308 Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, Oktober 1941.
Wert —1 wird erreicht, noch ehe die Flächen senkrecht stehen (6x = 0), d.h. noch
ehe die Lage hydrostatisch indifferent wird, und zwar gilt dies ohne Rücksicht
auf das Bodenwindfeld, Wie steil die Flächen im Einzelfall gestellt werden
müssen, damit die Anordnung labil ist, wird weiter unten berechnet werden.
Energiebetrachtungen,
Das in der Einleitung gegebene Beispiel kann den Anschein erwecken, für
bewegte Luftmassen beständen zwei verschiedene Arten von Labilität, deren eine
durch eine Abnahme der potentiellen Temperatur mit der Höhe, die andere
durch ein starkes antizyklonales Windgefälle auf der isentropen Fläche bedingt
ist. Wobei noch offen steht, ob es nicht noch mehr Labilitätsarten gibt, Es ist
aber von vornherein unwahrscheinlich, daß die verschiedenen Arten ohne jeden
Einfluß aufeinander sind, Es ist z, B. durchaus denkbar, daß eine hydrostatisch
instabile Schichtung durch ein passend gewähltes Windfeld stabilisiert werden
kann. Über die Stabilität einer Anordnung kann wohl nur entschieden werden,
wenn man Temperatur- und Windfeld gleichermaßen berücksichtigt. Hier die
Zusammenhänge nachzuweisen und damit die allgemeinen Stabilitätsbedingungen
für das geostrophische Windfeld aufzustellen, ist das nächstliegende Ziel.
Hierzu wird ein Weg eingeschlagen, der schon im hydrostatischen Fall das
Stabilitätskriterium liefert, Er führt über die Energiegleichung. Sie lautet im
stationären Feld und bei adiabatischer Zustandsänderung
x— 1
KA cp * + 8% = consb .
Dabei ist K = 1 (u* -+{- v* +- w*) die kinetische Energie, &,; die potentielle Tempe-
ratur der Masseneinheit, ferner
na und 6=
e. Wa
E
*—1
1000
wo R die Gaskonstante, cp und c, die spezifischen Wärmen sind. In dem oben
beschriebenen einfachen Druckfeld sind alle Glieder der Gleichung von y unab-
hängig. Um die Änderung der einzelnen Energieanteile bei einer Bewegung im
stationären Feld zu verfolgen, genügt es also, die Projektion dieser Bewegung
auf die xz-Ebene zu betrachten.
Als labil kann nur eine Anordnung bezeichnet werden, wo das durch einen
unendlich kleinen Impuls aus dem Gleichgewicht gebrachte Teilchen einen Weg
einschlägt, der mit einem endlichen Energieumsatz zwischen den Gliedern der
Gleichung (11} verbunden ist. Dazu muß die Bewegung eine endliche Projektion
auf die xz-Ebene besitzen. Dazu muß die Größe 41 (u®* 4+ w*), die im Ausgangs-
zustand den Wert Null hatte, endliche (positive) Werte annehmen. Das ist aber
nur möglich, wenn gleichzeitig der Rest der Gesamtenergie
#—1
Sl vifodp * +qz
Werte annimmt, die kleiner sind als der Ausgangswert S (xg, zo). Das ist die
notwendige Bedingung für die labile Anordnung,
Zu beachten ist, daß es nicht auf die räumliche Verteilung der Größe S an-
kommt, sondern darauf, wie sie sich für das individuelle Teilchen bei dessen
Bewegung verändert, Dabei sind Druck- und potentielle Energie jeweils durch
seine Lage im stationären Druckfeld gegeben. Für zZ liefert die zweite Grund-
gleichung eine einfache Beziehung: Integriert man sie über die Zeit, £o folgt
Y— Ya = — 1 (K-x) {12)
Diese Gleichung gilt für die Bewegung des Teilchens, solange in der y-Richtung
keine reelle Beschleunigung auftritt. Die sonstige Anordnung des Druckfelds ist
dabei gleichgültig, es braucht nicht einmal stationär zu sein, wenn nur diese
eine Bedingung erfüllt bleibt, Was die Gleichung physikalisch bedeutet, wird
später im Zusammenhang mit dem Austauschgleichgewicht besprochen werden.