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Volltext: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 69 (1941)

218 Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, Juli 1941, 
abgeschwächt werden; beides bedingt Druckfall, einmal Vertiefung des tiefen, 
im andern Fall Abschwächung des hohen Drucks. 
III. Schließlich ist noch der Fall zu erwähnen, daß die Isobare ihre 
Krümmung zeitlich ändert, ohne daß der Gradientbetrag von vornherein gleich- 
zeitig geändert wird. Das tritt bei gleichzeitiger Druckänderung quer zu den 
[sobaren ein. Dann erhält die Teilchenbahn die gleiche geänderte Krümmung, 
der dann aber ein anderer Gradient entspricht. Es muß also eine zusätzliche 
Druckänderung auftreten. Ohne Hinzutreten anderer Einflüsse muß es auf diese 
Weise bei einleitender zyklonaler Krümmungsverstärkung schließlich zur Aus- 
bildung eines neuen Tiefdruckzentrums kommen, während einleitende antizyklonale 
Krümmungsverstärkung nur eine geringfügige Abflachung des hohen Druckes 
herbeiführen kann, weil die Abflachung hier zugleich Krümmungsverminderung, 
also wieder Druckzunahme bedingt (s. Fig. 2, S. 217). 
Auf diese drei Hauptfälle lassen sich alle erzwungenen Bahnkrümmungs- 
änderungen der Luftströmung zurückführen. 
3. Größenordnung der kinematisch bedingten Druckänderungen. 
Es besteht folgende Beziehung zwischen Ablenkungskraft, Fliehkraft und 
radialem Druckgefälle bei Vernachlässigung der Reibung (s): ; 
© a = 2wsing-v+ T (r: Krümmungsradius, v: Tangentialgeschwindigkeit). 
Für die Berechnung betrachten wir das Druckgefälle Ap auf einer Strecke 4r 
von der Länge eines Äquatorgrades. Es wird 
Ap=0dr (2wsing-v34: 7) = 0AÄr(A+Z. 
Bei gleicher Tangentialgeschwindigkeit, aber verschiedenem Krümmungs- 
radius sind die jeweiligen Fliehkräfte umgekehrt proportional den Krümmungs- 
radien: E- =>. Also ist 
Ay =e4r(A+Z-7); Ay Ap=E04rZ ZT 
Wir setzen für o die mittlere Dichte für die angenäherte Höhe der 500-mb- 
Fläche, 5!/, km, nämlich 600 g/m®%, für r 500 km, für r‘ 400, 300, 200, 100 km, 
für v 20 m/sec. Das Vorzeichen der rechten Seite ist -} bei zyklonaler, — bei 
antizyklonaler Bewegung. Im ersten Falle wächst das Druckgefälle mit wachsender 
Krümmung, im zweiten Falle verringert es sich im gleichen Maße, da dann 
Gradient und Fliehkraft gleichgerichtet sind und zusammen der unveränderten 
Ablenkungskraft das Gleichgewicht halten müssen. 
Es ergeben sich folgende Werte: 
r' 400 300 200 100 
Ap—4p+013 0.36 0.80 2.66 mb. 
Die Werte für v und r sind keineswegs extrem gewählt, und wir haben 
gesehen, daß z, B. im Falle des wandernden Tiefs r’ zwischen r und 0 alle 
Werte annehmen kann. Also sind auch die angenommenen Werte von r' nicht 
übertrieben klein. Es zeigt sich mithin, daß die kinematisch bedingten Druck- 
änderungen von der Größenordnung der tatsächlich in der Atmosphäre beob- 
achteten Druckänderungen sind, Hätten wir bodennahe Schichten betrachtet, 
30 wäre o und damit der Betrag der kinematisch bedingten Druckänderungen 
doppelt so groß. Es kommt hinzu, daß die kinematisch bedingte Gradientände- 
rung auch auf v einwirkt, wodurch die Wirkung weiter verstärkt wird. 
4. Übertragung kinematisch bedingter Höhendruckänderungen auf den Bodendruck. 
Die kinematisch bedingten Druckänderungen unterscheiden sich von den 
statisch bedingten dadurch, daß eine in der Höhe kinematisch erzeugte Druck- 
änderung sich nicht ohne weiteres auf das Bodendruckfeld überträgt. Nur wenn 
die ursächliche Strömungsänderung der Höhe sich auf die tieferen Schichten 
bis zum Boden überträgt, wird auch dort kinematisch bedingte Druckänderung 
eintreten. Dies erscheint nun tatsächlich möglich, Im stationären Ausgangs- 
zustand ist die Luftströmung oberhalb der Bodenstörungsschicht in allen be- 
trachteten Schichten gleichgerichtet. Eine Richtungsänderung in einer Schicht
	        
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