Goedeeke, E.: Beiträge zur Hydrographie der Konvergenz der Deutschen Bucht, 359
und der Insel Amrum. Sie sind gegenüber den südlich von ihnen in fast meri-
dionaler Richtung gelegenen Wirbeln erheblich weit nach Westen gerückt. Dabei
sind weiterhin bemerkenswerte Beziehungen zwischen der Lage dieser einzelnen
Wirbelkerngebiete und einigen orographisch auffälligen Besonderheiten des Meeres-
bodens der Deutschen Bucht festgestellt worden.
{n Abb. 15 ist, wie im früheren Fall (1s), versucht worden, eine Übersichts-
karte der wahrscheinlichen unperiodischen Wasserversetzungen an der ÖOber-
fläche innerhalb des Konvergenzgebietes der Deutschen Bucht zu entwerfen. Als
Grundlage hierfür diente die mittlere Salzgehaltsver teilung im Oberflächenwasser
vom 12. bis 23. Mai 1933 (vgl. Abb. 6). Im folgenden wird nun Abb. 15 mit der
unter (1) auf S. 90 angeführten Fig. 1 verglichen, und zwar insbesondere hin-
sichtlich der geographischen Lage der einzelnen Wirbelkerngebiete. Die beiden
Wirbel I und II vor der Jade-Weser- bzw. Elbmündung haben sich wahrscheinlich
im Mai 1933 zu einem einzigen großen Wirbelkerngebiet südöstlich von Helgoland
entwickelt. Es ist gegenüber den beiden im Juni 1930 festgestellten Kerngebieten
etwas nach Westen verschoben und liegt ungefähr auf 54° N und 08° E, Der
Wirbel III nördlich von Helgoland liegt im Mai 1933 auch weiter nach Westen
als im Juni 1930, und zwar auf rund 54° 16’ N und 07° 48' E, Die Ausgestaltung
dieser Wirbel nördlich und südlich von Helgoland ist im Mai 1933 als reell an-
zusehen. Mit den noch nördlicher gelegenen Wirbelin IV und V, die im Juni
1930 in der zugehörigen Salzgehaltsübersicht sehr ausgeprägt waren, verhält es
sich nicht so. Die Ausbildung dieser Wirbel, wie in Abb. 15 wiedergegeben, muß
vielleicht sogar als unwahrscheinlich gelten. Über solche Schwierigkeiten helfen
einem nur direkte Strommessungen an Ort und Stelle hinweg [siehe die Aus-
führungen im 7. Abschnitt unter (14)].
8. Hydrographisch-biologische und meeresgeologische Zusammenhänge
im Konvergenzgebiet.
Schon bei der Untersuchung der Kalkgehaltsverhältnisse der Deutschen
Bucht (7) wurde darauf hingewiesen, welch große Bedeutung die Konvergenz für
den Stoffhaushalt dieses Meeresgebietes besitzt, Diese tritt auch in der hori-
zontalen Sauerstoffverteilung im Oberflächen- und Bodenwasser deutlich hervor
(Abb. 16 u. 17)%. Diese beiden Übersichtskarten mit der Verteilung des relativen
Sauerstoflfgehaltes zeigen die Besonderheit, daß in der Mitte des Untersuchungs-
gebietes eine breite Zone mit Sauerstoffübersättigung vorhanden ist. Diese er-
streckt sich von den Flußmündungen der Elbe und Weser in nordwestlicher
Richtung in die offene Deutsche Bucht. Wenn man die zugehörigen Salz-
gehaltsverteilungskarten (Abb. 6 u. 8) betrachtet,‘ so deckt sich das Gebiet mit
Sauerstoffüberschuß in beiden Horizonten mit der aus den Salzgehaltsverhältnissen
geschlossenen Konvergenzzone. Westlich und östlich dieser Sauerstoffkonvergenz-
zone mit Sättigungszahlen von über 100 liegen Gebiete mit Werten ausschließlich
unter 100%. Wie ist nun dieses Sauerstoffüberschußgebiet zu erklären? Der
Temperaturfaktor kommt nicht in Frage, denn die zu dieser Jahreszeit anhaltende
Temperaturerhöhung des Meerwassers bewirkt nämlich Sauerstofferniedrigung.
Es ist bislang bekannt, daß starke Veränderungen in dem Sauerstoffgehalts-
zustand oberflächennaher Wasserschichten auf die Tätigkeit von im Wasser
assimilierender Lebewesen zurückzuführen sind. Durch den überdurchschnitt-
lichen Abfluß der Elbe- und Weseroberwassermassen während dieser Jahreszeit
werden ungeheure Nährstoffmengen (Phosphate usw.) in die Deutsche Bucht be-
fördert, außerdem durch den Zusammenprall dieses salzärmeren Mischwassers
aus den Flußmündungen mit dem aus Westen stammenden salzreicheren Nord-
seewasser weitere Nährstoffe in der von ihnen geschaffenen Konvergenz gebildet
und gegenüber anderen Gebieten der Deutschen Bucht angereichert, Die Kon-
vergenz ist daher ein Gebiet besonderer Planktonproduktion und -autolyse, Denn
durch diese Hauptnahrungsquelle der für die Organismen besonders des Phyto-
planktons lebensnotwendigen Minimumstoffe wird die Assimilation (Photosynthese)
8) Während der Poseidonfahrt im Mai 1933 in die Deutsche Bucht sind neben den Temperatur-
un Salzgehaltsserienbeobachtungen auch Sauerstoffproben vom Oberflächen- nnd Bodenwasser unter-
guc worden (17)