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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 69 (1941)

398 Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, Oktober 1941, 
der Zyklonen, welche aus der Erfahrung bekannt sind. Die Theorie von 
E. Kleinschmidt hat nunmehr diese Hypothese des Austauschgleichgewichts 
auf exakten Boden gestellt; der Westwind z. B. nimmt deswegen mit der Höhe 
zu, weil innerhalb der Flächen gleicher potentieller Temperatur (im Idealfalle) 
das Rotationsmoment solange ausgetauscht wird, bis innerhalb dieser Flächen 
keine wesentlichen Unterschiede des Rotationsmoments mehr vorkommen. Bei 
Jliesem „Austauschgleichgewicht“ nimmt also notwendig der Westwind polwärts 
zu in der Fläche gleicher potentieller Temperatur. Da diese Flächen polwärts 
ansteigen (mit flacher Neigung) und da in Bodennähe (durch Reibung) in allen 
Flächen gleicher potentieller Temperatur der Wind (im Austauschgleichgewicht) 
nur gering ist, muß im senkrecht-vertikalen Schnitt durch die Flächen gleicher 
potentieller Temperatur der Westwind mit der Höhe zunehmen. Die Wind- 
zunahme mit der Höhe ist also für den Westwind ohne weiteres eine Forderung 
des Austauschgleichgewichts, 
Daß diese Forderung auch für andere Windrichtungen gilt, ist folgender- 
maßen einzusehen: Die Bewegung der Austauschquanten, welche sich innerhalb 
einer Fläche gleicher potentieller Temperatur bewegen, ist im Mittel ungefähr 
der Trägheitskreis. Da der Umlauf auf dem Trägheitskreis antizyklonal gerichtet 
ist, bewirkt der Austausch Unterschiede der Windgeschwindigkeit innerhalb der 
Fläche gleicher potentieller Temperatur, welche eine (scheinbare) Scherung der 
Strömung im antizyklonalen Sinne bedeuten (antizyklonaler Gleitwirbel). Da 
(erfahrungsmemäß) in den Zyklanen die Fiichen oleicher ocotenticller Tomporatür 
nach dem Zyklonenkern hin ansteigen (in flacher Neigung), nimmt der zyklonale 
Wind innerhalb dieser Flächen nach oben zu. Dieses gilt für alle Flächen 
gleicher potentieller Temperatur, und da überall der zyklonale Wind am Boden 
durch Reibung gehemmt wird, fordert das Austauschgleichgewicht überall eine 
senkrecht-vertikale Zunahme des zyklonalen Windes, 
Der Verfasser wird daher gerade durch den zwingenden mathematischen 
Beweis, welcher von E. Kleinschmidt erbracht wurde, in der Meinung bestärkt, 
daß die Zyklonen Strömungssysteme sind, welche zwar näherungsweise das Aus- 
tausch- und Strömungsgleichgewicht erfüllen, daß aber die Wettervorgänge, ins- 
besondere die frontalen Wettererscheinungen wesentlich mit der dort vorhandenen 
Störung und Umformung des Austauschgleichgewichts zusammenhängen, 
V. Konvektionstheorie der Aufgleitfronten. 
Kürzlich hat der Verfasser den Versuch gemacht, diese Gleichgewichts- 
störung nachzuweisen bei den Aufgleitfronten. In der „Konvektionstheorie der 
Aufgleitfronten“!) wurde gezeigt, daß die Wolkenbildung notwendig eine Störung 
in das vorher vorhandene Austauschgleichgewicht bringt, insofern vor der 
Wolkenbildung der Austausch in den Flächen gleicher potentieller Temperatur 
(Isentropen) vor sich geht, nach der Wolkenbildung aber in den Flächen gleicher 
feuchtpotentieller Temperatur (Feuchtisentropen); wenn im ersteren Falle 
das Austauschgleichgewicht erfüllt war, ist es im letzteren Falle gestört. Diese 
Störung des Austauschgleichgewichts durch Wolkenbildung zieht notwendig alle 
anderen aus der Erfahrung bekannten Erscheinungen der Aufgleitfront nach 
sich, Eine Voraussetzung für diese Frontentstehung durch Wolkenkonvektion 
ist aber die vorherige Existenz einer „Frontalzone“, in welcher vor allem der 
Wind mit der Höhe stark zunehmen muß. 
E. Kleinschmidt beweist mit seiner Stabilitäts-Theorie, das in gemäßigten 
Breiten die Frontalzone bereits vor der Wolkenbildung eine gewisse Neigung 
zur Labilität besitzt, daß jedenfalls durch die strahlungsbedingte Erwärmung 
der Erdoberfläche und andere Vorgänge in den Flächen gleicher potentieller 
Temperatur der Austausch befördert wird, welcher die Windzunahme mit der 
Höhe liefert. Hierdurch rundet sich das Bild der Frontogenese; nicht nur die 
Entstehung einer Front in der bereits vorhandenen Frontalzone, sondern auch 
die Entstehung und Verschärfung einer Frontalzone ist als ein spontaner (weil 
labiler) Umlagerungsvorgang nachgewiesen, 
5 PP. Raethjen, Met. Zeitschr. 1939, 95.
	        
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