Goedecke, E.: Beiträge zur Hydrographie der Konvergenz der Deutschen Bucht. 355
Veränderungen nicht erfaßt wurden. Die in Abb. 7 wiedergegebene Temperatur-
verteilung im Bodenwasser paßt sich in der Anordnung ihrer Isothermen voll-
kommen den topographischen Verhältnissen des Meeresbodens der Deutschen
Bucht an. Das kältere und schwerere Wasser aus dem Westen wird vom leich-
teren kontinental erwärmten Küstenwasser an beiden friesischen Küsten umgeben
und in der Konvergenz der Deutschen Bucht überlagert. Südlich Helgoland
reicht das kalte Wasser (<7.0°C) weit in die Deutsche Bucht hinein, was einzig
und allein auf die weit Östliche Erstreckung des Tiefenareals 30—40 m zurück-
zuführen ist [siehe die Tiefenkarten unter (2) auf Taf, 1 und (n) auf Taf, 17].
{m großen und ganzen ist, wie auch Abb. 7 zeigt, auf Grund der hier gegebenen
Tiefenverhältnisse eine mehr oder weniger küstenparallele Isothermenanordnung
zu erwarten. Nahe der friesischen Küste ist die ungefähr innerhalb der 10 m-
Tiefenlinie anzutreffende hohe Erwärmung des Küstenbodenwassers durch die
bis zum Meeresboden reichende Deckschicht bedingt.
Die entsprechende mittlere Salzgehaltsverteilung im Bodenwasser ist in
Abb. 8 dargestellt. Auffällig ist, daß die Konvergenz des Bodenwassers mehr in
NNW-licher Richtung verläuft. Sie ist gegenüber der im Oberflächenwasser
angetroffenen Lage um mehrere Seemeilen nach rechts an die nordfriesische
Küste verschoben. Aquivalent der Temperaturverteilung schiebt sich das salz-
reichere und damit schwerere aus Westen stammende Wasser weit in die Deutsche
Bucht, Während der Salzgehalt an der ostfriesischen Küste mit der Tiefe ver-
hältnismäßig wenig zunimmt, also die Lage der Bodenisohalinen ungefähr mit
derjenigen der Oberflächenisohalinen zusammenfällt, entstehen an der nord-
[riesischen Küste und westlıch davon durch die Ostverschiebung des Boden-
wassers gegenüber dem Oberflächenwasser beträchtliche vertikale Salzgehalts-
gradienten. Die Größenordnung dieser Ostverlagerung des Bodenwassers ersieht
man darin, daß auf der Höhe der Halbinsel Eiderstedt die 32% ,g-Isohaline der
Oberfläche rund 55 sm von der Küste entfernt liegt, diejenige des Bodenwassers
aur noch 26 sm. Die Konvergenzzone der Deutschen Bucht als Gleichgewichts-
fläche zwischen den beiden sich überlagernden, spezifisch verschieden schweren
Wasserkörper wird durch diese hydrographischen Verhältnisse vertikal gesehen
schräg gestellt. Sie fällt von West nach Ost ein. Im einzelnen wird diese An-
ördnung in den im nächsten Abschnitt zu besprechenden Vertikalschnitten er-
läutert werden.
6. Der thermo-haline Vertikalaufbau der Deutschen Bucht.
Die vertikale Verteilung von Temperatur und Salzgehalt während der
„Poseidon“-Fahrt im Mai 1933 wird im folgenden durch Vertikalschnitte, die senk-
recht zu der nordfriesischen und ostfriesischen Küste gelegt wurden, dargestellt.
Die Lage dieser Schnitte gewährleistet einen Einblick in den räumlichen Aufbau
der Konvergenz. Die Bezeichnung der in bestimmten Abständen angeordneten
Querprofile senkrecht zur nordfriesischen Küste sowie ihre geographische Lage
sind folgende (Abb. 9):
|. Graa Dyb-Schnitt auf 55° 23’ N zwischen 06° 28‘ und 08° 17’ E.
2, List-Schnitt „ 55°05’N „ 06°40' „ 08° 29YE,
3, Amrum-Schnitt „ 54°38'N » 06°52 „ 08° 15 E.
4. Hever-Schnitt „ 54°25’N » 06°41’ „ 08° 35 E.
5. Eider-Schnitt „ 54°06'N # 06°46' „ 08° 20' X.
6. Scharhörn-Schnitt „ 53° 55’N » 06° 44’ „ 08° 15’ E.
Die entsprechenden Bezeichnungen und geographischen Angaben sind für die
Vertikalschnitte senkrecht zur ostfriesischen Küste folgende (Abb. 10):
1. Borkum-Schnitt auf 06° 42‘ E zwischen 55° 23’ und 53° 48’ N.
2. Norderney- Schnitt „ 07°05’E „ 55° 23’ „ 563°47'N,
3. Otzumer Balje-Schnitt „ 07° 30'E # 55° 22° „ 54°05’N.,
4. Wangeroog-Schnitt „ 07°52'E » 55° 24’ „ 53°527 N.
53. Wesermündung-
Graa Dyb-Schnitt „ 08°14’E