372 _ Annalen der Hydrographie und Maritimera Meteorologie, November 1941,
Strahlungsforschung Geleistete langsam „über den
Kopf zu wachsen“ beginnt, mit der Herausgabe
des vorliegenden Bandes einem dringenden Be.
dürfnis erfolgreich abgeholfen zu haben,
Besonders erfreulich ist der straffe und syste
matische Aufbau des vorliegenden Stoffes. Ihm
ist es zu verdanken, daß das gesamte reichhaltige
Material (es werden annähernd 300 in- und aus
ländische Literaturstellen verarbeitet) auf diesem
verhältnismäßig kleinen Raum untergebracht werden
konnte und jederzeit an Hand eines angefügten
Literatur-, Namen-, Gewässer- und Sachverzeich-
nisses leicht wieder auffindbar ist. Ausgehend von
den physikalischen Grundlagen der Strahlung über:
haupt wird der Leser langsam Schritt für Schritt
nachdem er die Strahlungsverhältnisse über dem
Wasser, sowie die Strahlungseigenschaften des
Wassers und das Verhalten der natürlichen Strah:
lung in den Gewässern kennen gelernt hat, in das
Verständnis der kompliziert aufgebauten tatsäch-
lichen Strahlungsverhältnisse in den Gewässern
eingeführt. Weitere interessante Kapitel befassen
3ich mit der Beziehung zwischen den Lebens-
earscheinungen und der Strahlung in den Gewässerb
sowie weiter mit dem Zustandekommen der eigen
artigen Farberscheinungen der verschiedenen Ge:
wässer, Wenn speziell dieses Kapitel wie über.
haupt der ganze Band in erster Linie auf die
Verhältnisse in den Binnengewässern abgestimmt
ist, so muß doch hier ausdrücklich betont werden,
daß sowohl in der Limnologie wie in der Ozeano-
graphie in bezug auf die Strahlungsverhältnisse
grundsätzlich die gleichen Gesetzmäßigkeiten
herrschen, Ein Unterschied besteht nur insofern,
als wir es beim Meere vorherrschend mit besonders
klaren und optisch reinen Wassermassen zu tun
haben, die in ihren extremsten Vertretern, wie
beispielsweise dem Sargasso-Meer und dem östlichen
Mittelländischen Meer, nur in ganz seltenen Fällen
and auch dann nur unvollkommen von Binnen-
gewässern (Baikalsee) erreicht werden,
Den Abschluß des Bandes bildet eine ein-
gehende Übersicht über die bisher entwickelten
Meßmethoden, die für alle diejenigen von großer
Wichtigkeit ist, die die Absicht haben, sich auf
diesem in der Limnologie und Ozeanographie
immer mehr in den Vordergrund tretenden Wissen:
schaftszweige selbst zu betätigen,
Abschließend sei betont, daß für alle, die sich
in dieses schwierige Gebiet einzuarbeiten haben
oder schon längere Zeit mit den hier vorliegeuden
Fragen beschäftigen, das Erscheinen des Bandes
eine große Erleichterung bedeutet. Möge der Wunsch
der Verfasser, daß sich die interessierten Kreise
auf eine einheitliche Apparatur und Methodik
einigen, bald in Erfüllung gehen. Nicht nur Limno-
logen und Ozeanographen, sondern auch allen inter.
essierten Physikern, Geophysikern, Biologen und
Meteorologen sei das Studium des Buches dringend
empfohlen, K. Kalle
Uhrvergleiche und Konstruktion der Uhr, Schriften-
reihe der Gesellschaft für Zeitmeßkunde und
Uhrentechnik. Herausgegeben von Fr, A, Kames
und Prof. Dr.-Ing. H. Bock. 11. Band. Berlin
1941. 1628, 40 Abb, Preis 4.80 RM.
Es ist ein erfreuliches Zeichen, daß die Ge-
sellschaft für Zeitmeßkunde und Uhrentechnik mit
diesem elften Band ihrer Schriftenreihe die be-
sonders auch im Kriege notwendige Verbindung
zwischen Wissenschaft und Forschung einerseits
und Fabrikation und Handwerk andererseits auf-
rechterhält,
Nach bisherigem Brauch hat die Gesellschaft
auch diesem Band wieder einen Titel — Uhrver-
gleiche und Konstruktion der Uhr — gegeben, In
eindringlicher Weise zeigt der Inhalt des Bandes
zuch auf den im Titel genannten Gebieten wieder-
am die fruchtbare und deshalb immer wieder be-
grüßenswerte Einstellung, daß Theorie und Praxis
aur durch weitestgehendes Zusammenarbeiten in
die Lage versetzt werden, positive Ergebnisse zu
erzielen, )
Seit einigen Jahren tritt das Problem, einen
beschleunigten Uhrvergleich mit verbältnismäßig
großer Genauigkeit zu schaffen, mehr und mehr
in den Vordergrund, Die bei vielen Betrieben und
wissenschaftlichen Instituten eingesetzten Zeit-
waagen nach Siemens-Straumann, Gibbs u, a,
stellen bereits Sn ae Ergebnisse zu diesem
Problem dar. ährend aber diese Zeitwaagen
bewußt auf die eigentliche Standbestimmung ver-
zichten und aus der Neigung der Registrierkurven
den Z4stündigen Gang abzuleiten gestatten, ist es
»ftmals notwendig, auch den Stand eines Zeit-
messers selbst zu bestimmen,
Hierfür bringt der vorliegende Band der
Schriftenreihe zwei beachtliche Vorschläge,
Die erste sehr umfangreiche, beim 11. wissen-
schaftlichen Wettbewerb der Gesellschaft mit einem
Preis ausgezeichnete und von der Technischen
Hochschule Berlin gleichzeitig als Doktordisserta-
tion anerkannte Arbeit von Dr.-Ing, Edgar Müller
„Über die gebräuchlichsten Uhrvergleiche ohne
Registrierung für astronomisch-geodätuische Zwecke“
(Eine kritische Untersuchung der Verfahren und
Entwicklung eines neuartigen Uhrstandmessers)
geht in systematischer Weise an das Gesamtproblem
eran.
Nach Erläuterung der Grundbegriffe werden
die Vergleichsobjekte — Uhren und insbesondere
Funkzeitsignale — einer eingehenden Betrachtung
anterworfen, Hierauf folgt eine sehr gründliche
Darlegung des Uhrvergleichs mit Hilfe des Koinzt-
denzsignals nach den Verfahren von Ferri6 und
Hänni. Besonders reizvoll ist die in diesem Ab-
schnitt gegebene formelmäßige Zusammenstellung
der Uhrvergleiche, die verhältnismäßı:g selten in
der Literatur zu finden ist,
Ein zweiter Hauptabschnitt dieser Arbeit be-
schäftigt sich mit Genauigkeitsfragen, und zwar
sowohl mit der äußeren als auch mit der inneren
Genauigkeit der Uhrvergleiche,
Das Ergebnis dieser Genauigkeitsbetrachtungen
führt schließlich zu dem im dritten Hauptabschnitt
ausführlich beschriebenen „Uhrstandsmesser“, der
als ein Hilfsgerät für die Vornahme von Uhrver-
gleichen entwickelt wurde. Das Grundprinzip
dieses Gerätes beruht auf einer Unterteilung der
Zeiteinheit — der Sekunde — mittels eines unter
einer kreisiförmigen Skala rotierenden Lichtzeigers,
Der Antrieb des Gerätes erfolgt durch einen netz-
gespeisten Synchronmotor. Hieran schließen sich
Anweisungen zum Gebrauch des Gerätes sowie
zahlreiche Beispiele über die Verwendbarkeit. Die
Beispiele lassen erkennen, daß mit diesem Gerät
eine Genauigkeit erreicht werden kann, die etwa
zwischen der der einfachen Hörvergleiche und der
der Chronographenregistrierungen liegt. Damit
aber hat der Verfasser das sich gesteckte Ziel
voll erreicht.
Der Nachteil des Gerätes liegt m. E. darin,
daß es von der Frequenzkonstanz des benutzten