Travvilek, F.: Die Zunahme d, Windgeschwindigkeit mit d. Höhe währ, säkul. Gegenextreme. 297
Austausch über dem neutralen Niveau nur ein ebenso großer Teil der Atmosphäre
z, B. unmittelbar beschleunigt wie unten verzögert werden kann und umgekehrt,
Die also zweifelsohne vorhandene Krümmungsdiskontinuität ermöglicht es
nun zum ersten Male, jene konkreten säkularen Phasen aufzuweisen, in denen
der zu erforschende Effekt am ausgeprägtesten vorliegt. Man erkennt, daß es
nicht, wie früher wohl vermeint, die Zeiten der säkularen Unruhemaxima sind,
in denen jenes besondere und gesuchte säkulare Agens am mächtigsten auftritt,
sondern, daß dies gerade während derer konträren Gegenteile der Fall ist. Da
nur können wir zufolge der extrem raschen und anfänglich fast linearen Wind-
zunahme mit der Höhe mit Sicherheit auf das Vorhandensein der kritischen
Krümmungsdiskontinuität unserer Kurven schließen, welche ihrerseits beweist,
daß die mittlere Bewegung der Luft zwei wesentlich verschiedenen Beeinflussungen
unterliegt,
Die eine davon, welche wir vielleicht am kürzesten die säkulare Kraft X
nennen und welche der anderen, wahrscheinlich bloß virtuellen, strömungs-
gleichrichtend diametral entgegenwirkt, wirkt unmittelbar nur innerhalb der
„endlichen“, säkularaktiven Schichte, während die andere den ganzen Raum,
gewissermaßen als reine Funktion der Erdnähe durchsetzt, (Von einer „tragenden
Deckfläche der säkularaktiven“ Schichte zu sprechen ist für die Zeiten der säkularen
Unruheminima von Bedeutung, wird aber für deren Gegenteil natürlich illusorisch.)
Die einzelne Zunahme der Windgeschwindigkeit mit der Höhe, wie sie für
den zeitlichen Durchschnitt gilt, stellt sich daher als eine viel kompliziertere
Kurve heraus als man auf die bestehenden theoretischen Voraussetzungen hin
hätte meinen mögen.
Es bleibt die Aufgabe der kommenden Forschung, sei es auf dem Wege über
Experimente oder der reinen Spekulation, darzutun, was das innere Wesen des
hier erstmalig zeitlich isolierten säkularen Vorganges ist, woher seine ihn ver-
ursachende „Kraft“ stammt und welche Stellung diese den anderen bekannten
Naturkräften gegenüber einnimmt.
Kleinere Mitteilungen. |
ji, Kartenmaßstab und hydrographische Namengebung. Als vor einigen
Jahren G., Wüst in einem Aufsatz über das Golfstromproblem') für die nach
Nordosten abkurvende Hauptfortsetzung des Golfstroms statt des bisher ziemlich
allgemein üblichen etwas farblosen Namens „Atlantischer Strom“ die schon von
O0. Krümmel vorgeschlagene Bezeichnung „Irischer Strom“ wieder zu beleben
suchte, fand diese Anregung wohl Beifall®; mehr Anklang dürfte aber der
wenig später?) vom gleichen Verfasser gemachte Vorschlag finden, diese für
Europa so wichtige Wasserversetzung den „Nordostatlantischen Strom“ zu nennen,
G. Wüst begründet die zweite Bezeichnung damit, daß der Nordostatlantische
Strom nach den neueren Untersuchungen mit seinem Hauptstromstrich westlich
der Rockall-Bank bleibt, also die irische Küste bzw. den irischen Schelf nicht
berührt. Diese sachliche Begründung gibt naturgemäß den Ausschlag; anderer-
seits aber hat m. E. auch ein „gefühlsmäßiges“ geographisches Moment mitgewirkt,
wenn der Name „Irischer Strom“ nie recht hat Fuß fassen können: Die Ent-
fernungs- und Größenverhältnisse des nordöstlichen Atlantischen Ozeans stehen
dem Europäer zu klar vor Augen, als daß er nicht Bedenken hätte, den Namen
der verhältnismäßig kleinen „Grünen Insel“ die vielleicht auf 250 bis 300 sm
Küstenlänge von dem Ausläufer des Golfstroms bestrichen werden kann, auf
einen Strömungsabschnitt von mindestens 1300 bis 1400 sm Länge (nordwestlich
der Azoren bis zum Färöer-Shetland-Kanal) zu übertragen,
Ähnliche unmittelbar gegenwärtige geographische Vorstellungen ließen es
begrüßenswert erscheinen, daß — zuerst wohl von Hans H. F. Meyer‘) — der
1) Tiefseebuch (Das Meer, Bd, 3), Berlin 1934, 8, 130. — % Ann. d. Hydr. 63, 1935, 8, 58. —
3) Neuere Auffassungen über das Wesen des Golfstromsystems usw. Der Seewart 6, 1937, S, 366, —
6 Oberflächenströmungen des Atlautischen Ozeans im Februar, Veröff, Inst, £, Meereskunde,
. F. Reihe A. Heft 11. Berlin 1923, 8. 26.