388
Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, Oktober 1941,
Die Abb. 2 zeigt eine Seite der Diagramme, Auf ihr geht die Ortssternzeit
von 20h 0m bis 20h 30m, die Höhe von Fomalhaut von 13° 20’ bis 25°, die Höhe
von Sirrah von 36° bis 44° 20’. Die Nordsternh öhengleichen zeichnet man selbst
ein, und zwar als geradlinige Verbindung zweier Punkte gleicher Höhe auf den
beiden Nordsternskalen am Rande,
{V. — Die Höhengleichen sind für den Arıfang des Jahres 1941 berechnet.
Damit die Diagramme in späteren Jahren benutzt werden können — sonst hätte
sich die Arbeit ihrer Herstellung nicht gelohnt — wird ein Tafelwert mit der
Anzahl der Jahre multipliziert und an die Höhen vor dem Eingehen in die
Diagramme angebracht. Dadurch läßt sich das Werk mindestens 50 Jahre lang
bequem weiter benutzen,
„Der Gedanke, fertige Höhengleichen zu konstruieren und zu verwenden, ist
nicht neu, doch scheint die praktische Ausführung in größerem Umfange nicht
verwirklicht zu sein“ (Schütte). Das Werk ist durch viel Erfindungsgabe aus-
gezeichnet, die sich in zahlreichen Einzelheiten glücklich ausprägt. Dieses Ver-
fahren der Auswertung von Sextantenbeobachtungen schlägt alle bisher be-
kannten an Einfachheit und Schnelligkeit und wird darin auch schwerlich
übertroffen werden können,
Kleinere Mitteilungen.
i. Gleichzeitige Berechnuug von Höhe und Azimut eines Gestirns. Der
gleichbetitelte Aufsatz von K. Ramsayer (Ztschr., für Instrumentenkunde 60,
1940, S. 249) gibt mir Anlaß, in den Ann. d. Hydr, usw. meine früheren Vorschläge
bekannt zu geben, die sich auf die Verwendung einer Rechenmaschine für die
Auflösung des Pol—Zenit—$Stern-Dreieckes beziehen?),
Im Auschluß an einige theoretische Untersuchungen über das Standlinien-
problem habe ich nämlich auf die Ermittlung einer praktischen Methode hin-
gearbeitet; meine Bemühungen bezweckten, mit Hilfe einer Rechenmaschine die
Berechnung yon. Höhe und Azimut eines Gestirnes auf das einfachste und ge-
naueste zu gestalten, so daß jedes logarithmische Rechnen bei der Praxis der
astronomischen Ortsbestimmung in der See- und Luftfahrt unnötig würde. Die
Vorteile der mechanischen Berechnung seien hier kurz zusammengefaßt: Kleiner
Zeitaufwand — höchste Präzision der Endresultate, da die ermittelten gonio-
metrischen Funktionen von Höhe und Azimut einfach mit der Schärfe der fünf-
stelligen Werte benutzt werden können — vollständiger Automatismus, d.h. Aus-
schluß jeder Denkarbeit — Beseitigung jeder Hilfsgröße, die mit dem Problem
an sich nichts zu tun hat — endlich die fast absolute Unmöglichkeit, Rechen-
fehler zu begehen.
Es sei noch hervorgehoben, daß gegenüber der Verwendung von graphischen
Hilfsmitteln oder von besonderen numerischen Tafeln die mechanische Rech-
nung die wesentliche Eigenschaft besitzt, in keinem Fall zu versagen, da sie auf
den einfachen Formeln der sphärischen Trigonometrie beruht:
{sin d) - ein @ — (c0s $ - cos 1) cos 9 == sinh
{sin ö,- cos g 4 (cos $ cost) "sing = cosh cosa,
wo h =— Höhe, a — Azimut, t = Stundenwinkel, $ == Deklination des Gestirns und
gp die geographische Breite ist,
Bei Verwendung der von mir vorgesehenen einfachen Rechenmaschine wären
die Produkte mit gleichen auftretenden in Klammern gesetzten Faktoren nach-
sinander zu berechnen. Allerdings wird das Rechenverfahren bei Verwendung
einer Doppelrechenmaschine offensichtlich erheblich beschleunigt, wie K. Ram-
z3ayer mit der „Brunsviga 13 Z“ gezeigt hat. Das Rechenschema dieses Verfassers
scheint mir das geeignetste und rationellste zu sein, das sich heutzutage für
die gleichzeitige Berechnung der beiden Koordinaten des Horizontalsystems
denken läßt,
1) Vgl. L’Universo, Riv, Ist, Geogr. Milit., Firenze 1937, XVIIL, p. 825; Riv. Marittima, Suppl.
Tecnico, Roma 1938; Ateneco Veneto, Venezia 1940, CXXXI, p. 198.