Kuhlbrodt, E.: Zur Meteorologie des Seeweges Kanal— New York. 235
Das Isoplethenbild des mittleren Luftdrucks!) zeigt im Januar eine Ein-
schnürung als Zweiteilung der Eintrittszeit niedrigsten Druckes auf dem Ozean.
Das Druckminimum auf dem Seeweg im Abschnitt zwischen 25° und 60° W (vgl.
Tab.) bringt der Februar, in zweiter Linie der Dezember, Nach der europäischen
Seite hin wird das sekundäre Dezemberminimum zum Hauptminimum, nach der
amerikanischen Seite hin verschiebt sich die Eintrittszeit des niedrigsten Luft-
ädrucks vom Februar zum März (bei 65° W) und zum April (bei 70° W); das
Monsunhoch des nordamerikanischen Festlandes im Mittwinter macht sich ostwärts
auf den Ozean hin bemerkbar. Der höchste mittlere Druck des Jahres wird
auf dem größten Teil des Seeweges, von 15° W bis 50° W, im Juli erreicht, mit
1018 mb; nahe der europäischen Küste bereits im Juni (hier bei 50° N betrachtet),
auf der amerikanischen Seite bei 55° W im August, bei 60 bis 70° W im September
{hier bei 40° N betrachtet). Die Jahresschwankung der Monatsmittel ist am
stärksten in der Ozeanmitte bei 30 bis 40° W mit 9 mb, am geringsten in Küsten-
nähe mit 3 bis 4 mb; siehe Tab. und Abb. 4, Tafel 21.
Auf dem Seeweg, der ganz in der Westwindzone verläuft, ist der vor-
herrschende Wind stets westlich; bei 20 bis 40° W mit geringer jahreszeit-
licher Schwankung, Östlich 20° W mit Südkomponente im Winter und Nord-
komponente im Sommer, westlich 40° W umgekehrt mit Nordkomponente im
Winter und Südkomponente im Sommer. Dieser jahreszeitliche Wechsel der
meridionalen Windkomponente als Monsuneffekt ist auf der amerikanischen
Ozeanseite wesentlich ausgeprägter als auf der europäischen. Der Verlauf der
in der Winddarstellung eingezeichneten Grenzlinie zwischen NW und W einer-
seits, SW andererseits hebt dies hervor. Die mittlere Windstärke, die im Winter
allgemein größer ist als im Sommer, erreicht ihr Maximum mit mehr als
7? Beaufort (in der vorherrschenden Windrichtung) im Abschnitt um 40° W, in
den Monaten November bis Januar. Wie der Vergleich der Darstellungen zeigt,
liegt das winterliche Windstärkemaximum etwas westlich vom Gebiet niedrigsten
Luftdruckes, im Bereich der Winde aus NW bis W. Hier befindet sich auch das
Gebiet mit der größten Sturmhäufigkeit, in dem bis zu 25%, aller Wind-
deobachtungen eine Windstärke von 8 Beaufort oder darüber haben. In Abb. 5
oben sind zur Verdeutlichung des Zusammenhangs die Isoplethen des Luftdruckes
and der Sturmhäufigkeit übereinander gelegt worden. Ein Gebiet mit sekun-
därem Maximum der Sturmhäufigkeit mit Werten über 15%, tritt im Abschnitt
um 60° W besonders im Februar auf, dort weist auch die Isodyname 6 Beaufort
ebenso wie der Verlauf der Baro-Isoplethen eine kräftige Ausbuchtung nach
Westen auf, Im Sommer hat der Seeweg weniger als 5%, Sturmhäufigkeit, in
Küstennähe im Westen und Osten unter 1%, im Durchschnitt,
Niederschlagshäufigkeit und Sturmhäufigkeit haben eine sehr ähnliche
Verteilung, vgl. die Isoplethen-Darstellungen und in Abb. 2 den parallelen Verlauf
der Kurven. Doch sind die regenreichen Gebiete gegenüber den sturmreichen,
wie in Abb. 5 veranschaulicht, etwas ostwärts nach dem Zentrum und der Vorder-
seite der Gebiete niedrigen Luftdrucks hin verschoben. Die größten Nieder-
schlagshäufigkeiten betragen über 25%, aller Beobachtungsstunden im Januar
und Februar, einmal bei 30° bis 40° W, dann bei 60° W, Nach den Kontinenten
hin nimmt die Niederschlagshäufigkeit stark ab (auf 10 bis 12%), besonders rasch
von 60° W bis 70°W., Im Sommer bringen in der Ozeanmitte nur 11%, aller
Stunden Regen, in Küstennähe im Osten (bei 50° N) weniger als 10%. im Westen
(bei 40° N) weniger als 5%.
Bei der Sturm- und Niederschlagshäufigkeit fanden wir zwei Höchstwerte
auf dem Seeweg, Hauptmaximum bei 30° bis 40° W und sekundäres Maximum
um 60° W, Wir können auch sagen: bei der Länge um 50° W ist Sturm und
Regen in auffälliger Weise vermindert. Der Vergleich mit dem Isoplethen-Bild
der Oberflächentemperatur des Seewassers, siehe Abb. 6 mit der Über-
*) Die klimatologischen Druckwerte, die unserer Darstellung zugrunde liegen, wurden durch
Mittelbildung der von A. Defant gegebenen Werte (25 Jahre Hoffmeyer-Karten) und der Zahlen
sus dem Holländischen Atlas vom Atlantischen Ozean gewonnen, wobei letztere durch übergreifende
Mittelung der Quadratfeldwerte vorher geglättet worden sind.