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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 69 (1941)

348 Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, November 1941, 
Längs- und Querschnitten gesammelt werden mußte, in Verbindung mit den 
Beobachtungen der Feuerschiffe, gewährleistete eine „synoptische“ Bearbeitung 
des hydrographischen Zustandes der Deutschen Bucht für die Zeit der 
Forschungsfahrt. Die zeitlichen und räumlichen Änderungen der hydro- 
graphischen Verhältnisse während dieser Untersuchungszeit waren die Grund- 
lage für Bilder von unperiodischen Wasserbewegungen (Restströme) innerhalb 
der Deutschen Bucht. Eine weitere Vertiefung der gewonnenen Anschauungen 
über derartige Wasserversetzungen konnte durch eine eingehende Analyse der 
Abhängigkeit der letzteren von der jeweils über der Bucht vorhandenen Groß- 
wetterlage erzielt werden, 
4. Die Großwetterlage und ihr Einfluß auf den hydrographischen Zustand 
der Deutschen Bucht im Mai 1933. 
Es ist bei allen hydrographischen Untersuchungen besonders oberflächen- 
naher Schichten wichtig, sich ein Bild von der während einer Forschungsfahrt 
vorhandenen Wetterlage über dem Untersuchungsgebiet und ihren Einfluß auf 
den hydrographischen Zustand zu machen [siehe die Ausführungen unter (s) 
auf S. 25). 
Die mittleren Witterungsverhältnisse über dem nordatlantischen Ozean hatten 
sich während der ersten 14 Tage des Monats Mai so gestaltet, daß das Tiefdruck- 
gebiet südlich Grönland einen ostwärts gerichteten Ausläufer herausbildete (15). 
Diese Rinne tiefen Druckes erstreckte sich zwischen dem Azorenhoch und der 
polaren Antizyklone bis nach Polen, In Norddeutschland herrschte während 
Äieser Zeit trübes und regnerisches Wetter. In der zweiten Hälfte dieses Monats 
stand die Europa-Witterung stark unter dem Einfluß der arktischen Antizyklone, 
die über den Meeresräumen zwischen Grönland und Nordnorwegen lagerte [siehe 
(15) Heft 8 auf S. 238]. Das sind die Verhältnisse in großen Zügen. 
Im einzelnen wird der Witterungsverlauf an Hand der Wetterlage nach der 
8 Uhr (M. E. Z.)-Wetterkarte der Deutschen Seewarte (16) für die Zeit vom 5, bis 
24. Mai kurz geschildert?), Zu diesem Zweck ist die Periode in 4 Pentaden auf- 
geteilt, und zwar: 1. Pentade.... 5. bis 9. Mai 1933, 
2. 2m 2e5004 10, „ 14. „ 1983, 
3. m 2.044 125. „ 19. „ 1933, 
4 oem 240004 20. „ 24. „ 1933. 
Während der ersten Pentade sind die Witterungsverhältnisse folgender- 
maßen: Aus einem kräftig ausgebildeten, von Grönland nach Nord- und Osteuropa 
hineinreichenden Luftdruckrücken entwickelt sich über Polen ein selbständiges 
Hoch, das aber durch heranziehende westliche Störungen bald wieder abgebaut 
wird, Ein vom Westausyang des Kanals nach der Nordsee ziehendes Teiltief 
okkludiert und wird ein Teiltief der atlantischen Zyklone. Hinter der Okklusion 
dieser Zyklone stößt das Azorenhoch nach Westeuropa vor und verhindert da- 
durch ein Vordringen nordeuropäischer Kaltluftmassen. Für das Gebiet der 
Deutschen Bucht hat sich daher während der ersten Pentade eine Südwest- 
Wetterlage herausgebildet, Wie die für F,-Sch. „Elbe 1“ entworfenen Windrosen 
(Abb. 1a—d) zeigen, kommen zur Zeit der ersten Pentade schwache Winde aus 
südwestlichen Richtungen am häufigsten vor (Abb. 1a). Die thermischen Verhält- 
nisse, die durch Pentadenmittel der Luft- und Wassertemperaturen bei den 
Feuerschiffen „Borkumriff“ „Elbe 1“ und „Amrumbank“ graphisch dargestellt 
sind (Abb. 2a—c), weisen eine durchschnittlich 1.1 bis 2.2° C höhere Lufttempe- 
ratur auf als die entsprechenden Wassertemperaturen. 
Da zu Beginn der zweiten Pentade das Azorenhoch langsam zurückweicht, 
ist die Wetterlage so ausgebildet, daß alle die Faktoren, die den üblichen Kälte- 
rückfall für Mitte Mai bringen könnten, zugenommen haben, Das Nordseetief 
zieht südostwärts und bildet über der Nordsee eine Tiefdruckrinne heraus, die 
vom atlantischen Tief über England, Nord- und Ostsee zum ostpolnischen Tief 
führt. . Dadurch überstreicht maritim-subpolare Kaltluft Deutschland und seine 
Küstengebiete. Gegen Ende der zweiten Pentade wird diese Tiefdruckrinne durch 
3 Die „Poseidon‘“-Fahrt dauerte vom 12. bis 23, Mai 1933,
	        
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