 1gC 4 1 008 7 
wobei C eine Anschlußkonstante, ı® der Spreizwinkel der Rosen ist, der sich aus 
den Ablenkungswinkeln @, und @, der einzelnen Rosen zusammensetzt, Schon 
die ersten Versuche waren erfolgreich. Die Tauchkugel wurde auf sehr lang- 
sames Absinken mit Bleigewichten austariert und an eine Schwimmleine gelegt, 
an der nötigenfalls noch gläserne Hohlkugeln von geringem Auftrieb befestigt 
waren. Zu tiefes Absinken wurde so durch Eintauchen von Kugeln verhindert, 
so daß der Tauchkörper etwa 100 m achteraus oder querab vom Schiff in be- 
liebiger Tiefe schwebend gehalten wurde, Schon wenige Minuten nach dem 
Aussetzen und Abtauchen lag er zumeist genügend ruhig. Wichtig ist es, daB 
bei unruhiger See genügende Wassertiefe zur Verfügung steht, Im allgemeinen 
waren Tauchtiefen von 20m hinreichend, Wesentlich schwieriger ist es, bei 
rollendem Schiff das Instrument ohne Beschädigung zu Wasser zu bringen; 
jedoch wurden dadurch bedingte Ausfälle mit fortschreitender Übung des see- 
männischen Personals bald weitgehend herabgedrückt. Um starke Dreh- 
schwingungen und fortschreitende Drehung der Tauchkugel um ihre Vertikal- 
achse zu verhindern, welche vor allem das Kabelmaterial gefährden, wurde mit 
Erfolg eine an der Kugel starr befestigte Leitfläche (Stromfahne) verwandt. 
Bei genügender Wassertiefe wurde die Kugel auch an der Bordwand senkrecht 
So weit in die Tiefe versenkt, daß sie außerhalb des störenden Schiffsfeldes lag, 
wobei Trossen und Kabel so lose durchhingen, daß die Schwingungen des 
Schiffes das Instrument nicht mehr mitbewegten. Voraussetzung ist dabei 
Druckfestigkeit der Hülle und gute Abdichtung der Kabeleinführung, Auf diese 
Weise konnten auch Messungen des vertikalen Gradienten von H an einer starken 
Störung vorgenommen werden, 
Ann. d. Hydr. usw. 1941. Heit ZI.
	        
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