Kleinere Mitteilungen.
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Die natürlichen Werte von sin 6 und cos $ in den Ephemeriden oder wenig-
stens in den nautischen Jahrbüchern neben den scheinbaren Sternörtern anzu.
geben, habe ich ebenfalls früher vorgeschlagen. Es handelt sich für mich hier
nicht um irgendwelche Prioritätsansprüche, sondern nur darum, die oben ge-
nannten Vorteile nochmals hervorzuheben, Hiermit verbinde ich den Wunsch,
daß sich die Rechenmaschine in Zukunft auch in der Praxis der astronomischen
Navigation durchsetzen möge,
Heidelberg, den 20, August 1941,
Dr. Pasquale Sconzo, Prof, Collegio Navale G. I, L. Venezia.
2, Halo-Erscheinungen an künstlichen Lichtquellen. Die als „Säule“ be-
zeichnete Halo-Erscheinung zeigt sich als schmaler matter Streifen weißen
Lichtes, der sich von der Sonne, oder des Nachts vom Monde aus, senkrecht
erhebt und sich nach oben allmählich verliert. Sie entsteht durch Zurückwerfung
des Lichtes an der Unterseite von Eiskristallen, die sich in pendelnder Bewegung
befinden, ähnlich wie das langgezogene Bild einer Lichtquelle in einer leicht
bewegten Wasserfläche, Die Eiskristalle sind im allgemeinen Bestandteile von
Cirrus- oder Altostratuswolken, In den Polargebieten, oder in strengen Wintern
auch bei uns, können sie auch in den unteren Luftschichten auftreten.
In einer Julinacht des vorigen Jahres hatte ich Gelegenheit, im Raum des
nordwestdeutschen Küstengebietes Halo-Säulen zu beobachten, die über am Hori-
zont aufleuchtenden Mündungsfeuern der Flak erschienen, Inmitten des gewöhn-
lichen Lichtscheines jedes Abschusses erhob sich auffallend hell die Halo-Säule,
ähnlich einem weit entfernten, senkrecht nach oben gerichteten Scheinwerfer-
Strahl. Der Himmel war zu etwa 7/,, mit Cirren bedeckt, durch die helle Sterne
noch gut sichtbar waren, Als ein angreifendes Flugzeug eine Leuchtbombe
warf, erschien auch über dieser die Lichtsäule in der gleichen gelblichen Farbe,
wie der Leuchtsatz sie ausstrahlte. Sogar das Pendeln der Leuchtbombe am
Fallschirm konnte man an einem leichten Hin- und Herschwingen der Licht-
säule erkennen, wobei diese stets genau senkrecht gerichtet blieb, während der
durch das Zugloch des Fallschirmes nach oben dringende Lichtschein sich etwas
hin- und herneigte, Die Sprengpunkte der Flakgeschosse zeigten die Erschei-
nung nicht, da ihre Helligkeit dazu zu gering war. R. Becker,
3, Klimatographische Witternngsschilderung, Nr. 162: Chile. — Aus der
Sammlung des überseeischen meteorologischen Dienstes der Deutschen Seewarte. —
Witterungsverlauf an einem Herbsttage in Puerto Puyuhuapil). Be-
obachtungstag: 14. März 1939,
In Gegensatz zum gewohnten Verlauf eines Tages in einer Schönwetter-
periode wehte gestern der SSW-Wind nur mit Stärke 2 und war unruhig. Fast
den ganzen Tag über beherrschten zarte zerfaserte Cirren in unregelmäßig
fächenhafter Verteilung das Himmelsbild. Ferner fiel nach Sonnenuntergang
auf, daß der sonst bald einsetzende ruhige NNE-Wind sich nicht recht entwickelte.
Ein schwacher Hauch pendelt zwischen SSE und NNE. — Zum Abendtermin
war der Himmel sternklar, eine Bewölkung war nicht zu erkennen. — In der
Nacht fiel starker Tau. Der Morgen des 14, 3. ist kühl. Cist und flächige Aecu-
Streifen röten sich kräftig vor der aufgehenden Sonne. — 7%: Über die ganze
Himmelsfläche sind mit zahlreichen kleinen und größeren Lücken zerfaserte
weiße Schleier verteilt, die etwa 7/,, des Himmels bedecken, Stellenweise gehen
sie ohne scharfe Grenzen in dichtere Schichten über, die sicher den mittleren
Wolken angehören und ast-artig aussehen, Diese stehen besonders im S, Während
an der Station und auf der E-Seite des Tals ein stärkerer NNE (2) als gewöhn-
lich weht, ziehen drüben, in kaum 800 m Entfernung im W wenige Meter über
dem Fjordspiegel und dann weiter nordwärts, die Baumkronen umhüllend, mäßig
dichte Nebelschleier nach N. Dieses etwa 100 m hohe und nicht viel breitere
‘) Wegen der Lage von Puerto Puyuhuapi siehe den Aufsatz des Verf, „Über das Klima
im Küstengebiet von Südebile“ in Ann, d, Hydr. usw. 1939, S. 30ff. Weitere Klimatogr. Wittrgs-
schlürg. des Verf. aus Puerto Puyehuapi s, Aun, d, Hyde, usw. 1939 8, 152ff.: 1940, £. 263.