354 Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, November 1941.
Es ist nicht weiter überraschend, daß während dieser Jahreszeit in den
Küstengebieten der Deutschen Bucht sehr große Temperaturschwankungen, die
Jurch Vermischung des eindringenden kaltem Nordseewassers und des durch
fortgesetzte kontinentale Erwärmung beeinflußten abfließenden Küstenwassers
rervorgerufen werden, auftreten. Gleichlaufend werden auch zu dieser Jahres-
zeit sehr große Salzgehaltsschwankungen beobachtet. Durch die gegenüber
anderen Monaten noch verhältnismäßig großen Abflußmengen der Elbe und Weser
werden im Mischungsgebiet vor den Flußmün dungen und in den von ihnen be-
einflußten Küstenregionen größere Änderungen im Salzgehaltshaushalt hervor-
gerufen als zu anderen Jahreszeiten, Je näher die Stationen dem Festland liegen,
desto größer sind die Salzgehaltsschwankungen [siehe auch (s) auf S. 275 Tab. 6
a. 8. 277 Tab. 7}.
Die soeben gemachten Ausführungen mögen genügen, um den Leser zu über-
zeugen, daß die für das ganze Untersuchungsgebiet entworfenen, jetzt zu be-
sprechenden Übersichtskarten mit der mittleren regionalen Temperatur- und
Salzgehaltsverteilung nur einen bedingten Wert besitzen (siehe Abb. 6—-8), Die
Schwierigkeiten, die bei solchen Kartenentwürfen entstehen, werden immer größer,
je länger die Periode ist, für die derartige Übersichten mit mittleren hydro-
graphischen Verhältnissen gelten sollen. Der hydrographische Zustand der
Deutschen Bucht ist eben nicht stationär,
In Abb. 6 ist die mittlere Salzgehaltsverteilung im Oberflächenwasser für
die Periode 12. bis 23. Mai 1933 dargestellt, Der unruhige Verlauf der Isohalinen
verrät schon, daß in dieser Jahreszeit starke Vermischung der Wasserkörper
und somit auch große Salzgehaltsgradienten in der von Südost nach Nordwest
reichenden Konvergenzzone auftreten. Sehr schön kommt durch die mehrmalige
Aus- und Einbuchtung der 32.0-Isohaline südlich Helgoland das Eindringen des
aus Westen stammenden schwereren Nordseewasserkörpers in die Deutsche Bucht
zum Ausdruck. Nördlich von Helgoland biegt diese Isohaline rund 40 sm nach
Westen um. Diesem Wasserkörper fällt von Osten das nach Nordwesten ab-
HNießende leichtere Küstenwasser in die Flanke. Durch dieses Aufeinandertreffen
der beiden Wasserkörper ist besonders die Helgoländer Bucht, das Gebiet zwischen
den Grenzen Wangeroog— Helgoland und Helgoland—Eiderstedt als ein Gebiet
intensivster Vermischung anzusehen, Die nordfriesische Küstenwasserregion steht
daher stark unter dem Einfluß dieser Mischungszone. Im Gegensatz hierzu
weist die vor den Ostfriesischen Inseln gelegene Mischwasserregion im großen
und ganzen einen kontinuierlichen Übergang vom salzärmeren zum salzreicheren
Wasserkörper auf.
Eine ähnliche Salzgehaltsverteilung wurde vom 8, bis 21. Mai 1924 beobachtet
[siehe (2) Taf, 16 Figur 45], Nur die Küstengebiete zeigen im Mai 1933 höhere
Salzgehalte als 1924. Auch die Salzgehaltsdarstellungen vom Mai 1929 [(2)
Fig. 61 bis 64 auf Taf. 20] und Mai 1931 [(2) Fig. 70 u. 71 auf Taf. 23] zeigen
gegenüber Mai 1933, daß der Einfluß des nach Nordwesten setzenden salzärmeren
Wasserkörpers der nordfriesischen Küstenregion auf den Salzgehaltszustand der
Deutschen Bucht in früheren Jahren sehr bedeutend gewesen ist. Die Lage der
in Abb. 6 angegebenen östlichsten Isohaline 29,5 °%.g entspricht ungefähr der
27 “/o-Isohaline im gleichen Monat des Jahres 1924,
Eine entsprechende Temperaturkarte konnte trotz der Berücksichtigung der
beobachteten Temperaturschwankungen innerhalb der Küstengebiete (Tab. 5) und
Konvergenzzone (Abb. 4) nicht gezeichnet werden. Die Temperatur ist ein
Faktor von großer Instabilität, besonders im Frühjahr in der Deutschen Bucht.
Die interdiurnen regionalen Temperaturänderungen verlaufen im Oberflächen-
wasser dieses Gebietes sehr ungleichmäßig.
Für die Verhältnisse im Bodenwasser dagegen konnte für diesen Monat eine
Karte mit der mittleren Temperaturverteilung gezeichnet werden (Abb. 7), da
die zeitlichen Schwankungen der Bodenwassertemperatur nicht groß sind [siehe
die Tiefenbeobachtungen des F, Sch. „Borkumriff“ und „Elbe 1“ unter (18)
auf S. 61 u. 62]. Außerdem liegen die einzelnen Beobachtungspunkte hier
weiter auseinander als an der Oberfläche, so daß dadurch die kleinräumlichen