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Full text: 69, 1941

Kuhlbrodt, E.: Zur Meteorologie des Seeweges Kanal—New York. 9237 
Abb, 6 unten und die Kurven der Abb. 2 und 3 in ausgeprägter Weise ver- 
anschaulichen. Das Nebelvorkommen hat dort höhere Werte, wo diese Temperatur- 
differenz im Mittel eine positive oder nur recht kleine negative Größe ist, also be- 
sonders im Frühsommer längs des ganzen Seeweges. Es erreicht zu dieser Jahres- 
zeit über den Kaltwasserräumen bei 50° W und 70°W, als den Stellen mit dem 
größten Überschuß der Lufitwärme über die Wasserwärme, einen Höchstwert von 
mehr als 30%, bei Punkt C sogar > 40°, Häufigkeit aller Beobachtungen. In der 
Neufundland— Neuschottlandregion verfrachten die in der warmen Jahreszeit 
äberwiegenden südlichen Winde feuchte Warmluft subtropischer Herkunft, nach- 
dem diese zunächst über das Warmwasser des Golfstroms gestrichen ist und 
ihre Feuchtigkeit dabei noch angereichert hat, auf das Kaltwasser der Bänke; 
mit der nun einsetzenden raschen Abkühlung der unteren Luftschicht kondensiert 
deren Feuchtigkeit zu dem normalen sommerlichen Meernebel (Warmluftnebel), 
der sich durch große Dichte und Beständigkeit auszeichnet‘). 
Bei der Neufundlandbank hat der Nebel das ganze Jahr über, also auch im 
Winter (hier bei mehr als 5°/,), ein Maximum, Die nebelärmsten Stellen liegen 
im Winter über dem Warmwasser des Golfstroms bei 40° W und 60° W, gerade 
dort, wo die Isoplethen der Temperaturdifferenz Luft— Wasser zum extremen 
Wert von —3° und —4° geschlossen sind. Dort unterliegt die im Winter mit 
dem vorherrschend nordwestlichen Wind über die Warmwassergebiete flutende 
arktische oder kontinentale Kaltluft von der Meeresoberfläche her keiner Ab- 
kühlung, sondern umgekehrt einer kräftigen Anheizung, so daß sich echter 
Seenebel nicht bilden kann, wohl aber zuweilen niedriger unruhiger „Seerauch“. — 
Im großen gesehen verhält sich die Nebelverteilung umgekehrt wie die Nieder- 
schlags- und Sturmverteilung, 
Die Treibeisgefahr ist bei der Neufundlandbank im Sommer (Frühsommer) 
gleichzeitig mit der Nebelgefahr groß; deshalb ist diese Gegend beim C-Punkt 
{50° W) für die Schiffahrt so ungünstig und wird daher zu dieser Jahreszeit 
durch Einschlagen eines südlicheren Kurses (B-Weg der Dampfer) gemieden?), — 
Es ist eindrucksvoll zu sehen, wie stark die Einwirkung der örtlichen 
Oberflächentemperatur des Seewassers auf die Atmosphäre ist, wie energisch die 
über die Wasserfläche streichenden Luftmassen von dieser Oberfläche her be- 
einflußt werden. Es ist zwar bekannt, daß über Warmwassergebieten die Nieder- 
schlags- und Sturmhäufigkeit, über Kaltwassergebieten die Nebelhäufigkeit ver- 
mehrt ist, doch fehlt es bisher an ausreichenden zahlenmäßigen Gegenüber- 
stellungen mit der ausschlaggebenden Beobachtungsgröße: Temperaturdifferenz 
Luft— Wasser. W. Köppen sagt 1922: „Der Temperaturunterschied zwischen 
der Meeresoberfläche und der untersten Luftschicht darüber scheint eine so 
antscheidende Wirkung auf die Bildung von Nebel, Regen, Gewitter und selbst 
Sturm zu haben, daß eine möglichst umfassende Untersuchung über ihn sehr 
erwünscht wäre, Daß sich von benachbarten Meeresteilen verschiedener Tem- 
peratur die kälteren durch Nebel, die wärmeren durch Regen, Gewitter und 
auch Sturm auszeichnen, weiß man längst, ... die Verknüpfung dieser Tatsache 
mit dem Temperaturunterschied zwischen der Luft und ihrer Unterlage ist aber, 
meines Wissens, bis jetzt mindestens nicht betont worden. Und doch scheint 
sie sehr allgemein zu sein?).“ N. Shaw schreibt 1936: „.... the difference of 
mean temperature between sea and air represents one of the most important 
of the physical agencies which affect the atmosphere . . ‚“; er bezeichnet markante 
Warm- und Kaltwassergebiete des Ozeans als „reelle Aktionszentren“*). 
1) Vgl. die neuen monatlichen Nebelkarten vom Nordatlantischen Ozean und deren nähere Be- 
schreibung in meinem Aufsatz im „Seewart“ a, a, O. ; 
2) Beim Vergleich der Darstellung der Treibeisgefahr mit derjenigen der Stromgrenzen zeigt 
sich die bekannte Tatsache, daß Eisberge nicht nur im arktischen, sondern auch im Golfstromwasser 
angetroffen werden können, im Frühjahr und Sommer im Abschnitt 40° bis 60° W des Seeweges. 
3 W. Köppen, Die Rolle des Temperaturunterschiedes von Meer und Luft in der Physik der 
Atmosphäre, Ann. d. Hydr. 1922, 8. 138, Siehe auch W. Köppen, Sturmhäufigkeit und Temperatur- 
unterschied Wasser—Luft auf dem Nordatlantischen Ozean. Ann, d. Hydr. 1928, S. 259. 
*) N. Shaw, Manual of Meteorology, Vol, II, Comparative Meteorology, 2. Aufl. Cambridge 
1936, 5.53. Siehe auch N. Shaw, Centres of Action is the Atmosphere, Ann. d. Hydr. 1926, 
Könpen-Heft, 8, 85.
	        
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