Ann, d. Hydr. usw., LXIX. Jahrg. (1941), Heft VII.
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Zur Meteorologie des Seeweges Kanal—New York.
Von E. Kuhlbrodt, Hamburg, Deutsche Seewarte,
{Hierzu Tafeln 20 und 21.)
Zusammenfassung : ‚Wesen der Häufung der Schiffsbeobachtungen auf den Hauptstraßen des
Seeverkehrs kann die Meteorologie solcher Seewege besonders gut dargestellt werden. Dies geschieht
für den Seeweg Kanal—New York an Hand der statistischen Daten, die den von der Seewarte
bearbeiteten neuen „Monatskarten für den Nordatlantischen Ozean‘ zugrunde liegen. In gedrängter
graphischer Form werden die Beziehungen der meteorologischen und ozeanographischen Elemente
untereinander veranschaulicht, Insbesondere wird der Zusammenhang der Niederschlags-, Sturm- und
Nebelhäufigkeit mit der Wassertemperatur und mit der ausschlaggebenden Größe der Temperatur-
differenz Luft minus Wasser zahlenmäßig belegt; er ist für die vom Seeweg durchschnittenen mar-
kanten Warm- und Kaltwassergebiete sehr ausgesprochen,
Bei der kartographischen Darstellung der Ergebnisse meteorologischer Schiffs-
beobachtungen für ein großes Ozeangebiet tritt der Umstand erschwerend auf,
daß für manche der „Quadratfelder“, die auf See die Ortseinheiten sind, sehr
zahlreiche Beobachtungen vorliegen, für andere aber nur wenige, für die klima-
tologische Behandlung oft nicht ausreichende Beobachtungen. Zahlreich sind
die Beobachtungen auf den von den Schiffen viel befahrenen Seeverkehrswegen;
um die „Großschiffahrtsstraßen“ drängen sich die Beobachtungen am meisten.
Aber schon dicht seitlich solcher „Beobachtungsbänder“ nimmt die Zahl der
Beobachtungen rasch ab. Manche Meeresgebiete, durch die keine normalen
Schiffahrtslinien führen, weisen heute noch eine unzureichende Zahl meteoro-
logischer Beobachtungen auf. Dies bereitet einer räumlich gleichmäßigen Dar-
stellung der Klimatologie der Meere Schwierigkeiten.
Das Gegebene in der maritim-meteorologischen Arbeit ist es daher, zunächst
die Meteorologie der Hauptschiffahrtswege selbst darzustellen, denn hier ist die
Beobachtungsanzahl längs des ganzen transozeanischen Weges so groß, daß die
abgeleiteten Ergebnisse „gesichert“ sind. Für eine bequeme praktische Nutzbar-
machung der meteorologischen Ergebnisse von See für die Schiffahrt und für
die Luftfahrt über See, wenn diese sich an bestimmte Ozeanstrecken halten,
ist ein solches Vorgehen auch wieder zunächst das einfachste.
Vor kurzem (1939/1940) hat die Deutsche Seewarte einen neuen Atlas der
„Monatskarten für den Nordatlantischen Ozean“ neubearbeitet herausgegeben.
Über seinen meteorologischen Inhalt habe ich in der Zeitschrift „Der Seewart“ 1941,
S. 57—69 ausführlich berichtet. Aus den diesen Karten zugrunde liegenden klima-
tologischen Werten von See, also den Monatsmitteln der verschiedenen meteoro-
logischen Elemente, sind im folgenden diejenigen von dem für Schiffahrt und
Luftfahrt gleich wichtigen Seeweg Kanal—New York genommen und für sich
bearbeitet worden.
Den Verlauf dieses Seeweges zeigt Abb. 1 auf Tafel 21. Es ist der „Weg C“
mit Punkt C auf 50° W, 43° N (vgl. die Monatskarten) genommen worden, wie
er als Dampferweg für die „Ausreise“ international vereinbart ist und mit Aus-
nahme der Zeit vom 11. April bis 30. Juni gilt (für die letztere Zeit gilt wegen
der Eisberggefahr die Vereinbarung des südlicher verlaufenden „B-Weges“ mit
Punkt B auf 47° W, 41!/,° N auf der Ausreise). ,
Für die Betrachtung des jährlichen Ganges der meteorologischen Elemente
ist es erforderlich, stets den festen transozeanischen Schnitt zugrunde zu
legen. Die folgende Darstellung betrachtet daher, das muß ausdrücklich betont
werden, immer nur den C-Weg (Ausreise), zwischen den Meridianen 10° W
und 70° W; siehe die unter Abb. 1 angegebenen geographischen Koordinaten,
Dieser verläuft, was zu beachten ist, nicht breitenparallel, sondern von der Breite
50° N bei der Länge 10° W nach fast 40° N bei 70° W. Punkt C liegt am Rande
der beim Längengrad 50° W südwärts vorgestreckten Zunge der Neufundlandbank,
Die gedrängteste Übersicht über die regionale und jahreszeitliche Anordnung
der Monatsmittelwerte der meteorologischen Elemente gibt die Isoplethen-
Ann. d. Hydr. usw. 1941, Heft YIM.