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Full text: 69, 1941

326 Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, Oktober 1941, 
Der größere Teil der Sonnenstrahlung wird nämlich an der Erdoberfläche 
absorbiert, und nur wenig Wärme wird vom Erdboden aus direkt in den Welten- 
raum hinausgestrahlt, F. Albrecht?) hat nachgewiesen, daß der weitaus größte 
Teil der von der Erde in den Weltenraum ausgestrahlten Wärme aus den oberen 
Schichten der Troposphäre (etwa 5 bis 9 km) emittiert wird, Die Troposphäre 
wird also vom Erdboden her geheizt (durch die dort absorbierte Sonnenstrahlung) 
und in ihren oberen Schichten gekühlt (durch langwellige Emission), Daher ist 
es paradox, anzunehmen, daß in der unteren "Troposphäre (zwischen dem Erd- 
boden und etwa 5 km Höhe) durch Luftmassenaustausch (im Mittel) die Wärme 
fortwährend abwärts befördert wird; der Strahlungshaushalt verlangt, daß die 
Wärme durch den Austausch aufwärts transportiert wird, weil die Einstrahlung 
an der Erdoberfläche dagegen die Abstrahlung in höheren Schichten am stärksten 
wirksam ist. 
1. Wärmeaustausch im Meridianschnitt. 
Die Lösung des Schmidtschen Paradoxons findet man am leichtesten, 
wenn man den (vertikalen) Meridianschnitt durch die Flächen gleicher potentieller 
Äquivalenttemperatur betrachtet, Die beistehende Abb, 1 zeigt diesen Vertikal- 
& $ ame ® * “ » schnitt mit gerade ge- 
90 60 50 9 50 SO 90° richtetem Meridian (von 
oz — A ==> Pol zu Pol) im Hoch- 
70 u BO sommer und Hochwinter. 
w Vena 70 — Aus den aerologisch ge- 
—60 50 — messenen Mitteltempe- 
=50 (7 40 raturen für Juli und 
;£ _ Januar und aus der er- 
\ 0 R \ fahrungsmäßigen mitt- 
/ „u leren relativen Feuchte 
a hat der Verfasser die 
Mittelwerte der potenti- 
ellen Aquivalenttempe- 
raturen der Nordhalb- 
kugel für Januar und 
Juli abgeschätzt in ihrer 
Abhängigkeit von der 
geographischen Breite 
und von der Höhenlage. 
Die Abbildung zeigt zu- 
nächst, daß in tropischen 
and subtropischen Breiten die potentielle Äquivalenttemperatur @ nach oben 
abnimmt von der Erdoberfläche bis etwa 6000 m Höhe. Für diese Breiten 
liefert also die Austauschtheorie kein paradoxes Ergebnis. In den polaren und 
gemäßigten Breiten (im Hochsommer von etwa 50° Breite bis zum Pol, im 
Hochwinter von etwa 40° Breite bis zum Pol) nimmt aber die potentielle Äqui- 
valenttemperatur nach oben zu. Hier ist das Schmidtsche Paradoxon von 
Interesse. Die Lösung des Paradoxons ergibt sich daraus, daß in diesen Breiten 
der weitaus größte Teil des Wärmeaustauschs in aufgleitenden und abgleitenden 
Luftbewegungen vor sich geht, Warmluftmassen gleiten polwärts auf und Kalt- 
luftmassen gleiten äquatorwärts ab. 
Diese Gleitbewegungen bleiben im wesentlichen in der Fläche gleicher 
potentieller Temperatur, solange sie nicht mit Kondensation oder Wolkenwasser- 
verdampfung verbunden sind und bleiben in der Fläche gleicher feuchtpotentieller 
Temperatur, wenn es sich um aufgleitende oder abgleitende Wolkenluft handelt, 
[m Mittel steigt daher die Gleitfläche des Wärmeaustauschs in gemäßigten Breiten 
in flacher Neigung polwärts an, so, wie es die schrägen Doppelpfeile der Ab- 
bildung. zeigen. Die Neigung dieser mittleren Austauschflächen ist etwas steiler 
als die mittlere Neigung der Flächen gleicher potentieller Temperatur, weil ein 
iı F, Albrecht, Met, Zeitschr. 1931, 57.
	        
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